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30. Sep 2021

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Gesellschaft

Digitalisierung unserer Energiesysteme

Journalist: Jörg Wernien

Disruption ist erst der Anfang der Digitalisierung. Kommunen und Gemeinden stehen vor gewaltigen Aufgaben. Einer der wichtigsten – die Digitalisierung der Energienetze. Wir sprachen darüber mit Matthias Wahl, dem Präsidenten des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft. 

Matthias Wahl, Präsident des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft; Foto: Presse

Herr Wahl, noch dominieren wenige große Energiekonzerne den Markt – doch damit ist eine Klimaneutralität nicht zu erreichen. Muss dieser Bereich nicht de-zentralisiert werden?

Im europäischen Vergleich hat man in Deutschland tatsächlich mit 1.200 Strom- anbietern die meisten Energieversorger. Neben den bekannten vier großen Anbietern gibt es vor allem zahlreiche, häufig in kommunaler Hand befindliche, Stadtwerke. Die Diskussion um Dezentralität ist also gar nicht das Entscheidende.

Grundsätzlich gilt natürlich: Wettbewerb belebt das Geschäft. Ausschlaggebend sind aus unserer Sicht vielmehr die Produktionskosten von Ökostrom sowie die Energiekosten bei den Endverbraucher:innen.

Die Blockchain und eine aktive CO2-Steuerung herunter bis auf die Ebene einer Gemeinde – welche Voraussetzungen müssen da geschaffen werden?

Mit der Blockchain-Technologie lassen sich Transaktionen dezentral, sicher und transparent bewerkstelligen. Vorstellbar ist der Einsatz der Technologie nicht nur im Stromhandel für Nachbarschaftsnetzwerke und Peer-to-Peer, sondern auch in der Kraftwerksplanung, bei der sicheren Abrechnung von Ladesäulen für Elektrofahrzeuge oder beim Nachweis der Echtheit von Ökostrom-Zertifikaten oder CO2-Zertifikaten im EU-Emissionshandel.

Um CO2 zu steuern, bedarf es zunächst mehr Transparenz über Verbräuche und entsprechende Aktivitäten. Die Digitalisierung in den Kommunen, vor allem auch auf dem Land, muss weiter vorangetrieben werden. Dazu gehört auch eine funktionierende digitale Infrastruktur.

Wenn auf jedem Dach Strom erzeugt wird, wo wird das gespeichert werden?

Ein großer Trend geht gerade hin zu dezentralen, kleinen Speichern. Einige Start-ups bieten hier kombinierte Lösungen an. Dabei handelt es sich um Pakete für die Miete von Photovoltaik-Anlagen samt Speichern. Dieser Weg führt gleich-zeitig zu mehr Autarkie in der Energieversorgung, ein weiterer Trend im Rahmen der Energiewende.

Bei selbst erzeugtem Strom kann überschüssiger Strom auch zusätzlich als Ökostrom ins Energienetz eingespeist werden. So kann jede:r Hauseigentümer:in auch zum Prosumer werden.

Corona hat es uns leider gezeigt: Digital liegen die Kommunen und Behörden im Nirwana. Was können die Stakeholder aus Politik und Wirtschaft kurzfristig ändern?

Neben der bereits erwähnten Investitionen in eine digitale Infrastruktur, insbesondere in Glasfaser, bedarf es in den Kommunen auch des Know-hows und der technischen Ausstattung. Wenn Mitarbeiter:innen von Behörden keine Mobiltelefone besitzen, geschweige denn Laptops, dann besteht auch wenig Verständnis und Vorstellungskraft, welche Lösungen und Möglichkeiten es in einer digitalen Arbeitswelt und Wirtschaft geben könnte.

KI steuert jetzt schon wichtige Bereiche – wo sehen Sie den Einsatz von KI in der Energiewirtschaft?

KI wird bereits vielfach in den Energie-netzen eingesetzt. Das Potenzial ist in der gesamten Wertschöpfungskette sehr groß. Konkrete Einsatzgebiete sind die voraus-schauende Netzführung und Netzautomatisierung, um zukünftig Anlagen und Netzschaltungen reduzieren zu können. KI kann zum Beispiel durch das Verarbeiten von Wetterprognosen erkennen, wann viel bzw. wenig Strom durch Windkraft zu erwarten ist und die Netzauslastung entsprechend steuern. Dazu kommen noch potenzielle Anwendungen im Bereich der Messung und Abrechnung, auch mit Blick auf die Elektromobilität. Gerade in der Energieversorgung gibt es viele noch zu entdeckende Muster in Prozessen, die alle das Potenzial für Mustererkennung, also „Machine Learning“, haben.

