11. Jun 2026
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Gesundheit
Journalist: Julia Butz
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Foto: Presse
„Ohne Regeneration und Balance gibt es keine langfristige Leistungsfähigkeit.“ Ex-Profisportler Marcell Jansen im Interview.
Der ehemalige deutsche Fußballnationalspieler entschied sich mit 29 Jahren bewusst und für viele überraschend für einen Neustart abseits der Spielerkarriere. Heute ist Marcell Jansen als Unternehmer, Investor und Speaker erfolgreich und spricht unter anderem über Motivation, Teamwork und Resilienz; zudem war er viele Jahre Präsident des Hamburger SV.
Herr Jansen, was macht das besondere WM-Feeling für Sie aus und wie haben Sie diese Zeit als Profispieler erlebt, im Gegensatz zu heute? Die WM 2006 in Deutschland war etwas ganz Besonderes, weil man damals überall gespürt hat, wie sehr Fußball Menschen verbinden kann. Dieses Gemeinschaftsgefühl, die Euphorie und die positive Energie im ganzen Land waren wirklich einzigartig. Als Spieler selbst lebt man während eines Turniers allerdings extrem im Tunnel, voller Fokus, Anspannung und Verantwortung. Heute, mit etwas Abstand und als Fan, betrachtet man vieles emotionaler und erkennt erst rückblickend, welche Bedeutung solche Erlebnisse für ein ganzes Land, aber auch für einen selbst hatten.
Für Sie persönlich gehören dazu möglicherweise auch Learnings, die Sie heute für Ihre Karriere als Unternehmer nutzen. Gibt es Eigenschaften aus dem Profisport, die Ihnen im Berufsalltag zugutekommen? Ja, definitiv. Der Profisport hat mich in vielerlei Hinsicht geprägt, vor allem durch Disziplin, Resilienz und den Umgang mit Druck. Man lernt sehr früh, mit hohen Erwartungen, Rückschlägen und permanenter Bewertung umzugehen. Aber auch, wie wichtig Teamarbeit, Vertrauen und klare Kommunikation sind. Erfolg entsteht selten allein, sondern fast immer durch ein starkes Umfeld und das Zusammenspiel vieler Menschen. Und natürlich gibt es im Sport wie im Business nicht nur Hochphasen. Entscheidend ist, wie man mit Herausforderungen umgeht und trotzdem konsequent seinen Weg weitergeht. Die Fähigkeit, langfristig zu denken und auch in schwierigeren Zeiten handlungsfähig zu bleiben, gehört ebenso zu den wertvollen Erfahrungen aus dem Profisport.
Ich wünsche mir mehr Mut, echte Identifikation und Freude auf dem Platz.
Was macht aus Ihrer Sicht eine gute Führungspersönlichkeit aus, ob in der Kabine oder in der Wirtschaft? Ich denke, eine gute Führungspersönlichkeit sollte Vertrauen schaffen, Orientierung geben und Werte authentisch vorleben. Führung bedeutet für mich nicht Kontrolle, sondern Verantwortung; für Entscheidungen ebenso wie für Menschen. Wer glaubwürdig handelt, zuhört und gleichzeitig Klarheit vermittelt, nimmt andere mit. Gerade in der heutigen Zeit braucht es Führungspersönlichkeiten, die Leistung fördern, ohne den Menschen dahinter aus dem Blick zu verlieren.
Ernährung, Stress und Belastung fordern den Körper, sowohl im Spitzensport, als auch im Unternehmensalltag. Was können wir für unsere körperliche und mentale Gesundheit aus dem Profisport übernehmen? Viele Menschen beschäftigen sich mit ihrer Gesundheit leider erst dann, wenn Probleme entstehen. Dabei wissen wir aus dem Spitzensport schon lange: Ohne Regeneration und Balance gibt es keine langfristige Leistungsfähigkeit. Das gleiche gilt in Berufsleben und Alltag. Es geht dabei gar nicht darum, perfekt zu sein, sondern gute und bewusste Routinen zu entwickeln: mit ausreichend Schlaf, regelmäßiger Bewegung, gesunder Ernährung und auch mentalen Auszeiten. Vor allem geht es darum, wieder ein besseres Gefühl für den eigenen Körper zu bekommen und Warnsignale früh wahrzunehmen. Dauerhafte Müdigkeit, fehlende Erholung, mentale Erschöpfung oder Schlafprobleme sind oft erste Hinweise darauf, dass Körper und Kopf aus dem Gleichgewicht geraten. Gesundheit und Resilienz sind deshalb kein kurzfristiges Projekt, sondern die Grundlage für langfristige Leistungsfähigkeit und vor allem für Lebensqualität.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft des deutschen Fußballs? Ich wünsche mir, dass wir wieder mehr Mut, echte Identifikation und Freude auf dem Platz sehen. Deutschland war immer dann am stärksten, wenn wir als Mannschaft aufgetreten sind, mit Spielern, die gemeinsam etwas erreichen wollten und echten Teamgeist lebten. Deshalb wünsche ich mir auch, dass Nachwuchsförderung, Persönlichkeitsentwicklung und auch mentale Stärke stärker im Fokus stehen. Denn am Ende formt der Profisport nicht nur Fußballer, sondern junge Menschen, die ihren eigenen Weg finden müssen – auf und neben dem Platz.
Viele beschäftigen sich mit ihrer Gesundheit leider erst dann, wenn Probleme entstehen.
Der Liebhaber italienischer Küche verbringt seine freie Zeit am liebsten mit Familie und Freunden in der Natur, auf Reisen oder beim Sport. Neben Fußball gehört seine Leidenschaft dem Padel-Tennis. Gesundheit, Resilienz und Prävention sind Themen, die ihn auch persönlich an- und umtreiben.