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30. Mär 2022

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Gesundheit

Durchzuschlafen ist eine Erfindung der Neuzeit

Journalist: Katja Deutsch

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Foto: Presse, unsplash

Jeder dritte Bewohner der Schweiz schläft schlecht, besonders ältere Menschen beklagen sich häufig darüber. Die Gründe dafür sind vielfältig, oft besteht aber kein Anlass zur Sorge, erklärt Dr. Daniel Brunner, Somnologe und ehemaliger Leiter des Zentrums für Schlafmedizin in Hirslanden. Mit zunehmendem Lebensalter nehmen die Bewegungen im Schlaf zu, man muss häufiger die Toilette aufsuchen, hat häufiger Atemstörungen, häufiger auch Schmerzen. Man erwacht und es kann dauern, ehe man wieder einschläft. Viele Berufstätige freuen sich auf ihren Renteneintritt und das damit verbundene Ende des morgendlichen Klingelns des Weckers.

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Dr. Daniel Brunner, Somnologe

„Doch wer morgens sehr unregelmässig aufsteht bringt seinen körpereigenen 24-Stunden Rhythmus durcheinander“, sagt Dr. Brunner. „Und das rächt sich dann in der darauffolgenden Nacht. Das ist völlig normal.“ Wenn die Menschen zudem tagsüber wenig unternehmen, körperlich inaktiv sind und kaum noch ihr Zuhause verlassen, führt das zu einem reduzierten Wachzustand und gleichzeitig zu vermindertem Schlafbedürfnis. Der Experte rät dann zum geplanten Aktivitätsaufbau. „Wer tagsüber so vor sich hindöst, der hat für die Nacht weniger Schlafdruck angehäuft.“

Was viele nicht wissen: Im Alter lässt die Fähigkeit nach, 16 Stunden am Tag pausenlos wach und aktiv zu bleiben. Die Ermüdung, die sich jetzt viel schneller zeigt, führt auch zu Erholungsphasen am Tag – was wiederum den Nachtschlaf verkürzt. So geht die Unfähigkeit, tagsüber stabil wach zu bleiben, mit der Unfähigkeit, nachts stabil zu schlafen, Hand in Hand, ähnlich wie bei Neugeborenen.

Viele Menschen gehen ins Bett, ohne ein Schlafbedürfnis zu verspüren und wundern sich dann, wenn sie lange wach liegen. Doch bei all denjenigen, die schnell einschlafen, erfolgt nach etwa vier Stunden ein spontaner Wachimpuls. „Diese Wachzeit mitten in der Nacht war bei unseren Vorfahren etwas ganz Normales“, sagt der Somnologe. „Denn bevor die Industrialisierung mit der Erfindung des künstlichen Lichts einsetzte, gingen die Menschen mit den Hühnern ins Bett. Aber niemand kann im Winter zwölf oder 13 Stunden durchschlafen. Deshalb war es üblich, gegen Mitternacht aufzustehen und Dinge zu erledigen. Das konnten im Dunkeln einfache Tätigkeiten sein, handwerkliche, sexuelle, meditative. Diese klare Wachphase in der Nacht gehörte einfach zum Leben dazu und dauerte in etwa ein bis zwei Stunden, danach wurde etwa vier Stunden weitergeschlafen.“ Erst durch das künstliche Licht war man plötzlich imstande, die Nacht zum Tag zu machen. Die Idee, man müsse durchschlafen, entstand erst zur Zeit der Industrialisierung.

Dr. Brunner: „Es ist sozusagen ganz normal, nachts eine muntere Wachzeit zu erleben. Was ist denn so schlimm daran, nachts wach zu sein? Soll nächtliche Wachheit ohne körperliche oder seelische Beschwerden eine Krankheit sein? Wir sollten wieder lernen, diesen Schlafunterbruch zu akzeptieren und als kreative und besinnliche Zeit zu nutzen.“

Um die Einstellung zum veränderten Schlafbedürfnis zu ändern, kann es hilfreich sein, einige Tage in einem Kloster zu verbringen. Dort erlebt man, wie eine nächtliche Gebetszeit zum festen Tagesablauf der Mönche gehört.

Anstatt sich immer wieder darüber aufzuregen und am Ende aus genau diesem Grund eine konditionierte Schlafstörung zu entwickeln, sollte man sein Wachsein sinnvoller nutzen.

