2. Apr 2026
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Lifestyle
Journalist: Jakob Bratsch
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Foto: Presse, Max Haase
Seit rund zehn Jahren ist der Travel-Blogger und Content Creator Max Haase weltweit unterwegs. Im Interview spricht er darüber, was ihm beim Reisen wirklich wichtig ist, wie das Unterwegssein seinen Blick auf die Welt verändert hat und warum Kenia unter den 81 von ihm bereisten Ländern einen ganz besonderen Platz einnimmt.

Max Haase, Travel-Blogger und Content Creator
Seit 2016 reist du Vollzeit um die Welt. Was haben dich diese Jahre über dich selbst gelehrt und was über die Welt? Über mich selbst habe ich gelernt, dass das wahre Leben oft erst außerhalb der eigenen Komfortzone beginnt. Man muss sich nur trauen, sich darauf einzulassen. Reisen ist eine ständige Problembewältigung: Man steht oft am anderen Ende der Welt vor verrückten Herausforderungen – sei es eine Panne im Nirgendwo oder Sprachbarrieren – und doch findet man immer eine Lösung. Das stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten enorm. Zudem lernt man durch die Begegnungen viel über sich selbst, weil jede Kultur eine andere Perspektive auf das Leben bietet. Über die Welt habe ich gelernt, dass sie viel weniger beängstigend ist, als sie oft dargestellt wird. Es gibt fast überall traumhafte Orte und vor allem hilfsbereite, freundliche Menschen. Wenn man offen ist, kann man sich fast überall auf der Welt ein Stück weit zuhause fühlen.
Wohin führte dich deine allererste große Reise und wo warst du zuletzt unterwegs? Meine allererste große Reise führte mich ganz klassisch als Backpacker für drei Monate nach Thailand. Ich habe mir dort einen Roller gemietet und die Inselwelt erkundet – das war der Startschuss für alles. Zuletzt war ich in der Karibik unterwegs: Ein Roadtrip durch die Dominikanische Republik mit Freunden, gefolgt von einer Kreuzfahrt zu verschiedenen Inseln der Region.
Wie viele Länder hast du bisher bereist? Aktuell stehe ich bei 81 Ländern. Früher war es tatsächlich mein Ziel, jedes einzelne Land der Welt zu besuchen („Country Counting“), aber davon bin ich mittlerweile abgekommen. Heute setze ich auf Qualität statt Quantität. Es ist mir wichtiger, die Länder wirklich zu spüren und Zeit dort zu verbringen, statt nur einen Haken auf der Liste zu setzen. Wer als Tourist im Hotel wohnt und täglich am Buffet isst, nimmt ein Land oft ganz anders wahr. Ich finde, man lernt die Kultur und den Lifestyle erst dann wirklich kennen, wenn man wie ein „Local“ lebt: Mit dem Mietwagen oder Roller unterwegs sein, im Apartment wohnen, selbst auf Märkten einkaufen oder in authentischen, lokalen Restaurants essen gehen. Das ist für mich das wahre Reiseerlebnis.
Jeder Ort hat einen so einzigartigen Rhythmus und Lifestyle. Genau das macht das Reisen für mich aus: festzustellen, dass kein Land dem anderen gleicht, und sich immer wieder auf neue Menschen und Lebensweisen einzulassen.
Welches Land hat dich am nachhaltigsten beeindruckt und warum? Das ist wohl die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird, und sie ist schwer zu beantworten, weil reisen extrem subjektiv ist. Es kommt immer darauf an, was man sucht. Aber wenn ich mich festlegen müsste, dann wäre es Kenia. Dort habe ich den bisher größten Kontrast zu unserem Leben in Europa gespürt. Ich durfte in einem Massai-Dorf übernachten und gemeinsam mit den Massai auf eine Motorrad-Safari durch die Savanne gehen. Giraffen und Zebras vom Motorrad aus zu sehen, weit und breit kein anderer Tourist, und dabei diese faszinierende Kultur hautnah zu erleben – das war ein Moment, der mir Gänsehaut bereitet hat und den ich nie vergessen werde.
Worauf legst du beim Reisen besonders Wert: gutes Essen, Kultur & Tradition, Begegnungen mit Menschen oder das komplette Eintauchen in den Alltag eines Landes? Für mich steht das vollständige Eintauchen in den Alltag eines Landes an erster Stelle. Jeder Ort hat einen so einzigartigen Rhythmus und Lifestyle. Genau das macht das Reisen für mich aus: festzustellen, dass kein Land dem anderen gleicht, und sich immer wieder auf neue Menschen und Lebensweisen einzulassen.
Spürst du eine Verantwortung gegenüber den Orten, die du zeigst – Stichwort Overtourism, Klischees oder Nachhaltigkeit? Definitiv. Mit einer gewissen Reichweite geht auch eine Verantwortung einher, der ich versuche, gerecht zu werden. Meine Strategie ist es, den Tourismus eher in Ländern und Regionen zu fördern, die davon profitieren und noch nicht überlaufen sind, anstatt die Hotspots zu zeigen, die ohnehin schon unter Overtourism leiden. Außerdem versuche ich, meine Community dazu zu animieren, in der Nebensaison zu reisen. Das entzerrt den Massentourismus, sorgt für authentischere Erlebnisse und kommt den Menschen vor Ort zugute.
Was bedeutet „Zuhause“ für dich heute, nach so vielen Jahren unterwegs? Tatsächlich habe ich mein finales, stationäres Zuhause noch nicht gefunden. Auch nach fast zehn Jahren bin ich immer noch hoch motiviert, die nächsten Jahre Vollzeit zu reisen. Aber wer weiß – vielleicht bin ich schon auf der nächsten Reise von einem Ort so beeindruckt, dass ich ihn mein Zuhause nennen werde!