25. Jun 2026

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Gut leben trotz eingeschränkter Nierenfunktion

Journalist: Katja Deutsch

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Foto: Presse, Privat

Nierenschwäche und Nierenversagen zählen zu den folgenschwersten chronischen Erkrankungen und entwickeln sich häufig schleichend über viele Jahre. Die Ursachen sind oftmals Diabetes oder Bluthochdruck.

Wenn die Nieren ihre lebenswichtigen Funktionen nicht mehr ausreichend erfüllen können, wird eine Nierenersatztherapie notwendig. Die Dialyse ist dabei ein gängiges Verfahren, um Schadstoffe aus dem Blut zu entfernen und den Körper zu entlasten. In Deutschland sind rund 100.000 – vor allem ältere Menschen – auf eine solche Behandlung angewiesen. Neben der Hämodialyse im Dialysezentrum stehen auch die Möglichkeit einer Behandlung zuhause – die Heimdialyse und hier vor allem die Bauchfelldialyse (Peritonealdialyse, PD) – sowie die Option einer Nierentransplantation zur Verfügung. Von allen Organen, die versagen könnten, sind die Nieren mit am besten behandelbar. Dank medizinischen Fortschritts können Betroffene meistens noch viele Jahre weiterleben, im Falle einer Bauchfelldialyse haben sie sogar kaum Mobilitätseinschränkungen.

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Prof. Dr. Martin K. Kuhlmann, Nephrologe und Chefarzt am Vivantes Klinikum im Friedrichshain, Berlin

Prof. Dr. Martin K. Kuhlmann ist ein führender deutscher Nephrologe und Chefarzt am Vivantes Klinikum im Friedrichshain (Berlin). Er setzt sich intensiv für die Früherkennung chronischer Nierenkrankheiten sowie die Etablierung von Heimdialyseverfahren, insbesondere der Bauchfelldialyse, ein.

Herr Prof. Dr. Kuhlmann, wie lässt sich die Nierenfunktion messen? Die Funktion der Nieren wird anhand der glomerulären Filtrationsrate, GFR, beurteilt, die über die Kreatinin-Konzentration im Blut ermittelt wird. Strukturelle Schäden lassen sich im Urin erkennen: Findet sich dort Albumin, weist das auf eine Schädigung der Nierenfilter hin. Der wichtigste Marker im Urin ist der Albumin-Kreatinin-Quotient (UACR). Zusammen mit der GFR ermöglicht er eine zuverlässige Früherkennung – wird jedoch noch viel zu selten eingesetzt. Die Früherkennung von Nierenerkrankungen ist wichtig, um rechtzeitig behandeln und das Fortschreiten aufhalten oder verlangsamen zu können.

Bei Nierenversagen denken viele Menschen an langwierige Blutwäsche in einem Dialysezentrum. Ist die Bauchfelldialyse, die zuhause durchgeführt wird, genauso sicher und gut anwendbar wie die Hämodialyse im Zentrum? Wenn eine Bauchfelldialyse möglich ist – was bei über 50 Prozent der Patienten der Fall ist – stellt sie eine gleichwertige Alternative dar. Sie bietet zudem den Vorteil, dass sie flexibel zuhause oder im Alltag durchgeführt werden kann, anstatt mehrmals pro Woche mehrere Stunden in ein Dialysezentrum zu gehen.

Wie funktioniert die Bauchfelldialyse? Die Bauchfelldialyse nutzt das gut durchblutete Bauchfell als natürlichen Filter. Dazu wird eine sterile Dialyselösung in den Bauchraum eingebracht, wo Abfallstoffe und überschüssige Substanzen per Diffusion aus dem Blut in die Lösung übergehen. Danach wird die verbrauchte Flüssigkeit mit den Schadstoffen abgelassen und durch frische ersetzt. In der klassischen Form erfolgt dieser Wechsel viermal täglich und dauert rund 30 Minuten. Die Lösung wird über einen dauerhaft im Bauch platzierten Katheter ein- und abgeleitet, zwischen den Wechseln bleibt sie im Bauch. Alternativ können die Wechsel der Lösung nachts automatisch über ein Gerät (Cycler) erfolgen.

Für wen ist diese Versorgung geeignet? Die Bauchfelldialyse ist ein für alle Altersgruppen geeignetes Heimdialyseverfahren: Jüngere Patienten bevorzugen die Bauchfelldialyse, weil sie dadurch unabhängiger leben können, und auch viele ältere Patienten nutzen sie.

Welche Rolle könnte die Bauchfell-dialyse künftig für ein nachhaltigeres, weniger kostenintensives Gesundheitssystem spielen? Patienten können die Behandlung selbstständig zuhause durchführen, was angesichts des Fachkräftemangels entlastet und mehr Selbstbestimmung im Alltag ermöglicht. Zudem verbessert sie oft Mobilität und Lebensqualität. Dialyse bleibt jedoch insgesamt teuer (ca. 50.000 € pro Jahr und Patient). Bei der Zentrumsdialyse entstehen zusätzlich Transportkosten durch regelmäßige Fahrten ins Zentrum.

