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13. Dez 2023

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Gesundheit

„Einfach machen!“

Journalist: Thomas Soltau

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Foto: Presse

Medizinerin Dr. Christine Theiss ist ehemalige Kickbox-Weltmeisterin und Moderatorin der Abnehmshow „The Biggest Loser“. Im Interview verrät sie, wie effektiv Rückenübungen sind und was man in der Ernährung vermeiden sollte.

Können Sie uns etwas über Ihre Sportroutine erzählen und wie Sie Sport in Ihren Alltag integrieren?

Wenn man Probleme hat, Sport im Alltag mitunterzubringen, dann muss man sich einen Termin setzen. Dieser Zeitpunkt ist nämlich geblockt, den gibt man nicht her – und nimmt ihn viel bewusster wahr. Hätte ich damit Probleme, würde ich einen Kalender nehmen und den Termin eintragen. Aber durch meine jahrelange Trainingsroutine benötige ich keine zusätzlichen Einträge zur Motivation, sondern nutze freiwillige die sich öffnenden Zeitfenster, um Sport zu machen. An den vielen Tagen, an denen dies nicht klappt, war ich dann zumindest lange mit den Hunden spazieren und erfülle so mein persönliches Ziel von Mindestmaß an Bewegung.

 

Menschen verbringen Stunden am Computer und leiden unter Rückenschmerzen. Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um Rückenprobleme in Schach zu halten?

Viele Menschen meiden Bewegung, wenn sie Rückenschmerzen bekommen. Das ist genau der Fehler. Tägliches Rückentraining von etwa zehn Minuten zahlt sich da aus. Eine stinknormale Katzenbuckelübung hilft schon enorm. Steter Tropfen höhlt den Stein ist wirklich entscheidend. Als ich mein Buch geschrieben habe, merkte ich in kürzester Zeit: Dieses Sitzen macht mich irre. Ich habe mir dann ein Stehpult gebastelt, damit bewege ich automatisch Füße und Beine. Ein weiterer Aspekt ist tatsächlich die Wahl eines richtigen Kissens für den Nacken. Ich hatte jahrelang Probleme – nun habe ich mir ein vernünftiges Kissen gekauft: So unsexy wie ein Kropf mit Delle. Aber seitdem ich es habe, sind Rücken- oder Nackenbeschwerden verschwunden.

 

Wie können Menschen, die aufgrund von Übergewicht oder Gelenkproblemen eingeschränkt sind, dennoch Sport in ihren Alltag integrieren?

Zunächst geht es natürlich darum, Gewicht zu verlieren – und das funktioniert nur bedingt über Sport. Der Schlüssel dazu liegt im Kühlschrank, also im eigenen Essverhalten. Häufig wird nicht gegessen, weil man hungrig ist, sondern weil einem vielleicht langweilig ist oder unangenehme Empfindungen kompensiert werden sollen. Oft ist es auch nur Unachtsamkeit. Essen sollten wir also nur dann, wenn wir auch Hunger verspüren und in Maßen. Dann gehört natürlich Bewegung dazu. Zum einen ist sie wichtig für den Aufbau von Muskulatur, aber auch für das Herz-Kreislauf-System. Bewegung verbessert die Möglichkeit abzunehmen, weil es einen entscheidenden Einfluss auf die Insulinresistenz hat, die einfach im Dreh- und Angelpunkt ist bei Übergewicht. Menschen mit starkem Übergewicht oder bereits körperlichen Einschränkungen sollten zu Beginn jemanden haben, der ihre Bewegungen überwacht, damit Fehlhaltungen korrigiert werden können. Als Sportarten eignen sich besonders Schwimmen, Radfahren, aber auch funktionelles Training oder Yoga.

 

Welche mentalen Strategien nutzen Sie, um sich selbst zur Bewegung zu motivieren?

Ach, einfach machen! Das klingt jetzt banal, aber wir verbringen so viel Zeit damit, herauszufinden, warum wir etwas nicht tun wollen und warum wir es gerade nicht tun können. In der Zeit hätten wir schon etwas anfangen können. Wenn ich zum Beispiel überhaupt keine Lust habe zu laufen, dann fange ich halt mit einer kleinen Runde an und gucke, wie motiviert ich dann bin. Wenn man erst einmal angefangen hat, dann wird es nämlich meistens doch eine Stunde. Schöner ist auch das Gefühl hinterher: Man fühlt sich nach dem Sport nicht schlechter. Außer man hat gerade beim Kickboxen etwas auf die Schnauze bekommen...(lacht).

 

Haben Sie Ernährungstipps, um ohne Übergewicht durchs Leben zu kommen?

Finger weg von Fertiggerichten! Das sind die versteckten Fette, Zucker und Konservierungsstoffe drin. Derjenige, der es herstellt, hat kein Interesse daran, dass ich gesund bleibe. Er hat Interesse daran, dass ich das Produkt noch einmal kaufe. Wir müssen wegkommen von den immer präsenten kleinen Zwischensnacks. Maximal drei Mahlzeiten am Tag: Viel Gemüse, Kohlenhydrate und Fette in Maßen, wenig Fleisch, wenig Fisch. Wenn man Gewicht verlieren möchte, muss man noch strenger zu sich selbst sein und Raffinadezucker soweit es geht weglassen. Außerdem kann man sehr gut Kalorien über Getränke einsparen. Wasser oder ungesüßte Tees sollten das Getränk der Wahl sein, keine Süßgetränke, auch keine mit Zuckerersatzstoffen. Auch Alkohol enthält viele Kalorien und sollte allein deshalb schon nur in Maßen konsumiert werden.

