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24. Sep 2026

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Gesellschaft

Unaufhaltsame Ernährungswende – mit Godo Röben, Veggie-Experte

Journalist: Kirsten Schwieger

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Foto: Presse, Joanna Stołowicz/unsplash+

Warum alternative Proteinquellen die Zukunft sind, wie sie immer besser werden und warum Chinesen kein Problem mit „Frankensteinfood“ haben, verrät Veggie-Experte Godo Röben.

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Godo Röben, Veggie-Experte

Herr Röben, wo steht der Markt für alternative Proteinquellen heute? Wir befinden uns im ersten Jahrzehnt einer 50 bis 60-jährigen Ernährungswende. Jetzt, nach zehn Jahren, merken wir, dass die Produkte wesentlich besser werden, also weniger Zusatzstoffe und mehr regionale Rohstoffe beinhalten. In Sachen Geschmack und Biss sind 50 Prozent heute schon richtig gut, bei den anderen 50 Prozent muss noch nachgearbeitet werden.

Welche gesellschaftlichen Entwicklungen haben dazu geführt? Vor zehn, zwölf Jahren ging es los mit altruistischen Motiven. Tierwohl statt Massentierhaltung, welche dem Klima schadet und auch der Gesundheit der Menschen. 10 Prozent der Bevölkerung ging voran und hat gesagt, es muss sich etwas verändern. In den letzten zwei, drei Jahren kam es zu einer Stagnation, bedingt durch die ganzen Krisen. Jetzt will man wieder egoistisch sein, kann nicht auch noch die Welt retten.

Welcher Hebel greift nun, um pflanzliche Ernährung in den Mainstream zu bringen? Der größte Hebel für eine egoistische Motivation ist tatsächlich der Preis. Wenn die pflanzlichen Produkte günstiger sind als die alten – und das wird die nächsten fünf Jahre passieren – haben wir die große Masse der Bevölkerung, also mindestens 50 Prozent. Die Themen Klimawandel, Tierwohl usw. gibt es dann als Beifang. Das wird dem Markt helfen, richtige Mengen zu machen. Ein weiterer Hebel sind die Klimaziele des deutschen Handels, die zu 90 Prozent von der Tierhaltung bestimmt sind. Die fordern von den Lieferanten vehement mehr pflanzliche Produkte und veränderte Rezepturen.

Investoren lieben Tech, die Verbraucher hingegen mögen es so natürlich wie möglich.

Welche Rolle werden alternative Proteine künftig für eine nachhaltige, gesunde und genussorientierte Ernährung spielen? Sie sind die einzige Lösung für die zukünftige Ernährung der Weltbevölkerung und Schlüssel zur planetaren Gesundheit, also Ressourcenschonung, CO2-Emissionen aber auch für die Gesundheit der Menschen. Leider halten sich die alten Gerüchte über Chemiebaukästen hartnäckig. In gut 50 Jahren werden wir bei 70–80 Prozent pflanzlichen Produkten sein, weil diese in allen wichtigen Punkten im Vorteil sind.

Welche Rolle spielen Food-Tech-Innovationen dabei? Investoren lieben Tech, die Verbraucher hingegen mögen es so natürlich wie möglich. Ganz selten, wie aktuell bei einem Projekt der ehemaligen Zalando-Geschäftsführer, wird ganz neue Technik eingesetzt. Und beim Thema zellkultiviertes Fleisch sind viele Firmen gerade entweder Pleite gegangen oder haben ihre Ausgaben gedrosselt. Bis man mit den Produkten Geld verdienen kann, werden noch 10 bis 15 Jahre vergehen. Ich denke, China wird als erstes damit durchkommen. Weil sie es aufgrund der Bevölkerungsexplosion müssen - und weil die Bevölkerung demgegenüber auch nicht so kritisch eingestellt ist. Für die Europäer ist das noch Frankensteinfood.

Was ist denn mit Fermentation oder innovativen Rohstoffen? Mit dieser tollen Technologie sind einige Firmen jetzt schon draußen. Bei Billie Green haben wir es hingekriegt, dass wir durch Fermentation eines Rohstoffes in vielen Produkten keine Zusatzstoffe mehr brauchen. Auch Präzisionsfermentation, mit der sich einzelne Stoffe genau nachbilden lassen, ist total spannend. Ein sehr innovativer Rohstoff ist in meinen Augen die Pilzwurzel, das Myzel, was unter der Erde ist. Das hat einen recht neutralen Geschmack, einen schönen, fleischigen Biss und gute Nährwerte.

Der größte Hebel für eine egoistische Motivation ist tatsächlich der Preis.

Fakten:

Studien zeigen, dass pflanzliche Fleischalternativen im Vergleich zu Fleischprodukten kein Cholesterin, ein günstigeres Fettprofil (mehrfach ungesättigte Fettsäuren) sowie mehr Ballast- und Mikronährstoffe aufweisen.