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14. Dez 2023

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Gesellschaft

Mit grünen Anlagen gegen den Klimawandel

Journalist: Thomas Soltau

Nachhaltige Kapitalanlagen sind populär, aber bislang ein Nischenthema. Dabei gibt es der Finanzbranche ernsthafte Bestrebungen, den Klimaschutz zu stärken.

In einem ist sich die Finanzwelt ausnahmsweise einmal einig – alle wollen die globale Wirtschaft auf einen nachhaltigeren Kurs bringen und den CO2-Ausstoß gemäß der Pariser Klima-ziele massiv reduzieren. Dazu basteln Banken an einer Produkte-Offensive mit ESG-Kriterien als Kennzeichen für nachhaltiges Investment. ESG steht für Environmental, Social und Governance. Beurteilt wird etwa wie umweltverträglich die Produktionsbedingungen eines Unternehmens sind. Aber auch die faire Bezahlung, der Ausschluss von Kinderarbeit oder der Kampf gegen Korruption spielen eine Rolle.

Selbst für die Europäische Zentralbank EZB ist die Reduktion von Treibhausgasen das zentrale Thema. Chefin Christine Lagarde möchte deshalb ein Klimazentrum einrichten. „Es ist für uns eine Möglichkeit verschiedene Expertinnen und Experten und Arbeitsansätze zusammen zu bringen. Denn der Klimaschutz hat Auswirkungen auf alle Bereiche unserer Geldpolitik. Das Zentrum bietet uns die Struktur, um das Thema mit der nötigen Eile und Entschlossenheit anzugehen“, verkündetet sie in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. Mit diesem Boost von allen Seiten steht das einstige Nischenthema nachhaltige Investments plötzlich im Rampenlicht von Anlegen-den und Großbanken.

Mehr als 335 Milliarden Euro waren laut dem Marktbericht 2021 des Forums Nachhaltige Geldanlage (FNG)* Ende 2020 in Deutschland nachhaltig angelegt. Der Bericht erfasst Investmentfonds, Mandate sowie Eigenanlagen und Kund:inneneinlagen grüner Banken, bei denen ESG-Kriterien angewendet werden. Dem FNG zufolge stieg die Gesamt-summe der ESG-Investments in diesen Anlageklassen im letzten Jahr auf einen Rekordwert von 335,3 Milliarden Euro. Das sind 25 Prozent mehr als 2019. Was sich nach viel anhört, ist aber ein Tropfen auf den heißen Stein. Lediglich 6,4 Prozent beträgt der Anteil nachhaltiger Fonds und Mandate 2020 am deutschen Gesamtfondsmarkt. 

Aber die am Marktbericht beteiligten Finanzexpertinnen und -experten prognostizieren weiteres Wachstum in diesem Jahr. Im nachhaltigen Kapitalmarkt rechnen sie mit Wachstumsraten von 15 bis über 30 Prozent. Gleiche Impulse erwarten Finanzprofis von der ESG-Präferenzabfrage, die voraussichtlich ab Mitte 2022 für Anlageberater:innen im Kund:innengespräch verpflichtend wird. Zudem wirkt das EU-Klimaschutzabkommen als Treiber: 2018 hat die Europäische Union einen Aktionsplan mit Maßnahmen vorgelegt, wie das Finanzsystem re-formiert werden kann, damit der Weg für eine nachhaltigere Wirtschaft frei ist. Im Fokus stehen Referenzwerte für CO2-arme Investitionen und ein grünes Siegel für Finanzprodukte. Unternehmen müssen zudem transparenter über ihre Geschäftspraktiken im Hinblick auf soziale und ökologische Aspekte berichten.

