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30. Mär 2026

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Wirtschaft

Der Gebäudetyp E muss das neue Normal werden – Iris Schöberl, Präsidentin des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) e. V.

Journalist: Katja Deutsch

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Foto: Getty Images/unsplash

Iris Schöberl, Präsidentin des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) e. V., fordert eine Abkehr von überzogenen Standards.

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Iris Schöberl, Präsidentin des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) e. V.

Der gesamtgesellschaftliche Mangel an bezahlbarem Wohnraum liegt bei rund 1,4 Millionen Wohnungen in Deutschland. Was sind Ihrer Ansicht nach die größten Hemmnisse für mehr preisgünstigen Wohnraum? Es ist der Dreiklang aus steigenden Preisen, einem endlosen Wust an Vorschriften und unendlich langen Genehmigungsfristen, der den Wohnungsbau ausbremst. Zum Beispiel Genehmigungen: Warum muss ein Bauantrag heute noch in Papierform eingereicht werden? Das muss digital möglich sein. Und warum kann es teilweise bis zu fünf Jahre dauern, bis der Antrag bearbeitet ist? Für Investoren bedeutet schon ein einziges Jahr Verzögerung immense Zusatzkosten – ein Grundstück mit einem Millionenwert muss in dieser Zeit auch finanziert werden. Über den Daumen gerechnet machen die Finanzierungs- und Planungskosten bei einem Grundstück in einer größeren Stadt 30 Prozent der Gesamtinvestition aus. Das treibt den Preis für Wohnraum.

Welche konkreten Maßnahmen müssten Ihrer Meinung nach Bund, Länder und Kommunen umgehend priorisieren, um den Wohnungsbau endlich anzuschieben? Die Novelle des Baugesetzbuches muss schnell kommen. Das aktuelle Planungsrecht ist veraltet, es braucht moderne, schlanke Regeln für schnelleres und zeitgemäßes Bauen. So muss die Staatsmodernisierung insgesamt jetzt schnell vorankommen.

Der geplante Deutschlandfonds ist ein richtiger Ansatz, weil er öffentliche Mittel wirksam mit privatem Kapital hebeln kann. Entscheidend ist, dass er auch konsequent für den Wohnungsbau geöffnet wird, und einfach und unbürokratisch in der Ausgestaltung ist. Vor allem Ausfallbürgschaften können Investitionen absichern und privates Kapital gezielt in den bezahlbaren Mietwohnungsbau lenken. Und: Die „Staatsquote“ von derzeit fast 37 Prozent muss runter. Der Anteil staatlich versursachter Kosten an der Preisbildung ist viel zu hoch.

Vor allem Ausfallbürgschaften können Investitionen absichern und privates Kapital gezielt in den bezahlbaren Mietwohnungsbau lenken.

Wie könnten schneller und kosteneffizienter gebaut werden, ohne Abstriche bei Qualität und Nachhaltigkeit zu machen? Das ginge mit dem Gebäudetyp E. Heute gilt kostenbewusstes Bauen als Ausnahme, überzogene Standards sind zur Regel geworden, mit steigenden Kosten und blockierten Projekten als Folge. Der Gebäudetyp E muss das neue Normal werden – rechtssicher und kostengünstig, keine komplizierte Sonderlösung.

Normal bauen bedeutet, dass auf überflüssige Ausstattungen verzichtet werden kann. Wir müssen hier wieder lernen, Dinge wegzulassen. Nehmen wir nur die Steckdosen: Die Anzahl der vorgeschriebenen Steckdosen ist ein hervorragendes Beispiel für absurd detaillierte Vorgaben. Wenn wir so übertriebene Anforderungen an die Decken-Dicke, an Schallschutzmaßnahmen sowie an Keller und Tiefgaragen-Stellplätze streichen, bekommen wir einen signifikanten Hebel zur Reduzierung der Baukosten. Und letztlich reduzieren wir damit auch den CO2-Ausstoß.

Wie beurteilen Sie die Option, die vielen leerstehenden ehemaligen Kaufhäuser in Wohnraum umzuwandeln? Der Umbau vieler Immobilien scheitert zuerst an der Struktur der Gebäude und dann oft an den Kosten. Selbst, wenn die Gebäudestruktur eine gewisse Flexibilität erlaubt, behindern lange Genehmigungszeiten, eine hohe Regelungsdichte und der Verlust des Bestandsschutzes inkl. neuer Auflagen (so bspw. beim Brandschutz) den lohnenden Umbau. Wir müssen darüber reden, wie bei der Um- und Nachnutzung von Bürogebäuden mehr möglich gemacht werden kann. Die Branche braucht wirkliche Dynamik, nicht noch mehr Vorschriften.

Wir müssen darüber reden, wie bei der Um- und Nachnutzung von Bürogebäuden mehr möglich gemacht werden kann.