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14. Dez 2020

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Gesellschaft

Innovative Verpackungsindustrie

Journalist: Helmut Peters

Nachhaltige Rohstoffe sollen Verpackungen klima- und umweltfreundlicher machen, ein vollständiger Verzicht etwa auf Kunststoff aber wäre auch nicht sinnvoll. Im Gespräch mit der Geschäftsführerin des Deutschen Verpackungsinstituts e.V., Kim Cheng, über neue Trends und Entwicklungen der Zukunft.

Welche umweltverträglichen Produkte und Verpackungsideen sind in der Verpackungsindustrie derzeit ganz neu auf dem Markt?

Die Innovationen im Bereich Nachhaltigkeit sind zahlreich. Ein wichtiger Aspekt ist noch immer die Reduzierung oder Substitution von Kunststoff durch Papier, Glas oder Metall. Gerade Papier erobert dabei Anwendungsbereiche, die traditionell dem Kunststoff vorbehalten waren, beispielsweise bei Tiefkühl- oder Süßwaren. Meist sorgen dann extrem dünne Beschichtungen für die notwendige Barriere, die das Produkt vor Umwelteinflüssen wie Feuchtigkeit oder Sauerstoff schützt.

Eine andere Stoßrichtung ist die Substitution von neuem „Virgin“-Kunststoff durch Kunststoffrezyklat. Auch hier sehen wir viel Innovationsarbeit, die den Anteil von Rezyklat stetig erhöhen und neue Produktgruppen erschließen. Dynamisch ist die Entwicklung auch im Bereich der Kunststoffe aus nachwach-senden Rohstoffen sowie bei den kompostierbaren Kunststoffen. Ein weiterer Trend sind sogenannte „Einstofflösungen“, die gerade für die Rezyklierbarkeit eine hohe Bedeutung haben. Denn Verpackungen, die nur aus einer Art Material bestehen, lassen sich einfacher und effizienter recyceln.

Zunehmend an Bedeutung gewinnen auch Verpackungslösungen, die den Verpackungsaufwand insgesamt minimieren – unabhängig vom eingesetzten Packstoff. Dazu gehören beispielsweise Mehrwegverpackungen oder Refill-Systeme, bei denen Kunden ihre Behälter an Nachfüllstationen im Markt selbstständig wieder befüllen können. Der gemeinsame Nenner der Innovationsarbeit ist die Kreislauffähigkeit der Verpackung.

Haben sich die Erwartungen an das seit 2019 geltende neue Verpackungsgesetz erfüllt?

Die grundsätzlich beabsichtigte Lenkungswirkung, die hinter dem Verpackungsgesetz steht, ist sicherlich der richtige Weg. Bisher allerdings sind die Auswirkungen nicht wirklich spürbar, wobei hier auch die Corona-Pandemie eine Rolle spielen dürfte. Insgesamt ist fraglich, ob die ehrgeizigen Quoten, die im Verpackungsgesetz festgeschrieben wurden, eingehalten werden können. In dem Zusammenhang wäre es sicherlich sinnvoll, stärker auf Förderung und Anreize zu setzen, beispielsweise im Bereich der Kunststoffrezyklate.

Welche Vorgaben wünscht sich das Deutsche Verpackungsinstitut e.V. von der Politik darüber hinaus?

Vorgaben sind das eine, Voraussetzungen und Handlungsspielraum schaffen das andere. So hilft es beispielsweise wenig, nur die Quoten für das Recycling und den Rezyklateinsatz bei Kunststoff zu erhöhen, wenn gleichzeitig wenig dafür getan wird, um die notwendige Infrastruktur auszubauen. Hier könnte und sollte sicherlich mehr getan werden. Ein aktuelles Bei-spiel ist die zum 1. Januar 2021 in Kraft tretende Plastiksteuer. Hier werden zwar zukünftig Abgaben von 80 Cent pro Kilo nicht recycelten Kunststoff fällig, die Mittel fließen jedoch nicht in den Auf- und Ausbau des Recyclingsystems, sondern sie werden „zweckentfremdet“.

Welche Hauptkriterien muss eine klima-neutrale Verpackung aus Ihrer Sicht und nach neuestem Forschungsstand vor allem erfüllen?

Der Klimaaspekt ist nur ein Faktor in der Gesamt-Ökobilanz. So ist Kunststoff aus Klimaperspektive oft vorteilhafter als andere Materialien. Solange jedoch die Kreisläufe beim Kunststoff nicht geschlossen sind, wird dieser Vorteil durch andere Nachteile mehr als kompensiert. Wichtig für eine reelle Evaluierung sind auch der Produktions- und Transportaspekt. Ein Großteil der Klimabelastung fällt nicht zuletzt beim Transport an. 

Wie steht es überhaupt um die Akzeptanz klimafreundlicher Verpackungen in der Öffentlichkeit?

Die Akzeptanz auf Verbraucherseite ist ohne Zweifel vorhanden. Umweltargumente sind jetzt schon ein wichtiges Argument und sie gewinnen trotz Corona weiter an Bedeutung. Bei einer repräsentativen Umfrage, die wir letztes Jahr durchgeführt haben, hat sich gezeigt, dass fast 70 Prozent der Konsumenten bereits einmal auf den Kauf eines Produkts verzichtet hat, weil die Verpackung in ihren Augen nicht nachhaltig genug war.

