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26. Mär 2026

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Wirtschaft

Der Circular Economy Act ist eine Chance – Im Interview mit Carsten Wachholz, Co-Lead Secretariat of the Business Coalition for a Global Plastics Treaty bei der Ellen MacArthur Foundation

Journalist: Armin Fuhrer

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Foto: Presse

Um Kreislaufwirtschaft zu einem strategischen Baustein der EU-Industriepolitik zu machen, müssen Hindernisse abgebaut und Anreize geschaffen werden.

Die bisherigen Aktionspläne und gesetzlichen Einzelmaßnahmen der EU zur Circular Economy haben zwar wichtige Fortschritte gebracht, konnten aber die Zersplitterung der geltenden Regeln im europäischen Binnenmarkt nicht ausreichend überwinden. Dies liegt auch an der unterschiedlichen Auslegung von Vorschriften zum Abfall- und Kreislaufwirtschaftsrecht in den einzelnen Mitgliedstaaten. Zudem müssen die Marktbedingungen für Sekundärrohstoffe und Geschäftsmodelle der Circular Economy verbessert werden. Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und Rohstoffrisiken muss die Circular Economy als strategischer Baustein der EU-Industriepolitik verankert werden – zur Stärkung von Europas Wettbewerbsfähigkeit durch langfristige Wertschöpfung und krisenfeste Lieferketten.

„Es reicht nicht mehr, Recycling-Fragen am Ende der Nutzungskette zu optimieren. Unternehmensstrategien, Produktportfolios und Geschäftsmodelle müssen so weiterentwickelt werden, dass Design für Langlebigkeit, Reparierbarkeit und hochwertige Wiederverwendung zum zentralen Bestandteil des Wert- und Leistungsversprechens werden“, ist sich Carsten Wachholz, Leiter für Unternehmens- und Politikdialog der renommierten Ellen MacArthur Foundation, sicher. Pioniere wie etablierte Marktakteure scheinen seiner Ansicht nach bereits von einer reinen Volumen- zu einer erweiterten Wertschöpfungslogik zu wechseln: Ein wachsender Teil der Erlöse entstehe durch Service-, Reparatur-, Refurbishment- und Remanufacturing-Angebote, statt über den Verkauf möglichst vieler, komplett neu produzierter Waren.

Unternehmensstrategien, Produktportfolios und Geschäftsmodelle müssen so weiterentwickelt werden, dass Design für Langlebigkeit, Reparierbarkeit und hochwertige Wiederverwendung zum zentralen Bestandteil des Wert- und Leistungsversprechens werden

Allerdings existiert eine Reihe von Hindernissen, die die Umsetzung dieser Schritte behindern. „Am gravierendsten wirkt sich der regulatorische Flickenteppich im europäischen Binnenmarkt für Unternehmen aus, die Circular Economy-Geschäftsmodelle in mehreren EU-Ländern ausrollen wollen“, betont Wachholz. Denn unterschiedliche Regeln zum Umgang mit der erweiterten Produzentenverantwortung, zu Abfällen und Sekundärrohstoffen, widersprüchliche Definitionen und ausufernde Berichtspflichten, erhöhten Transaktionskosten und unterbrächen grenzüberschreitende Wertschöpfungsketten. „Das bremst Innovation, verhindert betriebswirtschaftliche Skaleneffekte und verzögert unternehmerische Investitionen.“

Einen wirksamen Ansatz zur Überwindung dieser Hindernisse sieht Wachholz in der „pre-competitive collaboration“. In Industrie-Allianzen entlang spezifischer Wertschöpfungsketten – etwa für Verpackungen, Textilien oder Elektrofahrzeuge – arbeiten Unternehmen vorwettbewerblich zum Beispiel an gemeinsamen Standards, Formaten für den Datenaustausch, Sammel- und Rücknahmelogistik sowie Qualitätskriterien für Gewinnung von Sekundärmaterialien. „Der Nutzen liegt in niedrigeren Systemkosten, mehr Investitionssicherheit und einer schnelleren Skalierung neuer Geschäftsbereiche für alle Beteiligten.“

Am gravierendsten wirkt sich der regulatorische Flickenteppich im europäischen Binnenmarkt für Unternehmen aus, die Circular Economy-Geschäftsmodelle in mehreren EU-Ländern ausrollen wollen.

Im geplanten Circular Economy Act liegt Wachholz zufolge eine Chance für eine Neuausrichtung der europäischen Industriepolitik. Neben Anpassung und Verbesserung bestehender EU-Gesetzgebung durch den Circular Economy Act sei vor allem eine Verstetigung des Dialogs mit den Mitgliedstaaten notwendig, um regulatorische Hindernisse auf nationaler Ebene abzubauen und ökonomische Anreize europaweit neu auszurichten. Nötig sei insbesondere eine koordinierte Neujustierung von Steuer- und Abgabensystemen sowie des öffentlichen Beschaffungswesens, damit Circular Economy-Geschäftsmodelle, zum Beispiel bei Mehrwertsteuer und Vergaberegeln, nicht mehr benachteiligt werden. Parallel müssten industrielle Kooperationsplattformen und Investitions-Pipelines aufgebaut und, wo notwendig, gezielt mit EU-Förderung verknüpft werden.

