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28. Mai 2021

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Gesellschaft

Deutschland – auf dem Weg zu einer modernen Aktienkultur

Journalist: Professor Dr. Michael Heuser

Die Welt, auch die der Finanzen, befindet sich im Wandel. Die Pandemie zeigt Spuren, bewegt aber auch immer mehr Menschen, sich mit Geldanlagen zu beschäftigen. 


Professor Dr. Michael Heuser, wissenschaftlicher Direktor des DIVA; Foto: Presse/Darran Dennison

Zwölf Börsenmonate im Brennglas: 

Im Frühjahr 2020 stürzt der DAX auf unter 9.000 Punkte ab. Bis Ostern 2021 schnellt er auf über 15.000 in die Höhe.

Neue Anleger an der Börse wagen sich umsichtig an Aktien und Fonds. Andere zocken heftig mit Wirecard und Gamestop.

Die Quote der Aktiensparer liegt mit rund 17,5 Prozent unter dem internationalen Schnitt (Besitzer von Aktien und Aktienfonds über 14 Jahre). Aber jeder dritte Bürger in Deutschland will sich künftig stärker an der Börse engagieren.

Wohin geht das Aktienland Deutschland? Das Deutsche Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) fragt regelmäßig bei den Menschen nach. Fünf Trends kristallisieren sich heraus:

Trend Nr. 1: Die Einstellung zur Börse ist intakt. Der Corona-Absturz der Kurse im Frühjahr 2020 hat dem wenig anhaben können. Mancher Anleger nutzte vielmehr vorübergehend niedrigere Kurse, um günstig zu kaufen. Fast die Hälfte der Menschen findet, dass Aktien, Fonds und andere Finanzprodukte auf Aktienbasis attraktive Anlageformen sind. Überzeugte Aktienmuffel sind klar in der Minderheit. 

Trend Nr. 2: Junge Anleger probieren die Börse. Influencer in Social-Media-Kanälen machen sie neugierig. Nutzerfreundliche Smartphone-Apps kommen ihren Gewohnheiten auch in Geld-dingen entgegen. Lockdowns geben Zeit zum Experimentieren. Natürlich bleiben Anfängerfehler nicht aus: Ungeduld, Kurzatmigkeit, Fehlgriffe, falscher Optimismus – und manchmal auch die Lust am bloßen Zocken. Allerdings scheinen die jungen Leute gewillt, aus ihren Fehlern schnell und gründlich zu lernen. Gekommen, um zu bleiben. 

Trend Nr. 3: Nachhaltigkeit wird relevant. Anleger wollen zunehmend über ihr Sparverhalten Einfluss auf Werte und Verhalten in der Volkswirtschaft nehmen. Schon heute meint mehr als die Hälfte der Bürger, man solle bei der Geldanlage ökologische, soziale und ethische Belange berücksichtigen. Nachfrage und Politik treiben das Thema.

Trend Nr. 4: Sparpläne auf Aktienfonds werden normal. Sie sind im Jahr 2020 um 70 Prozent angestiegen. Aktienfonds sind eine sehr nützliche Erfindung der Finanzmärkte, weil sich in einem Korb mit verschiedenen Aktien deren Risiken gegenseitig und über einen längeren Anlagezeitraum ausgleichen können. Sparpläne haben zudem mit dem Cost-Average-Effekt einen eingebauten Stabilisator: Für einen festen monatlichen Betrag kauft man mehr Anteile, wenn die Kurse niedrig sind, und weniger, wenn sie hoch sind. 

Trend Nr. 5: Privates Aktiensparen fürs Alter. Unter den Motiven für das Aktien(-fonds-)sparen dominiert das Thema Altersabsicherung. Die Menschen nutzen die Aktienmärkte mehr und mehr, um fürs Alter zurückzulegen. Ganz freiwillig. Warum diese Form der privaten Vorsorge nicht staatlich fördern? Ideen und Konzepten eines zentralistisch-staatsnahen „Staatsfonds“ erteilen die Bürger in DIVA-Befragungen jedenfalls eine klare Absage.

