25. Jun 2026
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Gesundheit
Journalist: Thomas Soltau
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Foto: Getty Images/unsplash, Presse
Künstliche Intelligenz, elektronische Patientenakten und europäische Gesundheitsdatenräume sollen die Versorgung effizienter machen. Doch zwischen politischen Zielen und praktischer Realität liegen oft Welten. Sascha Raddatz, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Gesundheits-IT (bvitg), vertritt die Interessen führender Gesundheits-IT-Unternehmen in Deutschland. Im Interview spricht er über Technologietrends, regulatorische Hürden und die Frage, ob Deutschland 2026 endlich mehr Tempo bei der Digitalisierung aufnimmt.

Sascha Raddatz, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Gesundheits-IT (bvitg)
Der bvitg Trend Report 2026 beschreibt Künstliche Intelligenz als strukturbildende Kraft im Gesundheitswesen. Was verändert sich dadurch konkret? KI entwickelt sich von einer Einzelanwendung zur Basistechnologie. Bis Ende 2026 werden rund 40 Prozent der Praxen und Krankenhäuser KI-gestützte Assistenzsysteme einsetzen, beispielsweise für Dokumentation oder Prozessautomatisierung. Weitere Anwendungsfelder sind Wissensmanagement, Entscheidungsunterstützung und Patientenkommunikation. Besonders dynamisch entwickelt sich die KI-gestützte Dokumentation. Bis 2028 könnten bereits rund 70 Prozent der Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen entsprechende Lösungen nutzen. Vollautonome Diagnosen oder Therapien ohne ärztliche Kontrolle sind dagegen auf absehbare Zeit nicht zu erwarten.
Warum kommt die Digitalisierung im Versorgungsalltag dennoch vielerorts nur langsam voran? Das deutsche Gesundheitswesen ist äußerst komplex. Viele Akteure müssen eingebunden werden, was Entscheidungen und Umsetzungen verlangsamt. Hinzu kommen Investitionen in Software, Schulungen und personelle Ressourcen. Gerade kleinere Einrichtungen stehen dabei vor Herausforderungen. Gleichzeitig sind hohe Datenschutz- und Sicherheitsanforderungen notwendig, führen aber zu umfangreichen Prüf- und Zertifizierungsverfahren, die Innovationen oft ausbremsen.
Viele Akteure müssen eingebunden werden, was Entscheidungen und Umsetzungen verlangsamt.
Reicht die aktuelle Digitalisierungsstrategie aus, um das Gesundheitswesen nachhaltig zu modernisieren? Die Richtung stimmt. Entscheidend sind nun verlässliche Rahmenbedingungen. Wir brauchen klare Prioritäten, eindeutige Verantwortlichkeiten und realistische Zeitpläne. Viele Projekte laufen parallel, Termine verschieben sich und neue Anforderungen kommen hinzu. Für Hersteller und Anbieter ist außerdem Planungssicherheit bei Finanzierung und Refinanzierung unerlässlich.
An welchen Stellen wird Regulierung derzeit eher zum Bremsfaktor als zum Innovationstreiber? Regulierung bleibt wichtig, etwa für Qualität, Sicherheit und Interoperabilität. Problematisch wird es, wenn Vorgaben zu unklar oder zu detailliert ausfallen. Im aktuellen Gesetzesentwurf für Daten und digitale Innovationen im Gesundheitswesen sehen wir beispielsweise Interpretationsspielräume bei Interoperabilitätsanforderungen. Kritisch bewerten wir zudem die geplante stärkere Rolle der Gematik als Marktteilnehmerin. Wenn dieselbe Institution Standards setzt, Produkte zulässt und zugleich eigene Lösungen zentral beauftragt, beeinträchtigt das Wettbewerb und Innovationskraft.
Welche Chancen eröffnet der European Health Data Space für Versorgung, Forschung und KI? Der EHDS schafft erstmals einen europaweiten Rahmen für die Nutzung von Gesundheitsdaten. Das eröffnet neue Möglichkeiten für Versorgung, Forschung und KI-Anwendungen. Gesundheitsdaten können künftig grenzüberschreitend und standardisiert genutzt werden. Wichtig ist nun, europäische Anforderungen mit den laufenden Digitalisierungsprojekten in Deutschland zu verzahnen und die Finanzierung der notwendigen Umsetzungen sicherzustellen.
Gesundheitsdaten können künftig grenzüberschreitend und standardisiert genutzt werden.