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22. Jun 2026

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Gesundheit

Frauen sind keine Ausnahme. Sie repräsentieren die Hälfte der Gesellschaft. – Ein Beitrag von Janina Hell (links) & Felicitas Karrer, Gründerinnen FRAUEN100

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Foto: Presse

So gut wie jede Frau hat in ihrem Leben schon wiederholt die Erfahrung gemacht, dass sie sich bei Arztbesuchen mit ihren Beschwerden nicht ernst genommen und unverstanden gefühlt hat. Es gibt diesen einen Satz, den viele von uns immer wieder hören – von Ärztinnen, Politikerinnen, Unternehmerinnen, Aktivistinnen, von Frauen unterschiedlichster Altersgruppen und verschiedensten Lebenslagen: „Ich dachte, das sei normal und ginge allen so.“

Und bei allen sind es dann Schmerzen, die jahrelang nicht wirklich Beachtung gefunden haben. Diagnosen, die zu spät kamen. Symptome, die als „typisch weibliche Problem“" abgetan wurden – zu emotional, zu hysterisch, zu gefühlig – und damit als erledigt schienen. Zu viele Frauen werden zu lange mit ihren Anliegen von der Medizin allein gelassen werden. Gesundheit für Frauen bedeutet zu häufig: funktionieren, aushalten, weitermachen. Und, dass das System, welches sie begleiten sollte, dies an viel zu vielen Stellen bis heute nicht tut.

Der sogenannte Gender Health Gap ist die medizinische Entsprechung vieler anderer Gaps, über die wir als Gesellschaft inzwischen sprechen: Frauen wurden und werden in der Forschung systematisch unterrepräsentiert. Studien, Dosierungen, Diagnosebilder – über Jahrzehnte kalibriert am männlichen Körper als Norm. Die Folgen tragen Frauen täglich: Endometriose, die im Schnitt sieben Jahre zu spät erkannt wird; Herzinfarkte, deren Symptome bei Frauen anders aussehen – und deshalb übersehen werden; Wechseljahre, die in der Arbeitswelt kaum Thema sind, obwohl sie Millionen Frauen prägen.

Genau deshalb freuen wir uns, dass sich hier gerade etwas verändert. Frauengesundheit wächst langsam aus der Nische heraus – in Redaktionen, Unternehmen und politischen Debatten. Tabuthemen wie Endometriose, Beckenboden oder Wechseljahre bekommen die Bühne, die sie verdienen. Bundesgesundheitsministerin Dorothee Bär setzt mit gezielten Investitionen politisch Zeichen – und benennt damit öffentlich, was lange ignoriert wurde. Wir erleben diesen Aufbruch täglich – und er gibt uns Anlass zu echter Hoffnung.

Frauengesundheit ist keine Frauensache. Sie ist eine gesellschaftliche Verantwortung – und es ist höchste Zeit, dass wir sie gemeinsam tragen.

Was diese Veränderung trägt, sind Frauen aus den unterschiedlichsten Feldern – Medizinerinnen, die anders forschen wollen. Gründerinnen, die Lücken im System in Lösungen übersetzen. Investorinnen, die Frauengesundheit als das begreifen, was sie ist: ein massiv unterfinanziertes, massiv relevantes Feld. Arbeitgeberinnen, die verstehen, dass ein Arbeitsplatz, der Frauenkörper ignoriert, Potenzial verschwendet. Es ist dieses Zusammenwirken – branchenübergreifend, generationenübergreifend –, das echten Wandel möglich macht.

Wir erleben, welche Kraft entsteht, wenn Frauen mit Wissen ausgestattet werden. Wenn aus Scham Klarheit wird, aus Schweigen Sprache. Wenn eine Unternehmerin versteht, warum ihre Mitarbeiterin unter Zyklusbeschwerden leidet – und nicht schlechter performt. Wenn eine Frau Mitte vierzig erkennt, dass ihre Erschöpfung keinen Namen hat, weil die Forschung ihn ihr nie gegeben hat.

Selbstbestimmung über den eigenen Körper ist kein Privileg. Sie ist ein Grundrecht – und sie beginnt mit dem Zugang zu Wissen, das zu lange nicht für alle da war. Lesen Sie weiter. Stellen Sie Fragen. Sprechen Sie darüber. Denn Frauengesundheit geht uns alle an.

