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24. Sep 2026

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Gesellschaft

Vom Autoland zur KI-Nation – mit Dr. Tina Klüwer, KI-Expertin und Executive Director von AI NATION

Journalist: Thomas Soltau

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Foto: Getty Images/unsplash, Tina Klüwer / Valdivia Design

Dr. Tina Klüwer, KI-Expertin und Executive Director von AI NATION, über Deutschlands Chancen auf einen globalen KI-Champion.

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Dr. Tina Klüwer, KI-Expertin und Executive Director von AI NATION

Deutschland verfügt über exzellente Forschung und starke Industrieunternehmen. An welcher Stelle könnte aus dieser Kombination das nächste weltweit erfolgreiche KI-Unternehmen entstehen? Dort, wo aus Autoland KI-Nation wird. Schaeffler und Bosch bauen beispielsweise mit NEURA Robotics keine Autoteile mehr, sondern humanoide Robotik – Schaeffler will bis 2035 Tausende Roboter selbst einsetzen. Genau diese Übersetzung von industrieller Substanz in Physical-AI-Kompetenz ist einer der Orte, an denen der nächste globale Champion entsteht. Die letzte Finanzierungsrunde konnte NEURA Robotics mit 1,4 Mrd. USD abschließen. Auch daran erkennt man das enorme Potenzial.

KI-Gründer schauen heute in Richtung Silicon Valley. Was müsste passieren, damit sich dieser Blick umkehrt und Deutschland zu einem Magneten für internationale Talente und Gründer wird? Entscheidend sind vor allem Finanzierung und die Offenheit der etablierten Unternehmen in der Zusammenarbeit mit jungen innovativen Unternehmen. Die Bundesregierung hat mit der Startup- und Scaleup-Strategie die richtigen Hebel benannt: Deutschlandfonds, verdoppeltes Wagniskapital über die WIN-Initiative, weniger Bürokratie beim Gründen. Jetzt kommt es auf Tempo an: Aus den rund 150 Maßnahmen müssen in den nächsten Monaten konkrete, wirksame Instrumente werden, keine Prüfaufträge, die erst in der nächsten Legislaturperiode greifen. Genau dieses Umsetzungstempo entscheidet, ob Gründer künftig eher an Berlin oder München denken als an San Francisco.

Deutschland hat kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem.

Sie sprechen mit Gründern, Investoren und Forschenden. Worüber wird besonders leidenschaftlich diskutiert, obwohl das in der öffentlichen Debatte kaum vorkommt? Es gibt kein Geheimwissen hinter verschlossenen Türen. Die Probleme liegen alle offen auf dem Tisch: zu wenig Wachstumskapital, zu langsame Verfahren, zu viel Bürokratie, risikoaverses Mindset. Genau das wird in diesen Gesprächen mit einer Leidenschaft verhandelt, die man in der öffentlichen Debatte selten spürt. Deutschland hat kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Die Antworten liegen längst vor. Jetzt geht es nur noch darum, sie schnell genug umzusetzen.

Deutschland wird häufig für seine Defizite kritisiert. Worauf sollten wir im internationalen Wettbewerb selbstbewusster sein, als wir es derzeit sind? Auf unsere industrielle Substanz. Deutschland liegt bei der Roboterdichte weltweit auf Platz 3. Das ist kein Zufall, sondern jahrzehntelanges Ingenieurs-Know-how, das jetzt auf KI trifft. Während andere Ökosysteme bei Algorithmen führen, haben wir den direkten Zugang zu echten industriellen Anwendungsfällen. Das ist kein Nachteil gegenüber Software-first-Standorten wie dem Silicon Valley – das ist unser eigener, eigenständiger Weg. Außerdem verfügen wir über ein sehr gutes berufliches Bildungssystem und über gut ausgebildete Talente. Viele Menschen kommen nach Deutschland, um hier zu studieren oder eine Ausbildung zu machen. Das ist ein wichtiger Baustein für die Zukunft.

Nennen Sie einen Moment, an dem Sie sagen würden: Jetzt spielt Deutschland im globalen KI-Wettbewerb nicht mehr nur mit, sondern setzt selbst die Maßstäbe? Auf diesen Moment warten wir noch. Aber es gibt Forschungsfelder, die Hoffnung machen. Die deutsche Forschung produziert Spitzenergebnisse, auch im Bereich KI und anderen Zukunftstechnologien. Wenn aus dieser Forschungsstärke tatsächlich weltweit führende Unternehmen werden, ist das der Moment, in dem wir nicht mehr aufholen, sondern führen.

