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25. Jun 2026

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Digitalisierung muss den Alltag entlasten

Journalist: Thomas Soltau

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Foto: Getty Images/unsplash

Zwischen Personalmangel, Kostendruck und Bürokratie wächst der Bedarf an funktionierenden digitalen Lösungen. Wie KI, Vernetzung und interoperable Systeme Prozesse im Gesundheitswesen verändern.

Der Druck auf das Gesundheitswesen wächst. Kliniken und Praxen kämpfen mit Personalmangel sowie komplexen Abläufen. Parallel steigen die Erwartungen an eine vernetzte Versorgung – deshalb digitalisieren Einrichtungen Prozesse und Informationen. Im Alltag zeigt sich ein Problem: Viele Anwendungen arbeiten noch als voneinander getrennte Insellösungen. Gefragt sind Systeme, die interoperabel aufgebaut sind und sich in bestehende Prozesse integrieren lassen. Digitalisierung entfaltet ihren Nutzen erst dann, wenn sie im Alltag funktioniert und Mitarbeitende entlastet.

Hinzu kommt der wirtschaftliche Druck auf Einrichtungen. Krankenhäuser müssen effizienter arbeiten, ohne dass die Versorgungsqualität leidet. Gleichzeitig sollen Mitarbeitende entlastet werden, damit mehr Zeit für medizinische und pflegerische Tätigkeiten bleibt.

Wie Digitalisierung in der Versorgung funktionieren kann, welche Rolle künstliche Intelligenz dabei spielt und warum sichere Vernetzung immer wichtiger wird, erklärt Thomas Teitge, Geschäftsführer der Bechtle GmbH & Co KG IT-Systemhaus Bonn. Bechtle begleitet Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen bei IT-, Infrastruktur- und Digitalisierungsprojekten.

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Thomas Teitge, Geschäftsführer der Bechtle GmbH & Co KG IT-Systemhaus Bonn

Herr Teitge, wo stehen Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen beim Thema Digitalisierung aktuell? Viele Einrichtungen haben in den vergangenen Jahren wichtige Grundlagen geschaffen, von moderner Infrastruktur bis hin zu digitalen Anwendungen.

Gleichzeitig erleben wir, dass der Druck im Alltag weiter steigt. Deshalb geht es heute weniger um Digitalisierung um ihrer selbst Willen, sondern um konkrete Entlastung. Technologien müssen Prozesse vereinfachen, Mitarbeitende unterstützen und gleichzeitig sicher sowie zuverlässig funktionieren. Zudem müssen unterschiedliche Insellösungen interoperabel gemacht werden. Entscheidend ist, dass Lösungen alltagstauglich umgesetzt werden und sich in bestehende Abläufe integrieren lassen.

KI ist in aller Munde: Wo sehen Sie aktuell besonders großes Potenzial für KI im Gesundheitswesen? Vor allem dort, wo Mitarbeitende täglich große Mengen an Informationen verarbeiten müssen. Ein Beispiel aus der Praxis ist ein KI-Projekt, das wir mithilfe unserer Tochter Planet AI zur Unterstützung von Abrechnungsprozessen im Bereich der privaten Krankenversicherung realisiert haben. Dabei werden umfangreiche Patientenakten automatisiert analysiert, Dokumente erkannt und strukturiert aufbereitet.

Das beschleunigt die Bearbeitung deutlich und reduziert manuellen Aufwand. Gleichzeitig hilft KI dabei, Kostendruck zu reduzieren und Mitarbeitende von administrativen Aufgaben zu entlasten, damit mehr Zeit für wichtige medizinische Tätigkeiten bleibt. Datensicherheit, Skalierbarkeit und ein sicherer Cloudbetrieb spielen dabei eine zentrale Rolle.

Welche Rolle spielt Vernetzung für die Gesundheitsversorgung der Zukunft? Eine sehr große. Gute Versorgung endet nicht an den Grenzen einzelner Einrichtungen oder Abteilungen. Gerade bei chronischen Erkrankungen braucht es eine enge Zusammenarbeit zwischen Kliniken, Praxen, Pflegekräften und Patientinnen und Patienten.

Im Projekt „WebMedX“ arbeiten wir gemeinsam mit Partnern wie der Charité, dem Universitätsklinikum Würzburg und der Klinik Kitzinger Land an einer Plattform für die digitale Versorgung von Menschen mit Herzinsuffizienz.

