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25. Jun 2026

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Gesundheit

Digitalisierung wird von Anfang an in Studium und Praxis integriert – mit Martin Peuker, Digitalisierungsvorstand an der neuen Medizinischen Universität Lausitz

Journalist: Katja Deutsch

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Foto: Getty Images/unsplash

Martin Peuker, Digitalisierungsvorstand an der neuen Medizinischen Universität Lausitz, forciert interprofessionelle und digitale Ausbildung seiner Studierenden ab dem ersten Semester.

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Martin Peuker, Digitalisierungsvorstand an der neuen Medizinischen Universität Lausitz

Herr Peuker, warum reicht die klassische Zusammenarbeit zwischen Forschung und Versorgung heute nicht mehr aus? Anforderungen und Herausforderungen im Gesundheitswesen verändern sich heute viel schneller. Früher hatten wir zeitlich begrenzte Projekte mit festen Strukturen, heute brauchen wir flexible, agile und schnelle Lösungen. Zudem erfolgt die Zusammenarbeit nicht mehr nur zwischen einzelnen Forschenden und Klinikern, sondern mit vielen verschiedenen Akteuren der Gesundheitsversorgung, wie niedergelassenen Netzwerken und weiteren Versorgungspartnern. Nur durch diese interprofessionelle und breit angelegte Zusammenarbeit kann Forschung praxisnah und wirksam gestaltet werden.

Wie kann die Digitalisierung dabei helfen, die Lücke zwischen Wissenschaft und klinischer Praxis zu schließen? Die Digitalisierung kann die Lücke zwischen Wissenschaft und klinischer Praxis schließen, indem neue Versorgungsformen direkt in der Praxis erprobt und wissenschaftlich bewertet werden. Ein Beispiel ist das Konzept „Hospital at Home“, bei dem Patient:innen mithilfe digitaler Technologien zuhause statt im Krankenhaus behandelt werden. Das verbessert die Versorgung und entlastet die Krankenhäuser. Zudem ermöglichen digitale Lösungen wie mobile Diagnostik, Gesundheitsdaten aus Wearables und digitale Präventionsangebote eine frühere Erkennung von Krankheiten und eine bessere Versorgung, insbesondere in ländlichen Regionen. Wenn wissenschaftliche Studien den Nutzen solcher Innovationen nachweisen, können sie langfristig in die Regelversorgung übernommen werden.

An der neuen Medizinischen Universität Lausitz wird Digitalisierung von Anfang an in Studium und Praxis integriert („digital by design“).

Wie verhindern Sie, dass Digitalisierung zusätzlichen bürokratischen Aufwand erzeugt? Viele Beschäftigte im Gesundheitswesen empfinden die Digitalisierung bislang eher als zusätzliche Belastung, weil digitale Systeme oft nur analoge Prozesse abbilden und den Dokumentationsaufwand erhöhen. Deshalb sollten wir Prozesse von Grund auf neu denken und gezielt durch digitale Lösungen unterstützen. Großes Potenzial sehe ich in KI-gestützten Sprachsystemen, die Gespräche automatisch dokumentieren und relevante Informationen direkt in die benötigten Systeme übertragen. Solche Technologien könnten den bürokratischen Aufwand deutlich reduzieren und medizinisches Personal spürbar entlasten. Diese Entwicklungen werden in den nächsten Jahren zunehmend in der Praxis ankommen.

Welche Kompetenzen vermitteln Sie an der Medizinischen Universität Lausitz, der zukünftigen Ärzteschaft, Pflegenden und Forschenden im digitalen Gesundheitswesen? An der neuen Medizinischen Universität Lausitz wird Digitalisierung von Anfang an in Studium und Praxis integriert („digital by design“). Studierende werden bereits ab dem ersten Semester direkt mit Patient:innen arbeiten und digitale Werkzeuge nutzen. Einen besonderen Schwerpunkt werden wir auf interprofessionelle Ausbildung legen, bei der Medizin, Pflege und andere Gesundheitsberufe gemeinsam lernen. Zudem werden zukünftige Technologien wie KI-gestützte Dokumentation und digitale Arbeitsabläufe früh in die Lehre eingebunden, denn wir möchten Fachkräfte auf ein zunehmend vernetztes und digital unterstütztes Gesundheitswesen vorbereiten. Dabei spielen auch sogenannte Community Health Nurses eine wichtige Rolle: speziell qualifizierte Pflegekräfte, die insbesondere in ländlichen Regionen Aufgaben übernehmen und die Versorgung mithilfe digitaler Unterstützung sichern.

