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29. Dez 2025

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Gesundheit

Jeder Schluck ist einer zu viel

Journalist: Katja Deutsch

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Foto: Getty Images/unsplash

Trinkt eine werdende Mutter Alkohol, kann dies zu lebenslangen, schweren Behinderungen führen. Doch jede vierte Frau in Deutschland trinkt trotzdem – besonders Akademikerinnen.

Leider kann Alkohol bereits bei einem nur drei Wochen alten Embryo schwere Schäden verursachen – also zu einem Zeitpunkt, an dem viele Frauen noch gar nicht wissen, dass sie schwanger sind. Wer grundsätzlich schwanger werden könnte, sollte daher vorsorglich auf Alkohol verzichten, besonders in der Zeit von Weihnachtsfeiern und rund um Silvester. Die vorgeburtliche Schädigung von Gehirn und Organen durch den Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft wird unter dem Begriff „Fetale Alkoholspektrum-Störungen“ (FASD, Fetal Alcohol Spectrum Disorder) zusammengefasst. Alkohol wirkt während der gesamten Schwangerschaft als Zellgift und kann die Entwicklung von Organen, insbesondere des Gehirns und des Nervensystems, dauerhaft beeinträchtigen. Eigentlich ist diese Tatsache bekannt, doch weltweit konsumiert trotzdem etwa jede zehnte schwangere Frau Alkohol. In Europa liegt der Anteil mit bis zu etwa 25 Prozent sogar noch deutlich höher. Vielen Schwangeren ist nicht bewusst, dass selbst moderater oder gelegentlicher Alkoholkonsum bleibende Schäden verursachen kann. Medizinisch gilt daher: Während der gesamten Schwangerschaft sollte vollständig auf Alkohol verzichtet werden, auch auf geringe Mengen, etwa in Desserts, Pralinen oder Soßen.

Statistisch gesehen wird in Deutschland jede Stunde ein Kind mit FASD geboren – rund 10.000 Kinder pro Jahr. Bei etwa 2.000 bis 3.000 Neugeborenen liegen schwere Ausprägungen vor, die als Fetales Alkoholsyndrom (FAS) bezeichnet werden. Rund 80 Prozent dieser Kinder bleiben lebenslang auf Unterstützung angewiesen. FASD ist die häufigste, nicht genetisch bedingte seelische, geistige und körperliche Behinderung bei Neugeborenen.

Vielen Schwangeren ist nicht bewusst, dass selbst moderater oder gelegentlicher Alkoholkonsum bleibende Schäden verursachen kann.

Schwere Formen von FAS sind oft schon bei der Geburt erkennbar: Die Kinder sind klein, untergewichtig, haben einen geringen Kopfumfang und typische Gesichtszüge wie kurze Lidspalten und eine schmale Oberlippe.Die meisten Betroffenen zeigen jedoch keine äußeren Merkmale. Sie fallen häufig erst im Kindergarten- oder Schulalter durch Lern- und Konzentrationsprobleme, mangelnde Impulskontrolle und Schwierigkeiten im Alltag auf. Nicht selten werden sie fälschlich mit ADHS diagnostiziert. Tatsächlich liegt bei FASD meist eine ausgeprägte Störung der Exekutivfunktionen vor, die Planung, Selbststeuerung, Problemlösung und soziales Verhalten beeinträchtigt und den Lebensverlauf stark beeinflusst: Schätzungen zufolge ist rund jeder dritte obdachlose Mensch in Deutschland ein Kind einer Mutter, die während der Schwangerschaft Alkohol konsumiert hat. Auch die gesellschaftlichen Folgen sind erheblich: Die lebenslangen Kosten pro betroffener Person können sich auf bis zu eine Million US-Dollar summieren.

