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24. Sep 2026

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Gesellschaft

„Kochen ist alles, aber nicht kompliziert“ – Interview mit TV-Koch und Gastronom Steffen Henssler

Journalist: Kirsten Schwieger

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Foto: Philipp Rathmer

Interview mit TV-Koch und Gastronom Steffen Henssler über eine alltagstaugliche, gesunde Küche, nachhaltige Food-Trends, Kochhacks & Gewürzmischungen.

Herr Henssler, wann haben Sie das letzte Mal im Stehen gegessen? Das kommt immer wieder mal vor. Auch beim Autofahren. Aber so richtig an einem Imbiss ist eigentlich doch schon länger her.

Wie verändern sich Essgewohnheiten und die Ansprüche an gutes Essen, wenn alles immer schnell gehen soll? Ich glaube, dass Leute weniger klassische Mahlzeiten und in Ruhe zu sich nehmen. Es hat sich eine Snackkultur entwickelt, Essen on the fly. Auch viel Frittiertes, das ist natürlich nicht so toll. Die Ansprüche an gutes Essen müssen sich aber nicht ändern. In puncto selber kochen ist es einfach nur eine Frage der Planung und Prioritätensetzung. Deswegen empfehle ich jedem, der sich damit schwer tut, einen Wochenplan zu machen.

Wie schafft man es, dass die Qualität nicht auf der Strecke bleibt? Frische, hochwertige Zutaten gibt es auch im Supermarkt um die Ecke. Man muss auch nicht Bio kaufen. Gesundes Essen mit frischen Zutaten, also nicht vorprozessiert oder durchgewürzt, ist relativ simpel herzustellen. Ein bisschen Hühnchen in die Pfanne, eine Handvoll Spinat, etwas Sojasoße, Honig und Butter: das ist wirklich schnell gemacht. Kochen ist alles, aber nicht kompliziert. Ich weiß nicht, wie die Leute darauf kommen. Wir reden ja nicht davon, dass man zu Hause einen dritten Stern erkocht.

Was bedeutet Genuss für Sie? Genuss fängt damit an, dass ich selber koche. Ich nehme mir Zeit zum Essen, ich esse bewusst und setze mich hin und gucke genau, was ich esse. Mit Freunden essen ist noch genussvoller.

Was sollte jeder können oder haben, um im Alltag entspannter und besser zu kochen? Es gibt so elementare Sachen, die man haben sollte, wie ein anständiges Brett, ein Messer und eine anständige Pfanne. Dann macht das auch Spaß. Ansonsten rate ich: Einfach dieses Gefühl zu kriegen, anzufangen. Das kann auch etwas Einfaches sein. Kartoffeln schälen, dünn schneiden und roh in der Pfanne braten. Letztens habe ich das schnellste Omelett der Welt gelernt: einfach nur Eier in kochendes Wasser kippen, einmal aufkochen lassen, abgießen. Und als Extratipp: Gewürzmischungen machen das Kochen einfacher – da hast du ganz schnell tolle Aromen.

Die meisten haben immer Angst, eine Pfanne so richtig heiß zu machen.

Welche Kochhacks bringen Hobbyköche auf das nächste Level? Es gibt nicht DEN ultimativen Tipp, der alle Gerichte auf das nächste Level holt. Meine Empfehlung: keine Angst vor Hitze haben, also mit Hitze arbeiten. Die meisten haben immer Angst, eine Pfanne so richtig heiß zu machen. Seid mutig beim Kochen, probiert einfach Dinge aus! Das gilt auch und insbesondere fürs Würzen: Salz, Pfeffer, Currypulver usw. Am Ende ist es das einfache kulinarische Spiel zwischen Säure und Fett. Also, ein bisschen Butter in der Pfanne, ein Spritzer Säure: dann schmeckt das meistens schon.

Wenn Sie nur drei Zutaten für ein richtig gutes Abendessen wählen dürften – welche wären das? Butter, Zitrone und Parmesan, aus dem eben erwähnten Grund. Mit Parmesan hast du diesen schönen Umami-Geschmack, mit Butter die Fettseite und von der Zitrone lässt sich sowohl der Saft als auch die Schale nutzen. Das sind Basics, die man haben sollte. Die sind auch preislich völlig in Ordnung. Okay, mit Pasta zusammen wären es vier Zutaten …

Welcher Food-Trend ist gekommen, um zu bleiben? Ich glaube, heutzutage haben es Trends viel, viel schwerer, sich durchzusetzen. Das meiste sind kurzfristige Hypes auf TikTok & Co. Diese ganze Smashburger Geschichte ist tatsächlich wohl etwas, das bleibt. Und es gibt immer wieder Revivals. Klassiker wie Pizza und Burger erfinden sich ja immer wieder auf eine gewisse Art neu. In der Gastronomie selber sind natürlich die asiatischen Einflüsse nicht mehr wegzudenken. Der letzte richtige nachhaltige Food-Trend war womöglich Sushi. Und die Levante-Küche, seit einiger Zeit auch immer mehr die indische Küche.

Wofür danken Sie Social Media und wofür verdammen Sie es? Social Media hat natürlich eine unheimlich große Aufmerksamkeit auf das ganze Thema Ernährung gelenkt. Wir beschäftigen uns mit Essen, setzen uns mit Nährstoffen auseinander – das ist super, eine unheimliche Aufwertung. Und die ganzen Kochguides sind Unterhaltung, die wenigsten kochen das wirklich nach. Verdammen tue ich eigentlich nichts – obwohl es nach wie vor schon strange ist, wenn die Leute im Restaurant ihr Essen erst fotografieren, bevor sie anfangen zu essen.

Welche Küchengeräte sparen wirklich Zeit – und welche stehen nur im Weg? Der Airfryer spart natürlich viel Zeit, weil man keinen Ofen mehr vorheizen muss. Das macht schon Sinn. Dagegen stehen Multifunktionsgeräte zum Schnippeln & Co womöglich schon nach einiger Zeit nur als Deko in der Ecke herum.

Gesundes Essen mit frischen Zutaten, also nicht vorprozessiert oder durchgewürzt, ist relativ simpel herzustellen.