Diesen Artikel teilen:

26. Sep 2023

|

Gesellschaft

Industrie als Circular Economy Treiber

Journalist: Julia Butz

|

Foto: Marcin Jozwiak/unsplash, BDI

Das ganzheitliche Schließen von Stoffkreisläufen ist ein zentraler Schlüssel für nachhaltiges Wirtschaften und das Erreichen der Klimaziele.

online-1(53).png
Dr. Claas Oehlmann, Geschäftsführer BDI-Initiative Circular Economy

Die EU-Regularien Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und EU-Taxonomie sind Teil eines umfangreichen Aktionsplans der EU, welche die Dekarbonisierung der Wirtschaft vorantreiben, Transparenz für Konsumenten schaffen soll und Unternehmen zu Nachhaltigkeitsinformationen verpflichtet. In diesem Zusammenhang hat die EU die Kreislaufwirtschaft als zukünftiges Wirtschafts- und Sozialsystem angekündigt und dazu verschiedene Maßnahmen entwickelt, die verbindliche Anforderungen für Unternehmen enthalten.

Die vor zwei Jahren gegründete Initiative sieht den Europäischen „Green Deal“ als gemeinsame Gestaltungsaufgabe für verantwortungsvolles Wachstum und die Schaffung langfristiger Werte.

 „Wir müssen uns darüber Gedanken machen, wie wir unsere Wertschöpfung zukünftig organisieren. Und das unter den Rahmenbedingungen von Klimaschutz und den Klimazielen und in Hinblick auf die Rohstoffversorgung in Europa“, sagt Dr. Claas Oehlmann, Geschäftsführer BDI-Initiative Circular Economy. Die vor zwei Jahren gegründete Initiative sieht den Europäischen „Green Deal“ als gemeinsame Gestaltungsaufgabe für verantwortungsvolles Wachstum und die Schaffung langfristiger Werte. Nach Dr. Oehlmann muss dazu: „ … wenn wir das große Thema der Rohstoffresilienz wirklich ernsthaft wollen, das Kreislaufthema auf einem Level etabliert werden, das auch funktioniert.“ Für die BDI ist Circular Economy daher ganz klar ein Teil von Wirtschafts-, Industrie- und Standortpolitik. Mit einem wichtigen Umweltfaktor, der in jeder Unternehmensstrategie verankert werden sollte.

Wissend, dass dies von der Komplexität her eine Riesenherausforderung darstellt. Insbesondere da Werkstoffe aus der Circular Economy mit den günstigeren aus dem Primärbereich konkurrieren. „Solange wir unsere Produkte nicht so gestalten, dass sie wirklich kreislauffähig sind und der Aufwand noch immer viel zu hoch ist, aus einem Produkt die Rohstoffe wieder herauszuholen, wird es bei einigen Materialien immer teurer als ein Primärrohstoff. Da muss erstmal ein fairer Wettbewerb rein“, so Oehlmann. Design for Circularity als Ausgangspunkt für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft. Weitere wichtige Voraussetzung: verfügbare und verlässliche Daten über Materialkreisläufe und das Matching von Angebot und Nachfrage: „Wir brauchen Qualitätsstandards und Klassifizierungen, damit Verlässlichkeit in den Markt kommt. Der Digitale Produktpass ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber wir brauchen klare Regeln; vom Datenschutz über sinnvolle gemeinsame Ökodesignvorgaben bis hin zur Schließung der Schnittstellen in Hinblick auf Produktrecht, Stoffrecht und Abfallrecht.“ Ausschlaggebend sei aber auch der Konsument: „Wenn wir es nicht schaffen, glaubhaft zu erklären, warum es so wichtig ist, bei der Rückführung von Abfall mitzumachen, dann ist Kreislaufwirtschaft unmöglich. Dann werden wir zumindest auf Konsumgüterseite scheitern. Auch hier brauchen wir mehr Klarheit, Regeln und Anreize.“

Die im April 2021 gegründete BDI-Initiative Circular Economy umfasst ein Netzwerk aus etwa 60 Akteuren. Durch praxisnahe Austauschformate identifiziert sie technologische Potenziale und treibt als politisches Sprachrohr Circular Economy von der Produktentwicklung bis zur Wiederverwertung ganzheitlich an.

