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24. Sep 2026

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Gesellschaft

KI ist ein komplexes, strategisches Thema, das systematisch und holistisch umgesetzt werden muss – Ein Beitrag von Prof. Dr. Feiyu Xu, KI-Expertin

Journalist: Katja Deutsch

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Foto: Presse

Prof. Dr. Feiyu Xu ist KI-Expertin und als solche in Aufsichts- und Verwaltungsräten von Siemens Energy, ZF und der FAZ. Worauf Unternehmen beim Einsatz von KI achten sollten – und weshalb sie mehr Chancen als Risiken sieht, erzählt sie im Interview.

Frau Prof. Xu, viele Unternehmen sind gerade dabei, KI in den beruflichen Alltag zu integrieren. Wo kommt KI im Moment schon häufig zum Einsatz? Viele Unternehmen nutzen KI-Lösungen von Anthropic, Microsoft, Google oder OpenAI heute oft für Büro- und Wissensarbeit: E-Mails werden schneller verfasst, Meetings automatisch zusammengefasst und Inhalte erstellt. Gleichzeitig steigert KI die Effizienz von Geschäfts- und Produktionsprozessen – etwa durch Dokumenten- und Vertragsanalysen, digitale Assistenten in IT und Human Resources sowie Unterstützung in der Softwareentwicklung. KI entwickelt sich jedoch zunehmend von Büroanwendungen hin zur Industrie-KI: Produktionsprozesse, Qualitätsprüfung, Lieferketten, Wartung, Engineering und Energieinfrastrukturen werden immer stärker KI-gestützt. Bei komplexen oder sensiblen Entscheidungen jedoch bleibt menschliche Erfahrung unverzichtbar. Der größte Mehrwert entsteht, wenn Mensch und KI ihre Stärken verbinden und KI Daten, Expertenwissen und die physische Welt intelligent zusammenführt.

Welche Faktoren entscheiden Ihrer Erfahrung nach, ob ein Unternehmen KI erfolgreich in bestehende Prozesse integrieren kann? Erfolgreicher Einsatz von KI erfordert eine klare Strategie mit langfristiger Roadmap, Daten als Grundlage, passenden Technologiepartnerschaften und neuen Kompetenzen in den Teams. Unternehmen sollten ein ambitioniertes Gesamtziel, ihren „North Star“, für die KI definieren und Investitionen entlang einer langfristigen, realistischen Roadmap mit klaren Meilensteinen ausrichten.

Daten sind der zentrale „Rohstoff“ für KI: Qualität, Verfügbarkeit und rechtssicherer Umgang sind entscheidend, ebenso wie die klare Rolle im Datenökosystem und deren verantwortungsvolle Nutzung. Auch technologisch ist KI komplex, deshalb sollten Unternehmen neben Eigenentwicklungen auch Partnerschaften und Plattformen nutzen. Erfolgreicher KI-Einsatz erfordert die enge Zusammenarbeit von Expert:innen und Fachbereichen sowie die kontinuierliche Messung von Mehrwert, Qualität, Sicherheit und regulatorischer Compliance anhand von KPIs und Monitoring.

Kann Deutschland seine Industrie mithilfe von KI zukunftsfähig machen? Oder sagen Sie, die deutsche Industrie ist wirklich eine Sache aus dem letzten Jahrhundert? Ich bin weniger pessimistisch, sehe aber klare Herausforderungen: Im globalen KI-Ökosystem steht die deutsche und europäische Industrie heute meist am Ende der Wertschöpfungskette. Deutschland wird voraussichtlich trotzdem viele KI-Anwendungen entwickeln und nutzen. Der eigentliche Weckruf lautet jedoch: Die USA und China kontrollieren zunehmend die zentralen Geschäftsmodelle der KI – von Basismodellen über Cloud-Infrastruktur bis hin zu Preisgestaltung, Skalierung und Innovationsgeschwindigkeit. Europa droht, KI zu importieren statt selbst zu entwickeln und zu kontrollieren. Mit einer klaren Strategie und Investitionen in Infrastruktur, Talente und eigene KI-Technologien kann Europa gegensteuern. Deutschland muss seine industrielle Stärke auch im KI-Zeitalter konsequent nutzen!