Kinder, die mit FASD geboren wurden, und ihre Familien benötigen frühzeitige, spezialisierte Unterstützung. Hilfe bieten unter anderem sozialpädiatrische Zentren, FASD-Zentren, Fachärztinnen und Fachärzte, Beratungsstellen sowie Selbsthilfeorganisationen wie FASD Deutschland e. V. Zu den häufig eingesetzten Fördermaßnahmen zählen Frühförderung, Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie. Eine frühe Diagnose und eine strukturierte, lebensbegleitende Unterstützung können die Teilhabechancen der Betroffenen deutlich verbessern – und hoffentlich ein hartes Leben auf der Straße verhindern.

Kinder, die mit FASD geboren wurden, und ihre Familien benötigen frühzeitige, spezialisierte Unterstützung.

25. Jun 2026

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Gesundheit

Mit Datennutzung und Innovationen zur Smarten Gesundheitsversorgung –Ein Beitrag von Dr. Marc-Pierre Möll, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied BVMed – Bundesverband Medizintechnologie

Denn moderne Medizintechnik liefert genau das, was eine smarte Gesundheitsversorgung braucht: Kontinuierlich verfügbare Daten, intelligente Vernetzung und KI-gestützte Lösungen, die neue Versorgungswege ermöglichen. Unser Problem in Deutschland ist: sektorale Strukturen, tradierte Vergütungssysteme und uneinheitliche Vorgaben bremsen die digitale Transformation bislang aus. Was muss getan werden? Wir müssen Daten besser verfügbar machen. Wir müssen internationale Standards für Datenformate und -sicherheit verwenden. Wir müssen digitale Versorgung besser etablieren. Wir müssen digitale Versorgungspfade umsetzen. Die Nutzung von Daten ist das Kernelement, das digitale Versorgung in allen Sektoren und Situationen kennzeichnet. Dabei kann die Nutzung der Daten sehr verschieden gestaltet sein. Beispiele sind: - die Steuerung von Patientenpfaden anhand von aktuellen Daten und Informationen aus der Patientenhistorie, - das permanente Monitoring des Gesundheitszustandes anhand von kontinuierlich erhobenen Daten aus Sensoren oder anderen Messgeräten, - das situationsbezogene Management anhand von Alarmen bzw. Meldungen, - die Nutzung von Daten für die Weiterentwicklung von Produkten und Services sowie für Training, Validierung und Einsatz von KI, - die Nutzung von Daten für Digital Twin-Ansätze oder - die Nutzung von Daten für Training, Schulung, Weiterbildung. Wichtig ist, dass die erforderlichen Daten in der Versorgung zur richtigen Zeit und am richtigen Ort verfügbar sind, ein nutzbares Format haben oder über eine Schnittstelle genutzt werden können und die Rahmenbedingungen für die Datennutzung klar sind. **Aus Sicht der MedTech-Branche fordern wir:** - In einem neuen Primärversorgungssystem sollte die digitale Ersteinschätzung so entwickelt werden, dass künftig auch Echtzeitdaten für eine valide Ersteinschätzung genutzt werden können. - Für „Digital Twin-Technologien“ sollten pseudonymisierte Behandlungsdaten nutzbar gemacht werden. Denn Simulationen anhand von vorhandenem Bildmaterial können invasive Diagnostik verhindern oder Therapieschritte vorbereiten. - Das Einwilligungsmanagement zur Datennutzung im Behandlungsablauf sollte bundesweit vereinheitlicht werden und auf einer einheitlichen Interpretation der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) basieren. - Für die Verbesserung von Produkten und Services braucht die Industrie Zugang zu Gesundheitsdaten und teilt selbst auch ihre Daten. Dabei sind allerdings IP-Rechte zu beachten, gerade bei Medizinprodukten. - Unser Appell: Smarte Gesundheitsversorgung entsteht nicht durch einzelne Innovationen, sondern durch das Zusammenspiel von Daten, Vernetzung und KI. Die Zukunft der Versorgung ist möglich – jetzt muss das System folgen. ## Zum Autor: Dr. Marc-Pierre Möll ist seit April 2019 Geschäftsführer des Bundesverbandes Medizintechnologie e. V. in Berlin sowie Geschäftsführer der BVMed-Akademie. Er ist zudem Mitglied des BVMed-Vorstands.