31. Mär 2026
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Wirtschaft
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Foto: DGAP, Presse
Deutschland als Wirtschaftsstandort steht vor erheblichen innenpolitischen und geopolitischen Herausforderungen.
Unser wirtschaftliches Erfolgsmodell steht unter Druck. Über Jahrzehnte beruhte die Stärke und Resilienz der deutschen Wirtschaft auf einer exportorientierten Industrie, offenen Märkten, eng verflochtenen globalen Lieferketten und einer regelbasierten Welthandelsordnung. In einem zunehmend fragmentierten geopolitischen Umfeld gerät dieses Modell jedoch an seine Grenzen. Internationale Konflikte, steigende Cyberbedrohungen und anfällige Lieferketten erhöhen die Risiken für wirtschaftliche Sicherheit und Wohlstand in Deutschland.
Gleichzeitig verschärfen innenpolitische Faktoren die strukturellen Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort. Die wirtschaftliche Dynamik bleibt entsprechend schwach: Der IWF prognostizierte im Januar für 2025 und 2026 ein Wachstum von lediglich 0,2 bzw. 1,1 Prozent.
Der Außenhandel ist ein wichtiger Motor der deutschen Wirtschaft. Allerdings hat sich die Wettbewerbsposition deutscher Exporteure auch aufgrund externer Probleme deutlich verschlechtert. Ein wichtiger Grund hierfür liegt in der zunehmend protektionistischen Handelspolitik vieler Partnerländer. So haben die Vereinigten Staaten eine „America First“-Handelspolitik eingeschlagen, die einseitige amerikanische Interessen – auch gegenüber Verbündeten wie der EU – durchsetzen will. Zölle sind dabei das Mittel der Wahl.
Auch China nutzt seine wirtschaftliche Größe und industrielle Kapazitäten zunehmend strategisch, um politische Ziele durchzusetzen. Für Deutschland gewinnt dabei insbesondere das Thema wachsender Handelsungleichgewichte an Bedeutung („zweiter China-Schock“). Staatliche Subventionen, industrielle Überkapazitäten und begrenzter Marktzugang für ausländische Unternehmen verschärfen den Wettbewerbsdruck auf europäische Industrien.
Diese Entwicklungen machen eine Neuausrichtung der Außenwirtschaftspolitik erforderlich. Erste Schritte sind bereits erkennbar: Die EU hat ihre handelspolitischen Schutzinstrumente geschärft, um effektiver gegen unlauteren Wettbewerb und Marktverzerrungen vorzugehen. Zugleich wächst der politische Wille, neue handelspolitische Schutzinstrumente wie das Anti-Coercion-Instrument anzuwenden, um sich gegen politischen Druck aus dem Ausland zu wehren.
Überdies müssen Deutschland und die EU in langfristige Strategien zur Verringerung der externen Abhängigkeiten investieren – insbesondere bei kritischen Rohstoffen, Halbleitern und Energie. Dazu gehört eine klug ausgerichtete Industriepolitik, die hilft, heimische Produktionskapazitäten auszubauen und Forschung sowie Innovation nachhaltig zu stärken. Ohne diese Änderungen bleiben die Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit der EU und Deutschlands anfällig für geopolitische und Marktverschiebungen.