31. Mär 2026
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Wirtschaft
Journalist: Armin Fuhrer
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Foto: Fachrizal Maulana/unsplash
Der adaptive hydraulische Abgleich zur Ermittlung der Raumheizlast mittels eines softwarebasierten Näherungsverfahrens setzt sich mehr und mehr durch.
Die Heizungsoptimierung ist ein Schlüssel zur Energiewende im Gebäudesektor. Während der hydraulische Abgleich als effizienteste Maßnahme gilt, stehen Fachplaner und Handwerker im Bestand vor der Herausforderung, zwischen Aufwand, Genauigkeit und den Vorgaben durch Gesetzgeber und Fördergeber abzuwägen. Insbesondere das Verfahren B hat sich hier als Standard etabliert, gerät aber zunehmend in Konkurrenz zu modernen, digitalen Alternativen.
Im Gegensatz zum Neubau, wo alle Daten für eine präzise Berechnung vorliegen, gleicht der Gebäudebestand oft einer Blackbox. Rohrnetzverläufe sind unbekannt, Dämmstoffqualitäten entsprechen selten den heutigen Standards, und die tatsächliche Heizlast der Räume wurde nie exakt ermittelt. In knapp 70 Prozent der deutschen Heizungsanlagen fehlt ein hydraulischer Abgleich. Die Folge ist eine ineffiziente Wärmeverteilung: Heizkörper strömen hörbar, Räume werden über- oder unterversorgt, und die Anlage verbraucht unnötig viel Energie. Um diese Probleme zu beheben, wurden speziell für den Bestand zwei unterschiedliche Herangehensweisen entwickelt.
Die Vorgehensweise beim hydraulischen Abgleich wird in zwei Hauptverfahren unterteilt. Jahrelang wurde das sogenannte Verfahren A angewendet. Dabei wurden auf Basis einer detaillierten Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 und einer exakten Rohrnetzberechnung die Voreinstellwerte der Ventile ermittelt. Diese Methode ist zwar hochpräzise, aber auch sehr aufwendig, da sie umfassende Daten über das gesamte Rohrleitungsnetz voraussetzt – etwas, das im Bestand oft gar nicht vorhanden ist.
Im Gegensatz zum Neubau, wo alle Daten für eine präzise Berechnung vorliegen, gleicht der Gebäudebestand oft einer Blackbox.
Seit Januar 2023 wird für den Erhalt von Fördermitteln (z. B. über die BEG) der hydraulische Abgleich aber nur noch nach dem Verfahren B akzeptiert. Dieses Verfahren, oft als „vereinfachter“ oder „tabellarischer“ Abgleich bezeichnet, wurde entwickelt, um die Datenlücke zu schließen. Bei diesem Ansatz wird die Raumheizlast nicht zwingend durch eine detaillierte Berechnung jedes Bauteils, sondern durch ein softwarebasiertes Näherungsverfahren auf Basis von Baualtersklassen und Raumgeometrien ermittelt. Schätzungen von Rohrlängen sind hier zulässig. Das Ziel ist eine überschlägige, aber normgerechte Ermittlung der notwendigen Wassermengen, um die Thermostatventile entsprechend voreinstellen zu können.
Doch Experten bemängeln, dass es sich bei Verfahren B lediglich um eine einmalige und fehlerbehaftete Berechnung und Einstellung ohne anschließende Funktionsprüfung handelt. Als Reaktion auf diese Schwächen drängen innovative, digitale Systeme als Alternative auf den Markt. Diese „adaptiven“ oder „temperaturbasierten“ Verfahren verfolgen einen völlig anderen Ansatz. Sie nutzen intelligente Thermostate und Gateways, um die tatsächlichen Heizlasten im Betrieb zu messen und das System permanent selbsttätig abzugleichen. Das Institut für Technische Gebäudeausrüstung Dresden (iTG) hat solchen Systemen bereits bescheinigt, dass sie im Bestand mindestens vergleichbar mit einem konventionellen hydraulischen Abgleich nach Verfahren B sind, womit auch sie förderfähig sind. Diese Entwicklung könnte den hydraulischen Abgleich revolutionieren – von einer statischen Berechnung hin zu einem dynamischen, sich selbst überwachenden Zustand.
Die Vorgehensweise beim hydraulischen Abgleich wird in zwei Hauptverfahren unterteilt.
Der adaptive (dynamische) hydraulische Abgleich ist förderfähig und wird im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) oft sogar als besonders effiziente Maßnahme zur Heizungsoptimierung angesehen. Die Förderung erfolgt hauptsächlich über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) oder die Kreditbank für Wiederaufbau (KfW).