Der größte Mehrwert entsteht, wenn Mensch und KI ihre Stärken verbinden und KI Daten, Expertenwissen und die physische Welt intelligent zusammenführt.

Roman Yampolsky sagt, dass KI in wenigen Jahren 99 Prozent aller Jobs übernehmen wird. Jen-Hsun Huang, Founder und CEO von Nvidia, sagt, dass KI in den nächsten Jahren mehr Millionäre herausbringen wird als das Internet in den letzten zwei Jahrzehnten. Wie finden Sie diese beiden Aussagen? Die Vorstellung, dass 99 Prozent aller Jobs von KI übernommen werden, halte ich für übertrieben. Doch ja, KI wird unsere Gesellschaft tiefgreifend verändern: Viele Routineaufgaben werden automatisiert, gleichzeitig entstehen neue Berufe rund um KI und Robotik. Menschen, KI-Agenten und humanoide Roboter werden künftig zunehmend zusammenarbeiten. Auf diese Entwicklung sind wir jedoch gesellschaftlich und institutionell noch nicht ausreichend vorbereitet. Deshalb müssen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft die Transformation gemeinsam gestalten – denn KI ist nicht nur eine technologische, sondern vor allem eine gesellschaftliche Revolution.

Welche Kompetenzen müssen zukünftige Fachkräfte haben oder Berufstätige überhaupt, um KI effektiv, verantwortungsvoll und wertebasiert einzusetzen? In Zukunft werden wir zunehmend mit KI-Agenten und autonomen Systemen zusammenarbeiten. Dafür braucht es neben technischem Wissen vor allem Datenkompetenz, kritisches Urteilsvermögen sowie strategisches Denken, Kreativität und Kommunikation. Die Rolle des Menschen wandelt sich vom Ausführenden zum Gestalter, der Ziele und Leitplanken vorgibt. Es ist sehr wichtig, Menschen frühzeitig auf diese Zusammenarbeit vorzubereiten.

Agentic AI kann selbst KI entwickeln und mehrere KIs miteinander arbeiten lassen. Wo sehen Sie hier Vorteile und wo sollten wir unbedingt Regularien einbauen? Agentic AI ist die nächste Evolutionsstufe der KI. KI-Agenten können planen, Werkzeuge nutzen und komplexe Prozesse weitgehend autonom ausführen. Das steigert Produktivität und Innovation, erfordert aber klare Leitplanken für Governance, Sicherheit, Datenschutz und Transparenz. Der Mensch bleibt verantwortlich! Er gibt Ziele, Werte und Grenzen vor.

Fun Facts

Prof. Dr. Feiyu Xu - Trinkt am liebsten grünen Tee, die Sorte passend zur jeweiligen Tageszeit
- Braucht Yoga und Meditation, um bei der Belastung des beruflichen Alltags ausgeglichen und produktiv zu bleiben

24. Sep 2026

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Gesellschaft

Gemeinsam statt allein: Warum Vereinssport Ihr Leben verlängert – Ein Beitrag von Michaela Röhrbein, Vorständin Sportentwicklung des Deutschen Olympischen Sportbundes