25. Jun 2026

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Gesundheit

Mit Datennutzung und Innovationen zur Smarten Gesundheitsversorgung –Ein Beitrag von Dr. Marc-Pierre Möll, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied BVMed – Bundesverband Medizintechnologie

Denn moderne Medizintechnik liefert genau das, was eine smarte Gesundheitsversorgung braucht: Kontinuierlich verfügbare Daten, intelligente Vernetzung und KI-gestützte Lösungen, die neue Versorgungswege ermöglichen. Unser Problem in Deutschland ist: sektorale Strukturen, tradierte Vergütungssysteme und uneinheitliche Vorgaben bremsen die digitale Transformation bislang aus. Was muss getan werden? Wir müssen Daten besser verfügbar machen. Wir müssen internationale Standards für Datenformate und -sicherheit verwenden. Wir müssen digitale Versorgung besser etablieren. Wir müssen digitale Versorgungspfade umsetzen. Die Nutzung von Daten ist das Kernelement, das digitale Versorgung in allen Sektoren und Situationen kennzeichnet. Dabei kann die Nutzung der Daten sehr verschieden gestaltet sein. Beispiele sind: - die Steuerung von Patientenpfaden anhand von aktuellen Daten und Informationen aus der Patientenhistorie, - das permanente Monitoring des Gesundheitszustandes anhand von kontinuierlich erhobenen Daten aus Sensoren oder anderen Messgeräten, - das situationsbezogene Management anhand von Alarmen bzw. Meldungen, - die Nutzung von Daten für die Weiterentwicklung von Produkten und Services sowie für Training, Validierung und Einsatz von KI, - die Nutzung von Daten für Digital Twin-Ansätze oder - die Nutzung von Daten für Training, Schulung, Weiterbildung. Wichtig ist, dass die erforderlichen Daten in der Versorgung zur richtigen Zeit und am richtigen Ort verfügbar sind, ein nutzbares Format haben oder über eine Schnittstelle genutzt werden können und die Rahmenbedingungen für die Datennutzung klar sind. **Aus Sicht der MedTech-Branche fordern wir:** - In einem neuen Primärversorgungssystem sollte die digitale Ersteinschätzung so entwickelt werden, dass künftig auch Echtzeitdaten für eine valide Ersteinschätzung genutzt werden können. - Für „Digital Twin-Technologien“ sollten pseudonymisierte Behandlungsdaten nutzbar gemacht werden. Denn Simulationen anhand von vorhandenem Bildmaterial können invasive Diagnostik verhindern oder Therapieschritte vorbereiten. - Das Einwilligungsmanagement zur Datennutzung im Behandlungsablauf sollte bundesweit vereinheitlicht werden und auf einer einheitlichen Interpretation der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) basieren. - Für die Verbesserung von Produkten und Services braucht die Industrie Zugang zu Gesundheitsdaten und teilt selbst auch ihre Daten. Dabei sind allerdings IP-Rechte zu beachten, gerade bei Medizinprodukten. - Unser Appell: Smarte Gesundheitsversorgung entsteht nicht durch einzelne Innovationen, sondern durch das Zusammenspiel von Daten, Vernetzung und KI. Die Zukunft der Versorgung ist möglich – jetzt muss das System folgen. ## Zum Autor: Dr. Marc-Pierre Möll ist seit April 2019 Geschäftsführer des Bundesverbandes Medizintechnologie e. V. in Berlin sowie Geschäftsführer der BVMed-Akademie. Er ist zudem Mitglied des BVMed-Vorstands.