Wie verbreitet ist die Bauchfelldialyse bei uns? Der Anteil liegt in Deutschland mit etwa sieben bis acht Prozent vergleichsweise niedrig, andere Heimdialyseverfahren spielen praktisch keine Rolle. Anders ist dies beispielsweise in Mexiko und Hongkong mit einem Anteil von 60 bis 75 Prozent. Aber auch in Deutschland steigen die Zahlen langsam. Moderne PD-Systeme ermöglichen heute auch ein digitales Monitoring der Therapie aus der Ferne.

Wie verändert denn diese technologische Entwicklung die nephrologische Versorgung? Moderne Geräte für die nächtliche Bauchfelldialyse übertragen Behandlungsdaten automatisch, sodass Ärzte frühzeitig Abweichungen erkennen und reagieren können. Das erhöht die Sicherheit und ermöglicht eine kontinuierliche Betreuung auch aus der Ferne. Zusätzlich finden regelmäßige persönliche Kontrolltermine statt.

25. Jun 2026

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Gesundheit

Mit Datennutzung und Innovationen zur Smarten Gesundheitsversorgung –Ein Beitrag von Dr. Marc-Pierre Möll, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied BVMed – Bundesverband Medizintechnologie

Denn moderne Medizintechnik liefert genau das, was eine smarte Gesundheitsversorgung braucht: Kontinuierlich verfügbare Daten, intelligente Vernetzung und KI-gestützte Lösungen, die neue Versorgungswege ermöglichen. Unser Problem in Deutschland ist: sektorale Strukturen, tradierte Vergütungssysteme und uneinheitliche Vorgaben bremsen die digitale Transformation bislang aus. Was muss getan werden? Wir müssen Daten besser verfügbar machen. Wir müssen internationale Standards für Datenformate und -sicherheit verwenden. Wir müssen digitale Versorgung besser etablieren. Wir müssen digitale Versorgungspfade umsetzen. Die Nutzung von Daten ist das Kernelement, das digitale Versorgung in allen Sektoren und Situationen kennzeichnet. Dabei kann die Nutzung der Daten sehr verschieden gestaltet sein. Beispiele sind: - die Steuerung von Patientenpfaden anhand von aktuellen Daten und Informationen aus der Patientenhistorie, - das permanente Monitoring des Gesundheitszustandes anhand von kontinuierlich erhobenen Daten aus Sensoren oder anderen Messgeräten, - das situationsbezogene Management anhand von Alarmen bzw. Meldungen, - die Nutzung von Daten für die Weiterentwicklung von Produkten und Services sowie für Training, Validierung und Einsatz von KI, - die Nutzung von Daten für Digital Twin-Ansätze oder - die Nutzung von Daten für Training, Schulung, Weiterbildung. Wichtig ist, dass die erforderlichen Daten in der Versorgung zur richtigen Zeit und am richtigen Ort verfügbar sind, ein nutzbares Format haben oder über eine Schnittstelle genutzt werden können und die Rahmenbedingungen für die Datennutzung klar sind. **Aus Sicht der MedTech-Branche fordern wir:** - In einem neuen Primärversorgungssystem sollte die digitale Ersteinschätzung so entwickelt werden, dass künftig auch Echtzeitdaten für eine valide Ersteinschätzung genutzt werden können. - Für „Digital Twin-Technologien“ sollten pseudonymisierte Behandlungsdaten nutzbar gemacht werden. Denn Simulationen anhand von vorhandenem Bildmaterial können invasive Diagnostik verhindern oder Therapieschritte vorbereiten. - Das Einwilligungsmanagement zur Datennutzung im Behandlungsablauf sollte bundesweit vereinheitlicht werden und auf einer einheitlichen Interpretation der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) basieren. - Für die Verbesserung von Produkten und Services braucht die Industrie Zugang zu Gesundheitsdaten und teilt selbst auch ihre Daten. Dabei sind allerdings IP-Rechte zu beachten, gerade bei Medizinprodukten. - Unser Appell: Smarte Gesundheitsversorgung entsteht nicht durch einzelne Innovationen, sondern durch das Zusammenspiel von Daten, Vernetzung und KI. Die Zukunft der Versorgung ist möglich – jetzt muss das System folgen. ## Zum Autor: Dr. Marc-Pierre Möll ist seit April 2019 Geschäftsführer des Bundesverbandes Medizintechnologie e. V. in Berlin sowie Geschäftsführer der BVMed-Akademie. Er ist zudem Mitglied des BVMed-Vorstands.