28. Mai 2026
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Lifestyle
Journalist: Christian Kolb
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Foto: Getty Images/unsplash
Radfahren ist die Romantik der Fortbewegung, die reinste Form der Freiheit. Damit das gelingt, muss die erste Tour der Saison gut vorbereitet werden.
Wenn einem der Fahrtwind um die Nase weht und der Alltag im Rückspiegel verschwindet, wird der Kopf bei einer Radtour frei für das Wesentliche: für die Landschaft, für die Vorfreude auf die nächste Brotzeit und das kühle Bier am Ziel und schließlich das erhabene Gefühl, aus eigener Kraft zum Ziel gekommen zu sein. Währenddessen fluchen andere über ihr Material, reiben sich die schmerzenden Unterschenkel und wissen ihr Tagesziel in weiter Ferne. Der Unterschied: Eine Vorbereitung mit System.
Eine erfolgreiche Radtour beginnt schon Wochen zuvor. Dann wird das Material von zum Wetter passender und möglichst reflektierender Bekleidung über den Fahrradhelm bis hin zu einem aufgeladenen Navigationsgerät (oder der passenden App für das Smartphone) mit aktuellen Karten und aufgeladenem Akku bereitgelegt. So hat man noch Gelegenheit, fehlende Dinge wiederzufinden oder neu zu kaufen. Auch das Fahrrad selbst braucht einen Hardware-Check. Nachdem die Maschine Monate stillstand, lohnt sich ein Blick auf Reifen, Kette und Bremsen. Ein praller Reifen minimiert den Rollwiderstand und schützt die Felge. Und vielleicht braucht die Kette ein paar Tropfen Öl. Auch die Bremse sollte im Stehen getestet und bei Bedarf justiert werden. Wenn das eigene Basteltalent nicht ausreicht oder die Zeit zu knapp ist, kann der Gang zum Fachhändler für eine Inspektion schnell das am besten investierte Geld des Frühlings werden.
Wenn einem der Fahrtwind um die Nase weht und der Alltag im Rückspiegel verschwindet, wird der Kopf bei einer Radtour frei für das Wesentliche.
Natürlich muss das Rad auch richtig ausgestattet und eingestellt sein. Ein passender Sattel ist gerade auf langen Strecken wichtig. Wer hier spart, reibt sich wund und verliert den Halt oder zumindest die Freude an der Radtour. Die Auswahl mit Blick auf Härte und Form ist groß, sodass sich nicht nur die bewusste Auswahl, sondern auch eine kürzere Probetour lohnt. Gleiches gilt für passende Pedale und Griffe. Hat man die Ausstattung beisammen, muss diese passend zum eigenen Körper eingestellt werden. Wenn das Pedal am tiefsten Punkt steht, sollte das Bein fast, aber nie ganz durchgestreckt sein. Wer mit den Knien an den Ohren fährt, ruiniert sich die Gelenke; wer zu hoch sitzt, bekommt schnell Rückenschmerzen.
Radfahren nutzt Muskelgruppen, die im Büroalltag kaum zum Einsatz kommen. Für lange Stecken macht ein mehrwöchiges Trainingsprogramm Sinn, bei dem man die eigene Kondition stärkt. Hat man dann noch die passenden Tagesetappen mit Raum für Pausen, Besichtigungen am Wegesrand und etwas Reserve für unvorhergesehene Gelegenheiten geplant, kann die Tour beginnen. Fährt man mit dem E-Bike, gehört auch die Planung der Ladestopps dazu. Wenn dann aber alles stimmt, wenn die Gänge butterweich einrasten, der Reifendruck den Rollwiderstand fast verschwinden lässt und die Kraft in den Beinen genau für jenen einen Anstieg reicht, hinter dem sich das Panorama öffnet, dann stellt sich jener Zustand ein, den Psychologen „Flow“ nennen und Radfahrer einfach nur „das Glück“.
Der RuhrtalRadweg begleitet den Fluss von der Quelle im Sauerland bis zur Mündung in den Rhein in Duisburg. Der 240 km lange Weg ist dank der überwiegend flachen Streckenführung und der hervorragenden Beschilderung ideal für Genussradler und Familien geeignet. Er verbindet Natur pur und Industriekultur.