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4. Mär 2022

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Gesellschaft

Markus Schäfer: „Die ganze Wertschöpfungskette im Blick“

Journalist: Armin Fuhrer

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Foto: Presse

Um die Autoindustrie nachhaltig zu machen, müssen Produkte und Produktion „grün“ werden, erklärt Markus Schäfer, Mitglied des Vorstands der Mercedes Benz-Group AG.

Die Entwicklung hin zur Elektro-Mobilität ist nicht mehr zu stoppen. Begrüßen Sie das oder sehen Sie darin eine Belastung für die deutsche Autoindustrie?

Elektro-Mobilität ist der Weg in die Zukunft, daran kann kein Zweifel bestehen. Als Autobauer haben wir bei Mercedes den Anspruch, die technisch besten, begehrenswertesten und luxuriösesten Elektroautos der Welt zu entwickeln.

Welches sind denn die größten Herausforderungen auf dem Weg zum klimaneutralen Auto?

Elektroautos werden sich weltweit in unterschiedlichem Tempo durchsetzen. Autohersteller müssen in den kommenden Jahren also sehr verschiedenen Anforderungen gerecht werden. Das bedeutet einerseits große Investitionen in neue Technologien, um unseren Kunden ein attraktives Angebot zu machen. Andererseits ist es entscheidend, dass wir dabei eine angemessene Kostenstruktur erreichen.

Wie sehen Ihre Ziele aus?

Wir wollen 2030 vollelektrisch sein, wo immer das die Marktbedingungen zulassen. Ab 2025 werden alle unsere neuen Fahrzeug-Architekturen ausschließlich elektrisch sein. Unsere Kundinnen und Kunden werden dann für jedes Modell eine vollelektrische Alternative zur Auswahl haben.

Manche Autofahrer schreckt noch die Reichweite der E-Autos ab. Können Sie sie beruhigen?

In diesem Bereich hat sich zuletzt wahnsinnig viel getan. Mit unserem EQS haben wir bereits den Reichweiten-König in unserem Portfolio: Mit einer Batterie- Ladung schafft er bis zu 784 km nach WLTP. Und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Mit unserem VISION EQXX wollten wir Grenzen sprengen – wir haben ihn bis ins Detail auf Effizienz getrimmt. Das Ergebnis: Bis zu 1.000 Kilometer ohne Nachladen.

Sie haben es erwähnt, um die E-Mobilit t voranzutreiben, ist viel Innovation und Forschung nötig. Wo liegt aktuell der Fokus?

Es sind sehr große Investitionen notwendig, um das Ziel zu erreichen. Das fängt bei den neuen Elektro-Architekturen an. Ebenso sind neue Elektromotoren nötig. Wir beispielsweise investieren bis 2030 rund 40 Milliarden Euro in batterieelektrische Fahrzeuge, arbeiten an einem modularen Batteriesystem sowie der Optimierung der Elektronik zur Steuerung der Batterien, denn auch das hat Einfluss auf deren Reichweite und Lebensdauer. Ein Ziel ist es auch, die Energiedichte eröhen – und damit die Reichweite der Fahrzeuge.

Klimaneutral fahrende Autos sind nur die eine Seite. Die andere ist, sie auch klimafreundlich zu produzieren. Müssen die Herstellungsverfahren geändert werden – Stichwort „grüner Stahl“?

Tatsächlich muss man sich die gesamte Wertschöpfungskette anschauen – von der Entwicklung bis zum Recycling. Dazu gehört, gemeinsam mit den Lieferanten an einer grünen Stahl-Lieferkette zu arbeiten.

Entscheidend ist dabei, nicht einfach den CO2-Fußabdruck zu kompensieren, sondern Emissionen aktiv zu vermeiden. Übrigens gilt das natürlich auch für andere Bereiche der Lieferkette, beispielsweise Batteriezellen, Kunststoffe oder Aluminium. Das sind Aufgaben, an denen wir arbeiten.

Und wie lautet das zeitliche Ziel?

Im Rahmen unserer „Ambition 2039“ haben wir uns dazu verpflichtet, Mercedes-Benz bis 2039 klimaneutral zu machen. Unsere eigenen Werke produzieren schon ab diesem Jahr CO2-neutral.

Welche Rolle spielt die Kreislaufwirtschaft?

Das ist ein ganz wesentlicher Aspekt. Das Ziel ist, den Anteil an recycelten Materialien stetig zu erhöhen. Zum Beispiel evaluieren und planen wir gerade den Bau einer Batterierecyclingfabrik im badischen Kuppenheim.

Wie können die Zulieferer in die Umstellung eingebunden werden? Drohen Unternehmen, auf der Strecke zu bleiben?