Ziel ist es, medizinische Daten sektorübergreifend nutzbar zu machen und telemedizinische Prozesse besser zu etablieren. Solche Lösungen können dazu beitragen, Versorgung näher an den Menschen zu bringen und Abläufe effizienter zu gestalten.

Neben Innovation spielen Sicherheit und Stabilität eine wichtige Rolle. Wie wichtig sind diese Themen in der Praxis? Sie sind elementar. Gerade im Gesundheitswesen geht es um hochsensible Daten und um Systeme, die jederzeit zuverlässig funktionieren müssen. Deshalb begleitet Bechtle Healthcare beispielsweise die Krankenhäuser der Bundeswehr bei der sicheren Integration moderner Medizintechnik in komplexe Kliniknetzwerke. Dabei stehen Themen wie IT-Sicherheit, Interoperabilität und stabile Betriebsprozesse im Mittelpunkt. Digitalisierung kann nur dann Vertrauen schaffen, wenn sie sicher und langfristig tragfähig ist.

25. Jun 2026

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Gesundheit

Mit Datennutzung und Innovationen zur Smarten Gesundheitsversorgung –Ein Beitrag von Dr. Marc-Pierre Möll, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied BVMed – Bundesverband Medizintechnologie

Denn moderne Medizintechnik liefert genau das, was eine smarte Gesundheitsversorgung braucht: Kontinuierlich verfügbare Daten, intelligente Vernetzung und KI-gestützte Lösungen, die neue Versorgungswege ermöglichen. Unser Problem in Deutschland ist: sektorale Strukturen, tradierte Vergütungssysteme und uneinheitliche Vorgaben bremsen die digitale Transformation bislang aus. Was muss getan werden? Wir müssen Daten besser verfügbar machen. Wir müssen internationale Standards für Datenformate und -sicherheit verwenden. Wir müssen digitale Versorgung besser etablieren. Wir müssen digitale Versorgungspfade umsetzen. Die Nutzung von Daten ist das Kernelement, das digitale Versorgung in allen Sektoren und Situationen kennzeichnet. Dabei kann die Nutzung der Daten sehr verschieden gestaltet sein. Beispiele sind: - die Steuerung von Patientenpfaden anhand von aktuellen Daten und Informationen aus der Patientenhistorie, - das permanente Monitoring des Gesundheitszustandes anhand von kontinuierlich erhobenen Daten aus Sensoren oder anderen Messgeräten, - das situationsbezogene Management anhand von Alarmen bzw. Meldungen, - die Nutzung von Daten für die Weiterentwicklung von Produkten und Services sowie für Training, Validierung und Einsatz von KI, - die Nutzung von Daten für Digital Twin-Ansätze oder - die Nutzung von Daten für Training, Schulung, Weiterbildung. Wichtig ist, dass die erforderlichen Daten in der Versorgung zur richtigen Zeit und am richtigen Ort verfügbar sind, ein nutzbares Format haben oder über eine Schnittstelle genutzt werden können und die Rahmenbedingungen für die Datennutzung klar sind. **Aus Sicht der MedTech-Branche fordern wir:** - In einem neuen Primärversorgungssystem sollte die digitale Ersteinschätzung so entwickelt werden, dass künftig auch Echtzeitdaten für eine valide Ersteinschätzung genutzt werden können. - Für „Digital Twin-Technologien“ sollten pseudonymisierte Behandlungsdaten nutzbar gemacht werden. Denn Simulationen anhand von vorhandenem Bildmaterial können invasive Diagnostik verhindern oder Therapieschritte vorbereiten. - Das Einwilligungsmanagement zur Datennutzung im Behandlungsablauf sollte bundesweit vereinheitlicht werden und auf einer einheitlichen Interpretation der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) basieren. - Für die Verbesserung von Produkten und Services braucht die Industrie Zugang zu Gesundheitsdaten und teilt selbst auch ihre Daten. Dabei sind allerdings IP-Rechte zu beachten, gerade bei Medizinprodukten. - Unser Appell: Smarte Gesundheitsversorgung entsteht nicht durch einzelne Innovationen, sondern durch das Zusammenspiel von Daten, Vernetzung und KI. Die Zukunft der Versorgung ist möglich – jetzt muss das System folgen. ## Zum Autor: Dr. Marc-Pierre Möll ist seit April 2019 Geschäftsführer des Bundesverbandes Medizintechnologie e. V. in Berlin sowie Geschäftsführer der BVMed-Akademie. Er ist zudem Mitglied des BVMed-Vorstands.