Thema Cybersicherheit: Der Angriff auf die amerikanische Pipeline hat die ganze Verwundbarkeit des Systems offenbart. Welche Konsequenzen sollten wir daraus ziehen?

Energieversorgungsunternehmen gehören zu den „Kritischen Infrastrukturen“ (KRITIS), an sie werden in der EU und in Deutschland per se sehr hohe Vorgaben bezüglicher der Informationssicherheit gerichtet. Hier ist es relevant, immer auf dem technisch neuesten Stand zu bleiben, um die Sicherheit zu gewährleisten. Gleich-zeitig dürfen Systemzertifizierungen und Datenschutz nicht so umständlich gestaltet werden, dass eine Digitalisierung des Energiesystems unwirtschaftlich oder gar unmöglich gemacht wird.

18. Mär 2026

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Gesellschaft

Hören macht klug

Kaum läuft der Lieblingssong, wird aus dem Kinderzimmer eine Bühne. Es wird gehüpft, getanzt, gerappt und mitgesungen. Musik bringt positive Energien ins Leben – und kann noch viel mehr: Musik stärkt das Arbeitsgedächtnis von Kindern, also die Fähigkeit, Informationen kurzzeitig zu speichern und zu verarbeiten. Damit Kinder neue Inhalte verstehen und anwenden können, braucht das Arbeitsgedächtnis eine ausreichend große Kapazität. Ist diese noch nicht altersgemäß entwickelt, kann das Lernen zur Herausforderung werden. Musik wirkt da im Kopf wie Fitness. Als gezieltes Gedächtnistraining, mit der die geistige Leistungsfähigkeit, schon im Vorschulalter, gefördert und somit das spätere Lernen erleichtert wird. Hörspiele ergänzen diese Reise in die Klangwelt: Kinder konzentrieren sich auf das gesprochene Wort und lernen Geschichten aus Stimmen, Geräuschen und Musik zu visualisieren. Statt auf Bilder zu schauen, erschaffen sie diese selbst im Kopf. Das fördert die Fantasie, Sprachentwicklung und Konzentration. Auch Singen macht Sprache lebendig. Mit Reimen, Wiederholungen und eingängigen Melodien entdecken Kinder neue Wörter und Satzmuster ganz intuitiv. Dabei wächst nicht nur ihr Sprachgefühl, sondern auch das Wir-Gefühl: Beim gemeinsamen Singen hören sie aufeinander, reagieren im Takt und erleben echtes Miteinander. Wenn die Musik dann in Bewegung übergeht, wird aus Rhythmus Körpergefühl. Tanzen stärkt Motorik, Koordination und Selbstvertrauen. >Musik wird damit zum Sprachrohr für Gefühle. Sie bieten einen sicheren Raum, der Kinder ihre Emotionen erkennen, ausdrücken und verstehen lernen lässt. Was sich in den letzten Jahren deutlich verändert hat, ist die musikalische Sprache, in der all das passiert. Moderne Kinderlieder lösen sich zunehmend vom pädagogischen Zeigefinger und suchen die Nähe zur Popkultur. Statt bravem Gitarrenfolk vom Pädagogen in Latzhose mit Mitmachliedern übers Zähneputzen, erklingen Hip-Hop-Beats, Indiepop und Reggae-Grooves. Die Texte greifen Themen auf, die Kinder beschäftigen: Familienalltag, Freundschaft, kleine Wutanfälle oder erzählen vom Mut, das erste Mal auf dem Fahrrad zu fahren. Musik wird damit zum Sprachrohr für Gefühle. Sie bieten einen sicheren Raum, der Kinder ihre Emotionen erkennen, ausdrücken und verstehen lernen lässt. Und ja – wenn das Lieblingslied zum hundertsten Mal läuft, nervt es vielleicht ein bisschen weniger, wenn der Text nicht von Reimen auf Hände waschen handelt, sondern davon, dass Eltern auch nur Menschen sind. Was einen Song besonders „kindertauglich“ macht, ist trotzdem eine Wissenschaft. Laut einem Bericht der New York Post¹ haben Forschende aus Sheffield herausgefunden, dass dazu ein Tempo zwischen etwa 60 und 120 BPM gehört, also ein Rhythmus, bei dem es sich gut mitwippen lässt; eingängige Wiederholungen sowie eine klare, positive Klangstruktur. Kommt Ihnen bekannt vor? Das sind genau die Zutaten, die es für einen guten Ohrwurm braucht. ¹ New York Post: „‘Radio Ga Ga’ is scientifically proven to be a perfect kids song“, 6. August 2024.