29. Dez 2025

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Gesundheit

Gesund & Aktiv im Alter

### Pilates – tiefenwirksame Praxis Ideal für Best Ager: Das sanfte, gelenkschonende Ganzkörpertraining kann nicht nur mit eingeschränkter Beweglichkeit praktiziert werden, sondern wirkt auch altersbedingten Beschwerden entgegen. In jeder Pilates-Stunde werden neben Muskelkraft, Stabilität und Mobilität auch Koordination und Gleichgewicht trainiert. Die Übungen lassen sich im Sitzen, Stehen oder Liegen durchführen und werden an Fitnesslevel und Leistungsstand angepasst. Es werden dabei gezielt die tiefliegenden Muskeln in Bauch, Rücken und Beckenboden angesprochen – jene Muskulatur, die für Stabilität, Gleichgewicht und Sturzprävention wichtig ist. Regelmäßiges Training sorgt so für erhöhte Beweglichkeit, eine verbesserte Körperhaltung und Balance und kann sogar dauerhaft den Blutdruck senken. Um die richtige Atemtechnik zu erlernen, sollte unbedingt ein Einstiegskurs in dieser Altersgruppe besucht werden. Bei körperlichen Einschränkungen finden sich unter den rund 500 unterschiedlichen Bewegungsmuster immer genügend Ausweichübungen. ![pexels-roodzn-34314432 ONLINE.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/pexels_roodzn_34314432_ONLINE_01d8168c42.jpg) ### Schwimmen – schwerelos sporteln Auch diese Sportart kann Senioren uneingeschränkt empfohlen werden – bei konkreten Gelenkschmerzen fallen lediglich einzelne Schwimmstile ins Wasser beziehungsweise sollten durch andere ersetzt werden. Das Besondere: Im Wasser wird das Körpergewicht um ein Vielfaches aufgehoben. Bedingt durch die Schwerelosigkeit werden die Gelenke geschont und die Muskeln sanft trainiert – und zwar alle großen Muskelgruppen. Schwimmen ist quasi ein Allrounder, denn die Aktivität verbessert Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit. Regelmäßiges Training stärkt das Herz-Kreislauf-System, regt den Stoffwechsel an und kann sogar die Cholesterinwerte senken. Es kommt sogar noch besser: Das Immunsystem wird gestärkt, Stress abgebaut und die Koordination verbessert. Von den komplexen Bewegungsabläufen profitieren übrigens auch die kognitiven Fähigkeiten: Studien belegen, dass regelmäßiges Schwimmen das Demenzrisiko senken beziehungsweise einen Demenzverlauf positiv beeinflussen kann. Wer mit sämtlichen Schwimmstilen Schwierigkeiten hat, kann es mit Aqua-Fitness versuchen. ![pexels-pavel-danilyuk-6874403 Online.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/pexels_pavel_danilyuk_6874403_Online_a2532ecc8e.jpg) ### Nordic Walking – echter Selbstläufer Die gelenkschonende Alternative zum Joggen gehört wahrscheinlich zu den beliebtesten Best Ager-Sportarten. Kein Wunder: Nordic Walking ist einfach umzusetzen, stärkt die Muskulatur, verbessert die Koordination und Körperhaltung und fördert die Herz-Kreislauf-Gesundheit. Durch den Stockeinsatz wird nicht nur der Bewegungsapparat entlastet, sondern zusätzlich Arm-, Schulter- und Rückenmuskulatur trainiert. Das ursprünglich für finnische Skilangläufer entwickelte Sommertraining reguliert den Blutdruck und trainiert die Herzgefäße: Das Herz wird kräftiger durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. Darüber hinaus aktiviert regelmäßige Praxis den Hormonhaushalt, stärkt das Immunsystem und beugt Osteoporose und Altersdiabetes vor. Die koordinierte Bewegung festigt die Balance und fördert die koordinativen Fähigkeiten des Gehirns. Darüber hinaus wirkt sich die Bewegung in der freien Natur positiv auf die Psyche aus: Stress kann abgebaut und depressiven Verstimmungen entgegenwirkt werden. Wer nicht allein walkt, hat auch im sozialen Bereich einen echten Lauf. ![pexels-pack2ride-85580365-8934510 ONLINE.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/pexels_pack2ride_85580365_8934510_ONLINE_ca5f7bad72.jpg) ### Radfahren – läuft wie geschmiert Für das Fahrrad ist man im Grunde nie zu alt. Bei moderatem Tempo ist die gelenkschonende Aktivität ein optimales Ausdauertraining, welches das Herz-Kreislauf-System auf sanfte Weise in Schwung bringt. Neben Herz und Lunge werden eine Reihe von Muskelgruppen (insbesondere die Beinmuskulatur) gestärkt. Darüber hinaus kräftigt Radfahren das Immunsystem und beeinflusst das vegetative Nervensystem positiv. Es ist zudem eine herrliche Schulung für Koordination und Gleichgewicht: Eine Studie belegt bei aktiven älteren Fahrradfahrenden weniger Stürze im Alltag. Ein weiteres Plus für Best Ager: Biken trainiert die Gehirnleistung und stärkt kognitive Funktionen. Auch die mentale Gesundheit profitiert, denn die Kombination aus Bewegung und Naturerlebnis wirkt stressabbauend und stimmungsaufhellend. Studien betonen zudem eine Stärkung sozialer Kontakte durch den erweiterten Aktivitätsradius, welche sich ebenfalls positiv auf die Psyche auswirkt.