18. Mär 2026

|

Gesellschaft

Hören macht klug

Kaum läuft der Lieblingssong, wird aus dem Kinderzimmer eine Bühne. Es wird gehüpft, getanzt, gerappt und mitgesungen. Musik bringt positive Energien ins Leben – und kann noch viel mehr: Musik stärkt das Arbeitsgedächtnis von Kindern, also die Fähigkeit, Informationen kurzzeitig zu speichern und zu verarbeiten. Damit Kinder neue Inhalte verstehen und anwenden können, braucht das Arbeitsgedächtnis eine ausreichend große Kapazität. Ist diese noch nicht altersgemäß entwickelt, kann das Lernen zur Herausforderung werden. Musik wirkt da im Kopf wie Fitness. Als gezieltes Gedächtnistraining, mit der die geistige Leistungsfähigkeit, schon im Vorschulalter, gefördert und somit das spätere Lernen erleichtert wird. Hörspiele ergänzen diese Reise in die Klangwelt: Kinder konzentrieren sich auf das gesprochene Wort und lernen Geschichten aus Stimmen, Geräuschen und Musik zu visualisieren. Statt auf Bilder zu schauen, erschaffen sie diese selbst im Kopf. Das fördert die Fantasie, Sprachentwicklung und Konzentration. Auch Singen macht Sprache lebendig. Mit Reimen, Wiederholungen und eingängigen Melodien entdecken Kinder neue Wörter und Satzmuster ganz intuitiv. Dabei wächst nicht nur ihr Sprachgefühl, sondern auch das Wir-Gefühl: Beim gemeinsamen Singen hören sie aufeinander, reagieren im Takt und erleben echtes Miteinander. Wenn die Musik dann in Bewegung übergeht, wird aus Rhythmus Körpergefühl. Tanzen stärkt Motorik, Koordination und Selbstvertrauen. >Musik wird damit zum Sprachrohr für Gefühle. Sie bieten einen sicheren Raum, der Kinder ihre Emotionen erkennen, ausdrücken und verstehen lernen lässt. Was sich in den letzten Jahren deutlich verändert hat, ist die musikalische Sprache, in der all das passiert. Moderne Kinderlieder lösen sich zunehmend vom pädagogischen Zeigefinger und suchen die Nähe zur Popkultur. Statt bravem Gitarrenfolk vom Pädagogen in Latzhose mit Mitmachliedern übers Zähneputzen, erklingen Hip-Hop-Beats, Indiepop und Reggae-Grooves. Die Texte greifen Themen auf, die Kinder beschäftigen: Familienalltag, Freundschaft, kleine Wutanfälle oder erzählen vom Mut, das erste Mal auf dem Fahrrad zu fahren. Musik wird damit zum Sprachrohr für Gefühle. Sie bieten einen sicheren Raum, der Kinder ihre Emotionen erkennen, ausdrücken und verstehen lernen lässt. Und ja – wenn das Lieblingslied zum hundertsten Mal läuft, nervt es vielleicht ein bisschen weniger, wenn der Text nicht von Reimen auf Hände waschen handelt, sondern davon, dass Eltern auch nur Menschen sind. Was einen Song besonders „kindertauglich“ macht, ist trotzdem eine Wissenschaft. Laut einem Bericht der New York Post¹ haben Forschende aus Sheffield herausgefunden, dass dazu ein Tempo zwischen etwa 60 und 120 BPM gehört, also ein Rhythmus, bei dem es sich gut mitwippen lässt; eingängige Wiederholungen sowie eine klare, positive Klangstruktur. Kommt Ihnen bekannt vor? Das sind genau die Zutaten, die es für einen guten Ohrwurm braucht. ¹ New York Post: „‘Radio Ga Ga’ is scientifically proven to be a perfect kids song“, 6. August 2024.