Ich verrate Ihnen einen Geheimtipp, wie Sie Ihr Leben, wissenschaftlich belegt, um fast zehn Jahre verlängern können. Sie benötigen dazu keine teuren Medikamente, müssen sich keiner Operation unterziehen, nichts einfrieren lassen. Trotzdem gibt es erstaunlich wenig Menschen, die davon wissen – und noch weniger, die es tatsächlich umsetzen. Dabei ist der Tipp ganz einfach: Spielen Sie Tennis. Das zumindest sagt die dänische Copenhagen City Heart Study, eine Langzeituntersuchung über einen Zeitraum von fast 25 Jahren mit mehr als 8.000 Teilnehmenden. Die Forscher:innen untersuchten, ob Menschen, die regelmäßig Sport treiben, länger leben als solche, die das nicht tun. Die Antwort dürfte auf der Hand liegen. Spannender war deshalb die zweite Frage: Welche Sportarten sind besonders gesundheitsfördernd? Verglichen wurden unter anderem Tennis, Fußball, Joggen, Radfahren und Schwimmen. Die Ergebnisse sind erstaunlich. Menschen, die Tennis spielten, lebten im Durchschnitt fast zehn Jahre länger. Selbst wenn man andere, gewichtige Faktoren wie den sozioökonomischen Status einbezog, blieben die Ergebnisse eindeutig. Tennis verlängert das Leben. Die gute Nachricht: Alle untersuchten Sportarten haben laut Studie einen lebensverlängernden Effekt, manche mehr, manche weniger. Aus anderen Untersuchungen wissen wir außerdem etwas mindestens genauso Wichtiges. Nämlich, dass Sport und Bewegung die Lebensqualität verbessern. Das heißt, Sie leben nicht nur länger, wenn Sie regelmäßig Sport treiben, sondern auch länger gesund. Das ist ja großartig, sagen jetzt die einen. Warum handeln wir nicht danach, fragen die anderen. Die Frage ist berechtigt. Denn eigentlich hätten diese Ergebnisse, als sie vor acht Jahren erschienen sind, ein Weckruf für Politik und Gesellschaft sein müssen: Sport ist kein netter Zusatz, Sport ist lebensentscheidend, lebensverlängernd, er hält Menschen gesund und beugt Krankheit vor. Eine angemessenere Förderung von Bewegung und Sport könnte unser angeschlagenes Gesundheitssystem entlasten. Der Bewegungsmangel in Deutschland verursacht jedes Jahr fast drei Milliarden Euro an Gesundheitskosten. >Wer mit anderen zusammen Sport treibt, trifft Menschen, kommt ins Gespräch, knüpft soziale Kontakte, spürt Zusammenhalt. Schauen wir uns die Forschungsergebnisse noch einmal im Detail an, sticht eine Erkenntnis heraus, die erklärt, warum die aufgeführten Sportarten das Leben so beträchtlich verlängern können. Dass Sport und Bewegung gut für den Körper sind, ist durchaus bekannt und eher kein Geheimnis. Aber warum verlängern manche Sportarten das Leben so maßgeblich? Eine wichtige Antwort der Studie: Der Gemeinschafts-Faktor. Wer mit anderen zusammen Sport treibt, trifft Menschen, kommt ins Gespräch, knüpft soziale Kontakte, spürt Zusammenhalt. Die Forschung zeigt immer deutlicher, dass Gemeinschaft und soziale Kontakte bis ins hohe Alter ein entscheidender Faktor für ein längeres, glücklicheres Leben sind. Diese soziale Komponente entsteht aber nicht einfach so, sie braucht einen Rahmen: feste Trainingszeiten, ein Vereinsheim, ein Team, das einen erwartet, Verlässlichkeit und Zusammenhalt. Genau das bietet der organisierte Vereinssport wie kaum eine andere Struktur in Deutschland – und genau deshalb ist es unsere Aufgabe als Dachverband des Sports, dafür zu arbeiten, dass diese Erkenntnisse Einzug in politische Entscheidungen finden und der Sport, insbesondere der Vereinssport, angemessen gefördert wird. Wir wollen mehr Menschen in Bewegung bringen und ihnen ein gesünderes und glücklicheres Leben ermöglichen. Welche Sportart am besten zu Ihnen passt, das bleibt Ihre Entscheidung. Jede Bewegung ist besser als keine Bewegung. Wovon wir überzeugt sind, ist, dass Sport im Verein mit anderen Menschen am meisten Spaß macht – und er hält, wie die Wissenschaft zeigt, obendrein am längsten jung.