Wie wird sich die Verpackungsindustrie in den nächsten Jahren ausrichten?

Die auf lange Sicht entscheidenden Bereiche sind Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Sie erzwingen und ermöglichen neue Lösungen gleichermaßen. Ob die Erfahrungen der Corona-Pandemie dazu führen wird, dass die Wertschöpfungsketten regionaler werden, lässt sich noch nicht abschließend sagen.

2. Jul 2026

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Gesellschaft

Deutschland in einer neuen sicherheitspolitischen Realität – Ein Beitrag von Dr. Hans Christoph Atzpodien, Hauptgeschäftsführer, BDSV

Liebe Leserinnen und Leser, „Wir sind nicht im Krieg, aber wir sind auch nicht mehr im Frieden“. Diesen Satz des Generalinspekteurs Carsten Breuer haben sich inzwischen auch Bundeskanzler Friedrich Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius zu eigen gemacht. Er beschreibt eine neue sicherheitspolitische Realität, mit der wir uns auch im fünften Kriegsjahr der russischen Vollinvasion auf die Ukraine konfrontiert sehen und die Grundlage für unser sicherheitspolitisches Handeln sein muss. Der Zwischenzustand, der unserem Land damit attestiert wird, ist in dieser Form im Grundgesetz jedenfalls nicht vorgesehen. Unsere Verfassung unterscheidet zwischen Friedenszustand, dem Spannungsfall als Vorstufe des Verteidigungsfalls, die bereits die Anwendung bestimmter Notstandsrechtsvorschriften ermöglicht und dem eigentlichen Verteidigungsfall. Letzterer tritt nach Artikel 115a Grundgesetz dann ein, wenn das Staatsgebiet mit Waffengewalt angegriffen wird oder ein solcher Angriff unmittelbar droht. Nach Analysen der NATO besteht das Ziel, unsere Streitkräfte spätestens bis zum Jahr 2029 rundherum abschreckungs- und verteidigungsfähig auszustatten. Dieses Ziel muss darüber hinaus mit einer umfassenden Befähigung zur Gesamtverteidigung im Sinne einer gesamtgesellschaftlichen Resilienz einhergehen. Schon heute erleben wir ständige hybride Angriffe in der Form von Drohnenüberflügen, Cyber-Attacken oder Desinformationskampagnen, die bestimmten staatlichen Akteuren zugeordnet werden. >Nach Analysen der NATO besteht das Ziel, unsere Streitkräfte spätestens bis zum Jahr 2029 rundherum abschreckungs- und verteidigungsfähig auszustatten. Hieraus ergeben sich zweierlei Schlussfolgerungen: Erstens: Um unserem Beitrag in diesem Prozess – wie der NATO versprochen – zu erfüllen, wollen wir schon im Jahr 2029 ca. 3,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für Verteidigung sowie perspektivisch weitere 1,5 % des BIP für militärisch-relevante Infrastrukturmaßnahmen ausgeben. Rechnet man diese Ausgaben zusammen, so machen diese im Jahr 2029 40 % unseres Bundeshaushaltes aus. Allein in den Verteidigungsbudgets der Jahre 2025 bis 2029 sind kumuliert ca. 200 Milliarden Euro nur für Rüstungsausgaben geplant. Kurz: Es geht also um gewaltige Summen, die unsere Volkswirtschaft als Ganzes fordern. Zweitens benötigen wir ein umfassendes Verständnis der Sicherheits- und Resilienz-Notwendigkeiten in unserer Gesellschaft. Die Gewährleistung von Sicherheit ist die zentrale Querschnittsaufgabe unserer Zeit, die jeden und jede von uns betrifft: im Bevölkerungsschutz, beim Schutz kritischer Infrastrukturen, über Bedrohungen zu Lande, zu Wasser, in der Luft sowie im Cyberraum. Jeder Sektor ist gefragt, hier einen Beitrag leisten. In der Politik schließlich müssen diese Anstrengungen koordiniert und verzahnt werden. Dokumente wie die Nationale Sicherheitsstrategie oder die unlängst vorgestellte Militärstrategie sind der notwendige Ausfluss dieser Anstrengungen. Im BDSV wird dieser umfassende Sicherheitsbegriff seit unserer Gründung im Jahr 2009 konsequent gelebt. In unserem Verband sind alle Ausrüster staatlicher Sicherheitsbehörden willkommen und vereint. Über die Plattform SVI-Connect, die wir gemeinsam mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik ins Leben gerufen haben, leisten wir seit Jahresbeginn zudem einen Beitrag zur Verzahnung klassischer Rüstungsunternehmen mit neuen, bislang überwiegend zivilen Zulieferern – zum Vorteil beider Seiten. Nicht zuletzt deshalb ist Deutschland auf gutem Weg, seine selbstgesteckten Ziele in der Zeitenwende zu erreichen. Die deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie tut alles in ihrer Macht Stehende, um hier ihren Beitrag zu leisten.