11. Jun 2026

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Gesundheit

Mehr als Sport: Warum Vereine unverzichtbar sind – Ein Beitrag von Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes

Es gibt Orte, an denen Gesellschaft im Kleinen sichtbar wird. Orte, an denen Menschen zusammenkommen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären – weil sie unterschiedliche Lebenswege haben, verschiedenen Altersgruppen angehören, unterschiedlichen Jobs nachgehen oder aus diversen sozialen Kontexten kommen. Diese Orte gibt es in Deutschland zum Glück fast überall, rund 86.000-mal: Es sind unsere Sportvereine. Denn in Deutschland engagieren sich Millionen von Menschen genau hier. Sie trainieren gemeinsam, halten sich fit, knüpfen Freundschaften, organisieren Wettkämpfe, begleiten Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung und schaffen Strukturen, die weit über das eigentliche Sporttreiben hinausreichen. Sportvereine sind mehr als Orte der Bewegung, sie sind soziale Räume. Sie fördern Zusammenhalt, vermitteln Werte wie Fairness, Respekt und Verlässlichkeit und stärken damit unsere Gesellschaft. Der Vereinssport ist die größte Bürgerbewegung unseres Landes. Mit mehr als 29 Millionen Mitgliedschaften vereint er mehr Mitglieder als der ADAC, als sämtliche politische Parteien, als die Kirchen und – man mag es kaum glauben – mehr, als es Netflix-Abos in Deutschland gibt. Zum zweiten Mal hintereinander haben die Sportvereine unter dem Dach des Deutschen Olympischen Sportbundes 2025 Rekordwerte gefeiert. >Sport verbindet, er hält gesund und bringt uns zusammen. Aber um das tun zu können, braucht er passende Orte, an denen er sein Potenzial entfalten kann. Diese Orte gibt es 86.000-mal in Deutschland, und wir alle sollten sie stärken, indem wir uns einbringen, wo wir können. Gleichzeitig stehen viele dieser Strukturen unter Druck. Ehrenamtliches Engagement wird immer knapper, Sportvereine werden heute mehr als Dienstleister denn als Gemeinschaftsprojekt gesehen. Hallenzeiten fehlen, Bürokratie führt zu Belastungen und finanzielle Ressourcen sind begrenzt. Sportvereine haben es trotz – oder gerade wegen – ihrer vielen Mitglieder nicht leicht. Wir sehen, dass der Wunsch bei sehr vielen Menschen so groß ist wie nie zuvor, etwas Gutes für ihre Gesundheit zu tun; und dass sie das nicht allein tun wollen im Fitnessstudio, beim Joggen im Park oder auf der Yogamatte bei sich zu Hause, sondern dass sie Gemeinschaft suchen im Sportverein um die Ecke. Für wenig Geld im Monat gibt es hier Sport, der Spaß macht, von Trainer:innen geleitet wird, der die Gesundheit fördert und der Menschen zusammenbringt. Auch in diesem Jahr steuern wir wieder auf einen Mitgliederrekord zu. Das sind gute Nachrichten, aber sie führen dazu, dass die bestehenden Probleme – eine stagnierende Zahl an Ehrenamtlichen muss mehr Menschen betreuen, und das in zunehmend maroden Sportstätten – sich noch stärker zeigen. Der gesellschaftliche Wert von Sport entfaltet sich nicht automatisch. Er entsteht dort, wo Menschen sich einbringen. Ein Sportverein ohne Menschen aus seiner Stadt, seinem Dorf, seiner Nachbarschaft, die sich heute engagieren, macht morgen seine Türen zu. Wer im Verein aktiv ist, trägt dazu bei, dass gemeinschaftliches Sporttreiben überhaupt möglich bleibt. Die Frage ist nicht, ob wir Sport brauchen – diese Frage lässt sich leicht mit „Ja“ beantworten. Die Frage ist, wie viele von uns bereit sind, ihn mitzugestalten und mit Leben zu füllen. Ob als Mitglied, als Ehrenamtlicher oder als jemand, der andere mitzieht: Jeder Beitrag zählt. Sportvereine funktionieren nicht von selbst. Sie funktionieren besonders dort gut, wo sie von vielen unterschiedlichen Menschen getragen werden. Sport verbindet, er hält gesund und bringt uns zusammen. Aber um das tun zu können, braucht er passende Orte, an denen er sein Potenzial entfalten kann. Diese Orte gibt es 86.000-mal in Deutschland, und wir alle sollten sie stärken, indem wir uns einbringen, wo wir können.