Die DIVA-Umfragen zeigen übrigens, dass der Aktienoptimismus vor allem bei Menschen ausgeprägt ist, die in Gelddingen Beratung suchen. Nicht der gute Rat ist teuer; teuer kommen Zaudern und Nichtstun. 

All das stimmt zuversichtlich. Deutschland ist auf dem Weg zu einer modernen Aktienkultur.

18. Mär 2026

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Gesellschaft

Hören macht klug

Kaum läuft der Lieblingssong, wird aus dem Kinderzimmer eine Bühne. Es wird gehüpft, getanzt, gerappt und mitgesungen. Musik bringt positive Energien ins Leben – und kann noch viel mehr: Musik stärkt das Arbeitsgedächtnis von Kindern, also die Fähigkeit, Informationen kurzzeitig zu speichern und zu verarbeiten. Damit Kinder neue Inhalte verstehen und anwenden können, braucht das Arbeitsgedächtnis eine ausreichend große Kapazität. Ist diese noch nicht altersgemäß entwickelt, kann das Lernen zur Herausforderung werden. Musik wirkt da im Kopf wie Fitness. Als gezieltes Gedächtnistraining, mit der die geistige Leistungsfähigkeit, schon im Vorschulalter, gefördert und somit das spätere Lernen erleichtert wird. Hörspiele ergänzen diese Reise in die Klangwelt: Kinder konzentrieren sich auf das gesprochene Wort und lernen Geschichten aus Stimmen, Geräuschen und Musik zu visualisieren. Statt auf Bilder zu schauen, erschaffen sie diese selbst im Kopf. Das fördert die Fantasie, Sprachentwicklung und Konzentration. Auch Singen macht Sprache lebendig. Mit Reimen, Wiederholungen und eingängigen Melodien entdecken Kinder neue Wörter und Satzmuster ganz intuitiv. Dabei wächst nicht nur ihr Sprachgefühl, sondern auch das Wir-Gefühl: Beim gemeinsamen Singen hören sie aufeinander, reagieren im Takt und erleben echtes Miteinander. Wenn die Musik dann in Bewegung übergeht, wird aus Rhythmus Körpergefühl. Tanzen stärkt Motorik, Koordination und Selbstvertrauen. >Musik wird damit zum Sprachrohr für Gefühle. Sie bieten einen sicheren Raum, der Kinder ihre Emotionen erkennen, ausdrücken und verstehen lernen lässt. Was sich in den letzten Jahren deutlich verändert hat, ist die musikalische Sprache, in der all das passiert. Moderne Kinderlieder lösen sich zunehmend vom pädagogischen Zeigefinger und suchen die Nähe zur Popkultur. Statt bravem Gitarrenfolk vom Pädagogen in Latzhose mit Mitmachliedern übers Zähneputzen, erklingen Hip-Hop-Beats, Indiepop und Reggae-Grooves. Die Texte greifen Themen auf, die Kinder beschäftigen: Familienalltag, Freundschaft, kleine Wutanfälle oder erzählen vom Mut, das erste Mal auf dem Fahrrad zu fahren. Musik wird damit zum Sprachrohr für Gefühle. Sie bieten einen sicheren Raum, der Kinder ihre Emotionen erkennen, ausdrücken und verstehen lernen lässt. Und ja – wenn das Lieblingslied zum hundertsten Mal läuft, nervt es vielleicht ein bisschen weniger, wenn der Text nicht von Reimen auf Hände waschen handelt, sondern davon, dass Eltern auch nur Menschen sind. Was einen Song besonders „kindertauglich“ macht, ist trotzdem eine Wissenschaft. Laut einem Bericht der New York Post¹ haben Forschende aus Sheffield herausgefunden, dass dazu ein Tempo zwischen etwa 60 und 120 BPM gehört, also ein Rhythmus, bei dem es sich gut mitwippen lässt; eingängige Wiederholungen sowie eine klare, positive Klangstruktur. Kommt Ihnen bekannt vor? Das sind genau die Zutaten, die es für einen guten Ohrwurm braucht. ¹ New York Post: „‘Radio Ga Ga’ is scientifically proven to be a perfect kids song“, 6. August 2024.