Klar ist, dass das Thema partnerschaftlich angegangen werden muss. Es stimmt, dass die Lieferanten um das Thema CO2 nicht herumkommen – die Mercedes Benz Group hat es beispielsweise zu einem zentralen Vergabekriterium gemacht. Allerdings ziehen sehr viele Lieferanten mit und unterstützen diesen Kurs: Lieferanten, die für mehr als 90 Prozent unseres jährlichen Einkaufsvolumens stehen, haben bereits zugestimmt, dass sie uns künftig nur noch mit CO2-neutralen Produkten beliefern wollen.

23. Jun 2026

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Gesellschaft

Tiergesundheit: Ein wichtiger Schritt für mehr Tierschutz – Ein Beitrag von Judith Schönenstein, Vizepräsidentin Deutscher Tierschutzbund e. V.

Ein Haustier aufzunehmen ist eine wunderbare Entscheidung: Tiere schenken uns Gesellschaft, Freude und oft auch Trost. Sie bereichern unser Leben auf vielfältige Weise und werden für viele Menschen zu echten Familienmitgliedern. Als treue Begleiter verdienen Tiere nicht nur Liebe, Fürsorge, Pflege und eine artgerechte Haltung, sondern auch unseren Schutz. Denn Tiere haben keine Stimme und können sich nicht selbst gegen Vernachlässigung oder nicht tiergerechte Haltungsbedingungen wehren. Trotz der Verankerung des Tierschutzes als Staatsziel im Grundgesetz leiden tagtäglich zahlreiche Tiere. Der illegale Tierhandel mit zu jungen und oft kranken Hundewelpen floriert, Straßenkatzen kämpfen ohne menschliche Hilfe ums Überleben und Millionen Tiere – darunter auch Katzen und Hunde und vor allem Nager – werden jährlich in Versuchslaboren „verbraucht“. Auch bestimmte Zuchtpraktiken verursachen unnötiges Tierleid: Um bei der Zucht optische Merkmale wie Kulleraugen, kurze Schnauzen, Faltohren oder Farbvariationen im Fell zu erreichen, werden Auswirkungen auf die Tiergesundheit in Kauf genommen. Dabei ist ein Verbot solcher Qualzuchten längst im Tierschutzgesetz verankert – doch die Umsetzung bleibt unzureichend. Um den Tierschutz wirksam zu stärken, braucht es klare gesetzliche Rahmenbedingungen. Dazu zählt ein Verbot des Onlinehandels mit Tieren – denn viele Haustiere werden unüberlegt über das Internet gekauft, wo Welpen aus unseriösen Zuchten zigfach zum Kauf angeboten werden. Eine bundesweite Kastrationspflicht für Freigängerkatzen könnte die Anzahl der Straßenkatzen und damit ihr Leid verringern und – in Kombination mit einer Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Katzen und Hunde – auch überfüllte Tierheime entlasten. Das Qualzuchtverbot muss konkretisiert und erweitert werden. Und es braucht eine Strategie zum Ausstieg aus Tierversuchen. Nur, wenn wir Tiere als fühlende Lebewesen anerkennen und ihren Schutz konsequent verfolgen, können wir dem Staatsziel Tierschutz gerecht werden. Am Ende liegt es an uns allen, für das Wohl der Tiere einzutreten. >Nur, wenn wir Tiere als fühlende Lebewesen anerkennen und ihren Schutz konsequent verfolgen, können wir dem Staatsziel Tierschutz gerecht werden. Am Ende liegt es an uns allen, für das Wohl der Tiere einzutreten. Dazu gehört auch, sich umfassend zu informieren, wenn man ein Haustier aufnehmen möchte. Wer versteht, wie Tiere fühlen, was sie brauchen und wie sich Krankheiten frühzeitig erkennen lassen, leistet einen wertvollen Beitrag – für das einzelne Tier ebenso wie für das große Ziel: mehr Tierschutz, mehr Tiergesundheit, mehr Mitgefühl. Ein verpflichtender Sachkundenachweis vor der Tieranschaffung könnte helfen, Fehler aus Unwissenheit zu vermeiden. Auch die Kosten, die für Haustiere anfallen – etwa für tiermedizinische Behandlungen – sollten nicht unterschätzt werden. Routinemäßige als auch unvorhergesehene Tierarztbesuche können bisweilen tausende Euro für eine OP oder Behandlung verursachen. Es ist daher ratsam, sich rechtzeitig über eine Tierkrankenversicherung zu informieren. Wer nicht nur einem Tier in Not helfen möchte, sondern auch einen wichtigen Beitrag für den Tierschutz leisten will, sucht im Tierheim nach dem passenden tierischen Mitbewohner. Tausende Tiere warten hier auf ein neues Für-immer-Zuhause und eine zweite Chance. „Adoptieren statt kaufen“ lautet das Motto!