29. Apr 2026
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Lifestyle
Journalist: Karin Kudla
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Foto: Getty Images/unsplash
Auf vielen Grillplätzen schwelt ein Generationenkonflikt: Köstliches, brutzelndes Fleisch gegen gesunde Ernährung, Tierwohl und CO₂-Bilanz…
Kaum machen die milden Frühlingstemperaturen es möglich, zieht es viele Menschen in den Garten. In den meisten Familien steht traditionell der Vater am Grill. Für ihn gehört das brutzelnde Nackensteak zum Wochenende wie die Sportschau zum Samstagabend. Doch anders als früher droht Widerstand. Sohn oder Tochter gehören zu einer Generation, die die Tradition kritisch hinterfragt. „Musst du wirklich das Billigfleisch nehmen?“, heißt es dann und schon steckt die ganze Familie mitten in einer aufgeregten Diskussion, die aus dem unbeschwerten Abend im Garten eine kulinarische Kulturdebatte macht.
Im Auftrag des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) hat das Meinungsforschungsinstitut forsa für den Ernährungsreport „Deutschland, wie es isst“ rund eintausend Personen nach ihren Essgewohnheiten gefragt. Komplett vegan ernähren sich zwei Prozent, vegetarisch sieben Prozent der Befragten. Deutlich größer ist mit 37 Prozent der Anteil der Flexitarier, die zwar gelegentlich Fleisch essen, an anderen Tagen aber ganz bewusst darauf verzichten. Der Grund für den Sinneswandel ist oft pragmatisch. Die Lust auf den herzhaften Biss, das sogenannte „Umami“-Erlebnis, bleibt – das schlechte Gewissen beim Blick auf die Massentierhaltung wächst jedoch. Das Problem war bislang die Umsetzung im Alltag. Gemüse allein war vielen Grillbegeisterten zu „beilagig“. Rein pflanzliche Ersatzprodukte scheiterten in der Vergangenheit oft an der Konsistenz oder einem künstlichen Beigeschmack. Doch inzwischen hat sich der tiefe Graben geschlossen – der Verzicht auf Fleisch muss kein Verzicht auf Genuss mehr sein.
Komplett vegan ernähren sich zwei Prozent, vegetarisch sieben Prozent der Befragten. Deutlich größer ist mit 37 Prozent der Anteil der Flexitarier.
Wer den Familienfrieden schätzt, hat mit Blick auf den Grill inzwischen ganz unterschiedliche Möglichkeiten. Für manche ist „Klasse statt Masse“ die Lösung. Statt beim Discounter Billigfleisch zu kaufen, entscheidet man sich bewusst für regionale Produzenten oder achtet im Supermarkt bewusst auf die Haltungsform. Haltungsform 1, die Stallhaltung, steht für die gesetzlichen Mindestanforderungen.
Eine Alternative sind fleischlose Produkte, die zwar oft hochverarbeitet sind, aber inzwischen immer besser schmecken. Diese haben einen hohen Bekanntheitsgrad. 95 Prozent kennen Lebensmittel auf Basis von Soja wie Tofu oder Tempeh. 88 Prozent kennen Getreide-Produkte, 84 Prozent Produkte auf Basis von Hülsenfrüchten wie Lupinen oder Erbsen und 64 Prozent Alternativen aus Nüssen oder Mandeln. Gekauft hat die Hälfte der Befragten pflanzliche Produkte. Wer neben dem Tierwohl auch das Klima im Blick hat, setzt bevorzugt auf regionale Produkte und vermeidet unnötige Transportwege. Ein Kompromiss zwischen beiden Welten sind hybride Produkte. Dabei handelt es sich um Produkte, die hochwertiges Fleisch mit pflanzlichen Proteinen – etwa aus Erbsen, Linsen oder Ackerbohnen – kombinieren. Der gewohnte Geschmack und die Textur von Fleisch bleiben erhalten, doch da der Fleischanteil deutlich reduziert ist, fällt die Klimabilanz deutlich besser aus.
Überall da, wo es bei der Diskussion am Grill nicht um Ideologie, sondern um guten Geschmack und pragmatische Lösungen geht, lässt sich inzwischen eine Lösung finden. Wer offen für Neues ist, kann den gemeinsamen Abend am Grill mit der ganzen Familie genießen. Genuss-Gewohnheiten und moralische Werte können dabei Hand in Hand gehen – wenn es allen schmeckt und wieder das gemeinsame Erlebnis im Mittelpunkt steht.
Ein Kompromiss zwischen beiden Welten sind hybride Produkte. Dabei handelt es sich um Produkte, die hochwertiges Fleisch mit pflanzlichen Proteinen kombinieren.
Im Jahr 2025 wurden in Deutschland 4,6 Millionen Tonnen Fleisch verzehrt. Pro Person sind das 54,9 kg – darunter 28,3 kg Schweine-, 14,7 kg Geflügel- und 9,7 kg Rindfleisch. Das sind 2,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Deutlich um ein Kilogramm gestiegen ist insbesondere der Verzehr von Geflügel.