Wachholz: „Entscheidend ist eine gegenseitige Angleichung bzw. Anerkennung von Definitionen, Standards und Regeln zum Datenaustausch mit wichtigen Handelspartnern der EU, damit Circular Economy-Lösungen besser in globale Wertschöpfungsketten integriert werden können.“

Factbox:

Der geplante EU Circular Economy Act soll Hindernisse für eine echte Kreislaufwirtschaft beseitigen, um die Wertschöpfung aus der qualitativ-hochwertigen Wiederverwendung von Produkten, Komponenten und Materialien in Europa zu steigern. Die Vorschläge der Europäischen Kommission werden im Herbst dieses Jahres erwartet, bevor sie in den Gesetzgebungsprozess gehen. Ziel ist es, eine einheitliche Rechtsgrundlage zu schaffen.

29. Sep 2026

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Wirtschaft

Energiekurs Deutschland – Ein Beitrag von Tim Meyer, Energieexperte, Speaker und Berater

Wer heute erfolgreich durch die Energiewelt navigieren will, kommt mit alten Landkarten nicht weit. Zum einen hat sich die geopolitische Tektonik verschoben: Spätestens seit 2021 wissen wir, dass Versorgungssicherheit über Erdgas nur noch mit hohen Kosten und Preisrisiken zu haben ist – seit dem Konflikt an der Straße von Hormus gilt das auch für Kraftstoffe. Wichtiger noch: Die Welt steckt in einer elektrotechnologischen Revolution, die weit über die Energieversorgung hinausreicht. Mobilität, Wärme, industrielle Prozesse und die Fertigung von morgen werden weitgehend elektrisch. Die Märkte haben sich bereits massiv verschoben – nicht nur die deutsche Autoindustrie leidet unter Absatzverlusten einst erfolgreicher Produkte. Treiber ist der globale Boom bei erneuerbaren Energien: Mit ihnen ist Strom so günstig und verfügbar wie nie, und der Preisverfall bei Batteriespeichern gleicht Schwankungen von Wind, Sonne und Verbrauch immer besser aus. Ergebnis: Allein in diese Technologien und den Ausbau der Stromnetze fließen weltweit Investitionen von über 1,3 Billionen US-Dollar pro Jahr – etwa fünfmal so viel wie in neue Gas-, Kohle- und Atomkraftwerke. Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. So anstrengend diese Gleichzeitigkeit wirkt: Für Menschen und Unternehmen in Deutschland liegen darin große Chancen. Zwei Dinge sind gewiss: Erstens gibt es kein Zurück – geopolitische Spannungen verschwinden nicht, und der technologische Fortschritt bei Clean Tech lässt sich nicht zurückdrehen. Zweitens sind diese Entwicklungen global: Technologien, die wir ohnehin für den Heimatmarkt entwickeln müssen, sind weltweit gefragt und können zur zentralen Säule des dringend nötigen wirtschaftlichen Aufschwungs werden. >Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. Umgekehrt gilt: Wer an alten Plänen und alter Technologie festhält – und sei es neu verpackt als „hocheffiziente Verbrenner“ oder „Grüngas“ –, landet auf dem wirtschaftlichen Abstellgleis. Industrielle Revolutionen kann man nicht aufhalten. Man kann sich nur entscheiden, auf der Gewinner- oder Verliererseite stehen zu wollen. China macht das seit Jahren zur Industriepolitik: vom Abnehmer deutscher Maschinen zum aggressiven Wettbewerber, inklusive Sicherung von Rohstoffen und Lieferketten. Heute ist China globaler Marktführer bei Wind- und Solarenergie, Batterietechnik und E-Mobilität – weitere Angriffe auf deutsche Märkte sind angekündigt, auch bei Wärmepumpen. Es gilt also, aus der Not eine Tugend zu machen: Absicherung gegen fossile Preisrisiken, Investition in Zukunftsmärkte, europäische Resilienz und Klimaschutz sind dabei ein und dasselbe. Die Politik muss diese neue Realität in eine verständliche Energielandkarte übersetzen: Elektrifizierung unserer Volkswirtschaft als verankertes Ziel, politisch gemanagt und mit Investitionen hinterlegt – vor allem durch schnellere Modernisierung der Energieinfrastruktur, also Digitalisierung, effizientere Organisation und Ausbau der Stromnetze. Doch auch ohne den großen politischen Wurf gibt es Lösungen, die sich schon heute lohnen und in die unternehmerische Zukunft weisen. „Energiekurs Deutschland“ zeigt diese Richtungen auf. Je mehr Unternehmen sie jetzt nutzen, desto mehr profitiert die Allgemeinheit – denn Deutschland hat alle Voraussetzungen, sich neu zu erfinden. Wir müssen es nur wollen und anpacken.