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24. Sep 2026

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Gesellschaft

Wichtigste Technologie der Menschheit – mit Prof. Dr. Benjamin List, Nobelpreisträger für Chemie

Journalist: Julia Butz

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Foto: Chitraloka3D/unsplash+, Henning Kretschmer / MPI für Kohlenforschung

Durch Katalyse werden chemische Prozesse einfacher, schneller und preiswerter. Im Gespräch mit dem Nobelpreisträger für Chemie, Prof. Dr. Benjamin List.

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Henning Kretschmer / MPI für Kohlenforschung

Herr Prof. Dr. List, viele Menschen kennen Katalysatoren aus dem Auto, dabei ist die chemische Katalyse unsichtbarer Bestandteil vieler industrieller Prozesse. Warum ist sie so wichtig? Die Katalyse ist in meinen Augen eine der wichtigsten Technologien der Menschheit, wenn nicht sogar die wichtigste. Im Kern passiert Folgendes: Ein winziges Molekül, der Katalysator, hilft dabei, eine chemische Reaktion zu beschleunigen oder überhaupt erst in Gang zu setzen. Prominente Beispiele dafür sind das Haber-Bosch-Verfahren zur Herstellung von Ammoniak als Düngemittel, ohne die es vermutlich nur halb so viele Menschen auf der Welt gäbe. Oder die Herstellung von Polyethylen und Polypropylen für Kunststoffe. Und auch in der Produktion von Medikamenten und Duftstoffen ist Katalyse nicht wegzudenken. Das Charmante dabei: Der Katalysator selbst wird durch die Reaktion nicht verbraucht. Er kann wieder und wieder genutzt werden, ganz so wie ein molekulares Werkzeug.

Der Wandel hin zu weniger fossilen Materialien und mehr organischen Katalysatoren macht die Chemieindustrie umweltfreundlicher.

Bis zum Ende der 1990er-Jahre waren Wissenschaftler davon überzeugt, dass ein Katalysator entweder ein Enzym oder ein Metall enthalten muss. Ja, und wir konnten mit der Organokatalyse zeigen, dass das nicht die ganze Wahrheit ist. Wir sind in der Lage, Katalysatoren zu schaffen, die rein organischen Ursprungs sind und auch ohne teure Metalle durchaus effiziente Katalyse betreiben können, und zwar sehr selektiv. Dadurch wird bei der Synthese von beispielsweise Wirkstoffen in der Pharmazie weniger chemischer Abfall produziert, was die Entwicklung neuer Medikamente nachhaltiger und auch günstiger macht.

Welche Möglichkeiten bietet die Organokatalyse für eine umweltfreundlichere Chemie? Viele chemische Prozesse basieren auf fossilen Ressourcen und auf Metallkatalysatoren, die zum Teil rar oder giftig sind. Der Wandel hin zu weniger fossilen Materialien und mehr organischen Katalysatoren macht die Chemieindustrie umweltfreundlicher. Deshalb lohnt es sich, weiter in die chemische Grundlagenforschung zu investieren. Wir haben noch längst nicht all unsere Möglichkeiten ausgeschöpft.

Die Katalyse ist eine der wichtigsten Technologien der Menschheit, wenn nicht sogar die wichtigste.

Woran arbeiten Sie aktuell? Eines unserer Projekte klingt fast nach Science-Fiction: eine künstliche Photosynthese, die das CO₂ aus der Atmosphäre in Kohlenstoff und Sauerstoff zerlegt. Gelingt uns diese Traumreaktion und lässt sie sich skalieren, könnten wir den menschengemachten Klimawandel eindämmen, eine nachhaltige chemische Industrie ermöglichen und gleichzeitig Elektrizität erzeugen. Die dabei entstehende solare Kohle ließe sich in den Kohlebergbaustollen des Ruhrgebiets speichern, die momentan noch als Ewigkeitsaufgabe bestehen bleiben. Außerdem gründe ich gerade ein Unternehmen, das hochreine Riechstoffe herstellt. So könnten Inhaltsstoffe für die Parfümindustrie kostengünstiger und nachhaltiger produziert werden.

Ich bin davon überzeugt, dass auch in Zukunft Katalyse von unschätzbarer Wichtigkeit sein wird, um die Herausforderungen der Menschheit zu meistern: sei es der Klimawandel, die Abkehr von fossilen Ressourcen oder Medikamente für die nächste Pandemie. Darum sollte die Forschung im Bereich der chemischen Katalyse unbedingt in der High-Tech-Agenda der Bundesregierung berücksichtigt werden.

Factbox

Prof. Dr. Benjamin List, einer der weltweit bekanntesten Forscher auf dem Gebiet der chemischen Katalyse. Für seine Entwicklung erhielt er gemeinsam mit Sir David W. C. MacMillan 2021 den Nobelpreis für Chemie.

