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6. Jul 2026

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Business

Echte Gründer gehen All-in – mit Frank Thelen, Deutscher Unternehmer und Startup-Investor

Journalist: Julia Butz

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Foto: Boris Breuer, Mikhail Nilov/pexels

„Wenn Du bei den Basics unsicher bist, ist das Spiel vorbei.“ Der deutsche Unternehmer und Startup-Investor Frank Thelen im Interview.

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Frank Thelen, Deutscher Unternehmer und Startup-Investor 

Herr Thelen, in der deutschen Startup-Szene gelten Sie nicht nur als Investor, sondern auch als Mentor, der junge Unternehmen strategisch begleitet und auf Wachstum ausrichtet. Was braucht es Ihrer Erfahrung nach, um erfolgreich selbständig zu sein? Es braucht vor allem Durchhaltevermögen, Biss und eine kompromisslose Begeisterung für die eigene Idee. Ich sehe in „Die Höhle der Löwen“ jedes Jahr viele Gründer und meistens wird sehr schnell klar, wer es wirklich ernst meint. Die entscheidende Frage ist: Glaubst du wirklich an das, was du tust? Oder ist es nur eine Idee unter vielen? Gründergeist hat viel mit Persönlichkeit zu tun. Menschen, die kämpfen, Rückschläge aushalten und auch mal gegen Widerstände mit dem Kopf durch die Wand gehen, haben einen klaren Vorteil. Aber ein Teil davon ist lernbar: Disziplin, Fokus und die Fähigkeit, sich ständig zu verbessern, kann man trainieren. Der innere Antrieb, wirklich etwas verändern zu wollen, muss aber da sein.

Was unterscheidet einen Träumer von einem echten Gründer? Ein echter Gründer geht All-in. Er setzt nicht nur auf die Idee, sondern auch auf sich selbst. Das heißt: Risiko eingehen, die Komfortzone verlassen, oft auch finanzielle Sicherheit aufgeben. Viele kündigen ihren Job, investieren eigenes Geld und arbeiten 24/7 an ihrem Unternehmen. Ein Träumer redet über Ideen. Ein Gründer baut sie konsequent, auch wenn es unbequem wird.

Ein Investor muss spüren: Dieser Gründer weiß genau, was er tut.

Welche praktischen Tipps geben Sie Menschen, die überlegen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen? Erstens: Gründen ist nichts für jeden. Überlege es dir sehr genau. Aber wenn du es machst, dann richtig: Trau dich, spring von der Klippe und überlege in der Luft, wie du landest. Perfekte Bedingungen gibt es nicht und wird es nie geben. Zweitens: Such dir einen Mentor. Jemanden, der ehrlich ist und dir einen echten Reality Check gibt. Und ganz wichtig: Nimm Feedback nur von erfahrenen Unternehmern ernst. Viele „Freunde“ werden dich eher bremsen. Drittens: Verstehe den Markt und deine Wettbewerber. What’s your game to play? Nur mit echtem Mehrwert hast du eine Daseinsberechtigung. Gerade junge Gründer haben hier einen Vorteil: Arbeite schnell und effektiv. Wer Trends früh erkennt und nutzt, hat einen massiven Vorsprung.

Wie bereiten sich Gründer bestmöglich auf einen Pitch vor? Kenne deine Zahlen. Das ist nicht verhandelbar: Umsatz, Kostenstruktur, Margen, Unternehmensbewertung, Planung für die nächsten 12–24 Monate inklusive Investmentbedarf. Das muss sitzen. Wenn du ein Produkt hast: Produktionskosten, Verkaufspreis, Skalierbarkeit. Und kenne deinen Markt bis ins Detail: Wer sind deine Wettbewerber? Warum bist du besser? Wo liegt dein unfairer Vorteil? Ein Investor muss spüren: Dieser Gründer weiß genau, was er tut. Wenn du bei den Basics unsicher bist, ist das Spiel vorbei.

Durchhaltevermögen heißt, trotz Rückschlägen weiterzumachen.

Was raten Sie jungen Gründern, wenn es darum geht, langfristig motiviert und visionär zu bleiben oder nach einem möglichen Rückschlag weiterzumachen? Rückschläge sind Teil des Spiels. Jedes erfolgreiche Unternehmen stand irgendwann an einem kritischen Punkt: geplatzte Deals, Produktionsfehler, fehlende Nachfrage. Der Unterschied ist, wie du damit umgehst. Erfolgreiche Gründer lernen schnell, passen sich an und machen weiter. Scheitern ist kein Endpunkt, sondern ein Feedback-System. Wenn du langfristig erfolgreich sein willst, musst du diese Phasen akzeptieren und stärker daraus hervorgehen. Hinfallen, aufstehen, reflektieren und klüger weitermachen.

Wie definieren Sie Durchhaltevermögen im Unternehmertum? Woher weiß man, wann es vielleicht auch Zeit ist, aufzuhören? Durchhaltevermögen heißt, trotz Rückschlägen weiterzumachen, an deine Vision zu glauben und Lösungen zu finden, wenn Probleme auftauchen. Es bedeutet, nicht beim ersten Gegenwind aufzugeben. Aber: Durchhaltevermögen darf nicht mit Sturheit verwechselt werden. Wenn du dauerhaft nur negatives Feedback bekommst, der Markt nicht reagiert oder andere Lösungen klar überlegen sind, musst du ehrlich zu dir sein. Wenn fünf erfahrene Investoren unabhängig voneinander sagen, dass deine Idee kein echtes Problem löst, solltest du zuhören. Wer jahrelang an etwas festhält, das nicht funktioniert, verliert Zeit, Geld und Energie. Dann ist es oft klüger, neu zu denken und die Vision anzupassen.