24. Sep 2026

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Gesellschaft

Gemeinsam statt allein: Warum Vereinssport Ihr Leben verlängert – Ein Beitrag von Michaela Röhrbein, Vorständin Sportentwicklung des Deutschen Olympischen Sportbundes

Ich verrate Ihnen einen Geheimtipp, wie Sie Ihr Leben, wissenschaftlich belegt, um fast zehn Jahre verlängern können. Sie benötigen dazu keine teuren Medikamente, müssen sich keiner Operation unterziehen, nichts einfrieren lassen. Trotzdem gibt es erstaunlich wenig Menschen, die davon wissen – und noch weniger, die es tatsächlich umsetzen. Dabei ist der Tipp ganz einfach: Spielen Sie Tennis. Das zumindest sagt die dänische Copenhagen City Heart Study, eine Langzeituntersuchung über einen Zeitraum von fast 25 Jahren mit mehr als 8.000 Teilnehmenden. Die Forscher:innen untersuchten, ob Menschen, die regelmäßig Sport treiben, länger leben als solche, die das nicht tun. Die Antwort dürfte auf der Hand liegen. Spannender war deshalb die zweite Frage: Welche Sportarten sind besonders gesundheitsfördernd? Verglichen wurden unter anderem Tennis, Fußball, Joggen, Radfahren und Schwimmen. Die Ergebnisse sind erstaunlich. Menschen, die Tennis spielten, lebten im Durchschnitt fast zehn Jahre länger. Selbst wenn man andere, gewichtige Faktoren wie den sozioökonomischen Status einbezog, blieben die Ergebnisse eindeutig. Tennis verlängert das Leben. Die gute Nachricht: Alle untersuchten Sportarten haben laut Studie einen lebensverlängernden Effekt, manche mehr, manche weniger. Aus anderen Untersuchungen wissen wir außerdem etwas mindestens genauso Wichtiges. Nämlich, dass Sport und Bewegung die Lebensqualität verbessern. Das heißt, Sie leben nicht nur länger, wenn Sie regelmäßig Sport treiben, sondern auch länger gesund. Das ist ja großartig, sagen jetzt die einen. Warum handeln wir nicht danach, fragen die anderen. Die Frage ist berechtigt. Denn eigentlich hätten diese Ergebnisse, als sie vor acht Jahren erschienen sind, ein Weckruf für Politik und Gesellschaft sein müssen: Sport ist kein netter Zusatz, Sport ist lebensentscheidend, lebensverlängernd, er hält Menschen gesund und beugt Krankheit vor. Eine angemessenere Förderung von Bewegung und Sport könnte unser angeschlagenes Gesundheitssystem entlasten. Der Bewegungsmangel in Deutschland verursacht jedes Jahr fast drei Milliarden Euro an Gesundheitskosten. >Wer mit anderen zusammen Sport treibt, trifft Menschen, kommt ins Gespräch, knüpft soziale Kontakte, spürt Zusammenhalt. Schauen wir uns die Forschungsergebnisse noch einmal im Detail an, sticht eine Erkenntnis heraus, die erklärt, warum die aufgeführten Sportarten das Leben so beträchtlich verlängern können. Dass Sport und Bewegung gut für den Körper sind, ist durchaus bekannt und eher kein Geheimnis. Aber warum verlängern manche Sportarten das Leben so maßgeblich? Eine wichtige Antwort der Studie: Der Gemeinschafts-Faktor. Wer mit anderen zusammen Sport treibt, trifft Menschen, kommt ins Gespräch, knüpft soziale Kontakte, spürt Zusammenhalt. Die Forschung zeigt immer deutlicher, dass Gemeinschaft und soziale Kontakte bis ins hohe Alter ein entscheidender Faktor für ein längeres, glücklicheres Leben sind. Diese soziale Komponente entsteht aber nicht einfach so, sie braucht einen Rahmen: feste Trainingszeiten, ein Vereinsheim, ein Team, das einen erwartet, Verlässlichkeit und Zusammenhalt. Genau das bietet der organisierte Vereinssport wie kaum eine andere Struktur in Deutschland – und genau deshalb ist es unsere Aufgabe als Dachverband des Sports, dafür zu arbeiten, dass diese Erkenntnisse Einzug in politische Entscheidungen finden und der Sport, insbesondere der Vereinssport, angemessen gefördert wird. Wir wollen mehr Menschen in Bewegung bringen und ihnen ein gesünderes und glücklicheres Leben ermöglichen. Welche Sportart am besten zu Ihnen passt, das bleibt Ihre Entscheidung. Jede Bewegung ist besser als keine Bewegung. Wovon wir überzeugt sind, ist, dass Sport im Verein mit anderen Menschen am meisten Spaß macht – und er hält, wie die Wissenschaft zeigt, obendrein am längsten jung.