24. Sep 2026

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Gesellschaft

Gemeinsam statt allein: Warum Vereinssport Ihr Leben verlängert – Ein Beitrag von Michaela Röhrbein, Vorständin Sportentwicklung des Deutschen Olympischen Sportbundes

Ich verrate Ihnen einen Geheimtipp, wie Sie Ihr Leben, wissenschaftlich belegt, um fast zehn Jahre verlängern können. Sie benötigen dazu keine teuren Medikamente, müssen sich keiner Operation unterziehen, nichts einfrieren lassen. Trotzdem gibt es erstaunlich wenig Menschen, die davon wissen – und noch weniger, die es tatsächlich umsetzen. Dabei ist der Tipp ganz einfach: Spielen Sie Tennis. Das zumindest sagt die dänische Copenhagen City Heart Study, eine Langzeituntersuchung über einen Zeitraum von fast 25 Jahren mit mehr als 8.000 Teilnehmenden. Die Forscher:innen untersuchten, ob Menschen, die regelmäßig Sport treiben, länger leben als solche, die das nicht tun. Die Antwort dürfte auf der Hand liegen. Spannender war deshalb die zweite Frage: Welche Sportarten sind besonders gesundheitsfördernd? Verglichen wurden unter anderem Tennis, Fußball, Joggen, Radfahren und Schwimmen. Die Ergebnisse sind erstaunlich. Menschen, die Tennis spielten, lebten im Durchschnitt fast zehn Jahre länger. Selbst wenn man andere, gewichtige Faktoren wie den sozioökonomischen Status einbezog, blieben die Ergebnisse eindeutig. Tennis verlängert das Leben. Die gute Nachricht: Alle untersuchten Sportarten haben laut Studie einen lebensverlängernden Effekt, manche mehr, manche weniger. Aus anderen Untersuchungen wissen wir außerdem etwas mindestens genauso Wichtiges. Nämlich, dass Sport und Bewegung die Lebensqualität verbessern. Das heißt, Sie leben nicht nur länger, wenn Sie regelmäßig Sport treiben, sondern auch länger gesund. Das ist ja großartig, sagen jetzt die einen. Warum handeln wir nicht danach, fragen die anderen. Die Frage ist berechtigt. Denn eigentlich hätten diese Ergebnisse, als sie vor acht Jahren erschienen sind, ein Weckruf für Politik und Gesellschaft sein müssen: Sport ist kein netter Zusatz, Sport ist lebensentscheidend, lebensverlängernd, er hält Menschen gesund und beugt Krankheit vor. Eine angemessenere Förderung von Bewegung und Sport könnte unser angeschlagenes Gesundheitssystem entlasten. Der Bewegungsmangel in Deutschland verursacht jedes Jahr fast drei Milliarden Euro an Gesundheitskosten. >Wer mit anderen zusammen Sport treibt, trifft Menschen, kommt ins Gespräch, knüpft soziale Kontakte, spürt Zusammenhalt. Schauen wir uns die Forschungsergebnisse noch einmal im Detail an, sticht eine Erkenntnis heraus, die erklärt, warum die aufgeführten Sportarten das Leben so beträchtlich verlängern können. Dass Sport und Bewegung gut für den Körper sind, ist durchaus bekannt und eher kein Geheimnis. Aber warum verlängern manche Sportarten das Leben so maßgeblich? Eine wichtige Antwort der Studie: Der Gemeinschafts-Faktor. Wer mit anderen zusammen Sport treibt, trifft Menschen, kommt ins Gespräch, knüpft soziale Kontakte, spürt Zusammenhalt. Die Forschung zeigt immer deutlicher, dass Gemeinschaft und soziale Kontakte bis ins hohe Alter ein entscheidender Faktor für ein längeres, glücklicheres Leben sind. Diese soziale Komponente entsteht aber nicht einfach so, sie braucht einen Rahmen: feste Trainingszeiten, ein Vereinsheim, ein Team, das einen erwartet, Verlässlichkeit und Zusammenhalt. Genau das bietet der organisierte Vereinssport wie kaum eine andere Struktur in Deutschland – und genau deshalb ist es unsere Aufgabe als Dachverband des Sports, dafür zu arbeiten, dass diese Erkenntnisse Einzug in politische Entscheidungen finden und der Sport, insbesondere der Vereinssport, angemessen gefördert wird. Wir wollen mehr Menschen in Bewegung bringen und ihnen ein gesünderes und glücklicheres Leben ermöglichen. Welche Sportart am besten zu Ihnen passt, das bleibt Ihre Entscheidung. Jede Bewegung ist besser als keine Bewegung. Wovon wir überzeugt sind, ist, dass Sport im Verein mit anderen Menschen am meisten Spaß macht – und er hält, wie die Wissenschaft zeigt, obendrein am längsten jung.