 

Nicolai Worm, Christine Theiss, Liebe leichter, GU, 22,00 €

Sie würden liebend gern mit Partner oder Partnerin im Bett ein Feuerwerk abbrennen – aber der Körper macht nicht mit? Die sexuelle Dysfunktion ist inzwischen zu einer wahren Volkskrankheit geworden. Dieses Buch geht den Ursachen auf den Grund und bietet Hilfestellungen.

29. Dez 2025

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Gesundheit

Gesund & Aktiv im Alter

### Pilates – tiefenwirksame Praxis Ideal für Best Ager: Das sanfte, gelenkschonende Ganzkörpertraining kann nicht nur mit eingeschränkter Beweglichkeit praktiziert werden, sondern wirkt auch altersbedingten Beschwerden entgegen. In jeder Pilates-Stunde werden neben Muskelkraft, Stabilität und Mobilität auch Koordination und Gleichgewicht trainiert. Die Übungen lassen sich im Sitzen, Stehen oder Liegen durchführen und werden an Fitnesslevel und Leistungsstand angepasst. Es werden dabei gezielt die tiefliegenden Muskeln in Bauch, Rücken und Beckenboden angesprochen – jene Muskulatur, die für Stabilität, Gleichgewicht und Sturzprävention wichtig ist. Regelmäßiges Training sorgt so für erhöhte Beweglichkeit, eine verbesserte Körperhaltung und Balance und kann sogar dauerhaft den Blutdruck senken. Um die richtige Atemtechnik zu erlernen, sollte unbedingt ein Einstiegskurs in dieser Altersgruppe besucht werden. Bei körperlichen Einschränkungen finden sich unter den rund 500 unterschiedlichen Bewegungsmuster immer genügend Ausweichübungen. ![pexels-roodzn-34314432 ONLINE.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/pexels_roodzn_34314432_ONLINE_01d8168c42.jpg) ### Schwimmen – schwerelos sporteln Auch diese Sportart kann Senioren uneingeschränkt empfohlen werden – bei konkreten Gelenkschmerzen fallen lediglich einzelne Schwimmstile ins Wasser beziehungsweise sollten durch andere ersetzt werden. Das Besondere: Im Wasser wird das Körpergewicht um ein Vielfaches aufgehoben. Bedingt durch die Schwerelosigkeit werden die Gelenke geschont und die Muskeln sanft trainiert – und zwar alle großen Muskelgruppen. Schwimmen ist quasi ein Allrounder, denn die Aktivität verbessert Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit. Regelmäßiges Training stärkt das Herz-Kreislauf-System, regt den Stoffwechsel an und kann sogar die Cholesterinwerte senken. Es kommt sogar noch besser: Das Immunsystem wird gestärkt, Stress abgebaut und die Koordination verbessert. Von den komplexen Bewegungsabläufen profitieren übrigens auch die kognitiven Fähigkeiten: Studien belegen, dass regelmäßiges Schwimmen das Demenzrisiko senken beziehungsweise einen Demenzverlauf positiv beeinflussen kann. Wer mit sämtlichen Schwimmstilen Schwierigkeiten hat, kann es mit Aqua-Fitness versuchen. ![pexels-pavel-danilyuk-6874403 Online.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/pexels_pavel_danilyuk_6874403_Online_a2532ecc8e.jpg) ### Nordic Walking – echter Selbstläufer Die gelenkschonende Alternative zum Joggen gehört wahrscheinlich zu den beliebtesten Best Ager-Sportarten. Kein Wunder: Nordic Walking ist einfach umzusetzen, stärkt die Muskulatur, verbessert die Koordination und Körperhaltung und fördert die Herz-Kreislauf-Gesundheit. Durch den Stockeinsatz wird nicht nur der Bewegungsapparat entlastet, sondern zusätzlich Arm-, Schulter- und Rückenmuskulatur trainiert. Das ursprünglich für finnische Skilangläufer entwickelte Sommertraining reguliert den Blutdruck und trainiert die Herzgefäße: Das Herz wird kräftiger durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. Darüber hinaus aktiviert regelmäßige Praxis den Hormonhaushalt, stärkt das Immunsystem und beugt Osteoporose und Altersdiabetes vor. Die koordinierte Bewegung festigt die Balance und fördert die koordinativen Fähigkeiten des Gehirns. Darüber hinaus wirkt sich die Bewegung in der freien Natur positiv auf die Psyche aus: Stress kann abgebaut und depressiven Verstimmungen entgegenwirkt werden. Wer nicht allein walkt, hat auch im sozialen Bereich einen echten Lauf. ![pexels-pack2ride-85580365-8934510 ONLINE.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/pexels_pack2ride_85580365_8934510_ONLINE_ca5f7bad72.jpg) ### Radfahren – läuft wie geschmiert Für das Fahrrad ist man im Grunde nie zu alt. Bei moderatem Tempo ist die gelenkschonende Aktivität ein optimales Ausdauertraining, welches das Herz-Kreislauf-System auf sanfte Weise in Schwung bringt. Neben Herz und Lunge werden eine Reihe von Muskelgruppen (insbesondere die Beinmuskulatur) gestärkt. Darüber hinaus kräftigt Radfahren das Immunsystem und beeinflusst das vegetative Nervensystem positiv. Es ist zudem eine herrliche Schulung für Koordination und Gleichgewicht: Eine Studie belegt bei aktiven älteren Fahrradfahrenden weniger Stürze im Alltag. Ein weiteres Plus für Best Ager: Biken trainiert die Gehirnleistung und stärkt kognitive Funktionen. Auch die mentale Gesundheit profitiert, denn die Kombination aus Bewegung und Naturerlebnis wirkt stressabbauend und stimmungsaufhellend. Studien betonen zudem eine Stärkung sozialer Kontakte durch den erweiterten Aktivitätsradius, welche sich ebenfalls positiv auf die Psyche auswirkt.