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27. Jun 2025

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Wirtschaft

„Mehr Stellenwert“ – mit Dr. Christian Hörger, Geschäftsführer der Großbäckerei Lieken

Journalist: Armin Fuhrer

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Foto: Being Organic in EU/unsplash, Presse

Die Backbranche versorgt täglich Millionen Menschen – und stellt damit ein zentrales Element der Grundversorgung in Deutschland dar. Kaum eine andere Branche hat eine so lange Tradition und eine so große Bedeutung für unseren Alltag. Daher fordert Dr. Christian Hörger, Geschäftsführer der Großbäckerei Lieken, „mehr Wertschätzung für unser Brot.“

Foto_Lieken_CH Online.jpg Dr. Christian Hörger, Geschäftsführer der Großbäckerei Lieken

Herr Dr. Hörger, ist Ihre Branche bereit für die Zeitenwende?

Das Potenzial ist da, aber es bedarf Mut zur Veränderung. Die Produktion von qualitativ hochwertigem Brot braucht hochwertige Rohstoffe, finanzierbare Energie, moderne Anlagentechnik und vor allem Backkompetenz. Um das nachhaltig zu sichern, benötigen wir sichere internationale Handelswege, eine stabile, bezahlbare Energieversorgung, gezielte Förderprogramme für moderne, energieeffiziente Technologien und ein praxisnahes Regelwerk, das Investitionen nicht behindert, sondern beschleunigt. Zudem brauchen wir mehr Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung sowie eine Modernisierung des Mitbestimmungs- und Kündigungsrechts. Dabei stehen wir mit unseren Produkten, Werten und Visionen bereit – aber die Politik muss verlässliche Rahmenbedingungen schaffen.

Die Produktion von qualitativ hochwertigem Brot braucht hochwertige Rohstoffe, finanzierbare Energie, moderne Anlagentechnik und vor allem Backkompetenz.

Was tut Ihr Unternehmen, um Brot zukunftsfähig zu machen?

Nachhaltigkeit ist für uns kein Lippenbekenntnis. An all unseren Standorten betreiben wir ein zertifiziertes Energiemanagement nach DIN EN ISO 50001, das uns hilft, Einsparpotenziale systematisch zu erkennen. Wir investieren fortlaufend in moderne Anlagen, reduzieren den Einsatz fossiler Energien, setzen auf umweltfreundliche Verpackungen und kooperieren mit nachhaltigen Partnern. Lieken produziert so rund 500.000 Tonnen an Brot- und Backwaren unter den Marken GOLDEN TOAST und LIEKEN URKORN, aber auch einen Großteil der deutschen Handelsmarkenprodukte.

Was wünschen Sie sich vom Staat?

Brot muss wieder den Stellenwert bekommen, den es verdient. Wir brauchen mehr Anerkennung für unsere Arbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dafür ist eine echte Veränderung notwendig – auch für eine Branche, die für Versorgungssicherheit und Resilienz, aber eben auch Tradition und Fortschritt steht.

Wir brauchen mehr Anerkennung für unsere Arbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dafür ist eine echte Veränderung notwendig – auch für eine Branche, die für Versorgungssicherheit und Resilienz, aber eben auch Tradition und Fortschritt steht.

28. Jan 2026

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Wirtschaft

Flexible Aus- und Weiterbildung als Schlüssel zum Erfolg – Ein Beitrag von Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB)

Zwischen 2025 und 2029 gehen rund 5,26 Mio. Erwerbstätige in den Ruhestand. Gleichzeitig erwarten wir, dass in diesem Zeitraum nur rund 4,37 Mio. Personen aus dem Bildungssystem oder aus dem Ausland neu auf den inländischen Arbeitsmarkt kommen. Der Ersatzbedarf lässt sich mengenmäßig nicht durch dieses Neuangebot stillen. Die Zahl der Erwerbstätigen wird somit zurückgehen. Zugleich braucht Deutschland dringend Erneuerungen. In unsere Sicherheit und Infrastruktur wird viel investiert werden müssen. In den Gesundheitsberufen wird die Nachfrage steigen, und auch in der IT-Entwicklung dürfen wir nicht zurückbleiben. Um unseren Wohlstand bei einer schwindenden Zahl an Erwerbstätigen auch in den kommenden Jahren zu erhalten, müssen wir technologische Entwicklungen intelligent nutzen. So können Tätigkeiten zum einen automatisiert werden, die bislang von Menschen ausgeübt werden. Zum anderen bieten sie aber auch Raum für neue Tätigkeiten und Geschäftsmodelle. Eine jüngst veröffentlichte Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung, des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung zeigt, dass allein die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz (KI) rund 1,6 Mio. Arbeitsplätze betreffen werden. Voraussichtlich werden rund 800.000 Arbeitsplätze in den kommenden 15 Jahren wegen der Nutzung von KI entfallen, während gleichzeitig rund 800.000 neu entstehen. Dieser Strukturwandel lässt sich nicht ohne berufliche Aus- und Weiterbildung bestreiten. >Um unseren Wohlstand bei einer schwindenden Zahl an Erwerbstätigen auch in den kommenden Jahren zu erhalten, müssen wir technologische Entwicklungen intelligent nutzen. Der Digitalisierung folgt der verstärkte Einsatz von KI, der abstrakte Klimawandel wird greifbar durch Flut- und Dürrekatastrophen, die demografische Entwicklung führt zu anderen Arbeitsmodellen und längeren Arbeitsphasen. Berufliche Qualifikationen bereiten uns im besten Fall darauf vor, auf Unvorhergesehenes zu reagieren. So eröffnen die 327 Ausbildungsberufe des dualen Systems die Möglichkeit, flexibel in einer Fülle von Erwerbsberufen tätig zu werden. Voraussetzung hierfür ist, dass exemplarisch in ausreichender fachlich-methodischer Breite und Tiefe gelernt wird und die für die Transformation notwendigen Schlüsselkompetenzen vermittelt werden. Zentral sind hier Transfer- und Problemlösefähigkeit, Kreativität sowie soziale und personale Kompetenzen. Wichtig ist aber auch, Menschen ohne Ausbildung durch die Nutzung abschlussorientierter Konzepte – wie zum Beispiel Teilqualifikationen oder Validierungsverfahren – für die Herausforderungen des Arbeitsmarkts der Zukunft zu befähigen. Vor dem Hintergrund des beschleunigten Strukturwandels leistet vor allem auch die berufliche Weiterbildung einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung. Sie schafft individuelle Entwicklungsmöglichkeiten für die Beschäftigten. Deshalb müssen wir die formale Weiterbildung durch gezielte Flexibilisierung, Modularisierung und „Dualisierung“ – also die Verknüpfung von systematischem Lernen mit praktischer Anwendung am Arbeitsplatz – attraktiver gestalten und stärker mit non-formalen Angeboten verknüpfen. So kann es gelingen, möglichst viele Menschen für Weiterbildung zu gewinnen. Denn es ist arbeitsmarkt- und gesellschaftspolitisch nicht akzeptabel, große Bevölkerungsgruppen vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen zu lassen. Die Attraktivität und Individualisierung der Weiterbildungsformate sind hier entscheidend.