Ein Problem bleibt jedoch. Was konkret bedeutet nachhaltige Geldanlage? Nachhaltigkeit unterliegt keiner eindeutigen Definition – die Schwerpunkte in den Portfolios bestimmen die Anbieter von Finanzprodukten sowie die Investieren-den selbst. Ein Ansatz sind die sogenannten Ausschlüsse, bei denen Investoren durch ihre Anlage bestimmte Branchen kategorisch meiden, die bestimmte Richtlinien nicht einhalten. Dazu zählen Rüstung oder Geldwäsche, übermäßige CO2-Belastungen oder Menschenrechtsverletzungen. Der Knackpunkt: Gleichzeitig investieren Anlegende aber in Unternehmen, die eine Vorreiterrolle in Sachen Sozialstandards innehaben, deren CO2-Bilanz aber äußerst ungünstig ausfällt. Was wiederum bedeutet, dass Investitionen in die Mineralölindustrie weiterhin durch die ESG-Richtlinien erlaubt wären. 

Hier müssen schärfere und transparentere Messpunkte her, wie sie beim Impact Investing gelten. Bei dieser Form der nachhaltigen Investition geht es darum, etwas aktiv zu tun und eine sichtbare Wirkung zu erzeugen. Anlegende legen ein Wirkungsziel und eine Wirkungslogik fest und integrieren es in den gesamten Investmentprozess.

Können Finanzmärkte überhaupt eine wirkungsvolle Waffe im Kampf gegen den Klimawandel und für eine nach-haltige Finanzwelt sein? Geht es nach EZB-Chefin Christine Lagarde auf jeden Fall. „Klimawandel und Umweltschutz sollten für jede Institution im Mittelpunkt stehen“, hat Lagarde schon vor ihrem Wechsel an die Spitze der mächtigen Notenbank verkündet. In diesen Tenor stimmt auch die Bundesanstalt für Fi-nanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ein. „Als Finanzaufsicht ist es unser Auftrag, Risiken für das Finanzsystem zu erkennen und die von uns beaufsichtigten Unternehmen aufzufordern, sie angemessen zu berücksichtigen. Dafür müssen wir in der Lage sein, die Nachhaltigkeitsrisiken zu durchdringen und zu quantifizieren“, erklärte der ehemalige BaFin-Präsident Felix Hufeld bei einer Rede 2019.

Sobald ESG-Daten in hoher Qualität für alle verfügbar seien, würden sie mit der „normativen Kraft des Faktischen“ die Finanzmärkte durchdringen – und sie schließlich verändern. „Eine nachvollziehbare Taxonomie und hohe Transparenz kann stärker auf die Finanzwirtschaft einwirken als jede Regulierung“, mahnte Hufeld. Doch dann muss endlich messbar sein, ob ein Unternehmen das erhaltene Kapital auch tatsächlich dafür verwendet, um in nachhaltige Technologien zu investieren. Hier benötigt es noch viel Forschungsarbeit – nur so lassen sich Wirkungskanäle nachvollziehen. Das bestehende ESG-Rating-System ist ein erster kleiner Schritt auf dem Weg, den Klimawandel zu stoppen. Um die Klima-ziele der UN mittelfristig zu erreichen, benötigt die Finanzindustrie aber mehr messbare und transparentere Abläufe.

29. Dez 2025

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Gesellschaft

Vorsorge ab 50 – Sicherheit für Körper und Konto – Ein Beitrag von Uwe-Matthias Müller, Vorstand des Bundesverbands Initiative 50Plus Europa

Mit dem Älterwerden verändert sich nicht nur der Blick auf das Leben, sondern auch die Verantwortung für die eigene Zukunft. Menschen ab 50 stehen oft mitten im Leben – beruflich erfahren, familiär gefestigt, mit einem klareren Verständnis für das, was wirklich zählt. Gerade jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um Vorsorge zu treffen: für die Gesundheit und für die Finanzen. **Gesundheit: Früher erkennen, besser leben** Ab 50 steigt das Risiko für chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Leiden. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen und gezielt gegenzusteuern. Wer rechtzeitig handelt, kann Lebensqualität erhalten und Folgeerkrankungen vermeiden. Auch Impfungen, Zahnvorsorge und Krebsscreenings sind wichtige Bausteine. Prävention bedeutet nicht nur Kontrolle, sondern auch aktives Gestalten: Bewegung, Ernährung und mentale Gesundheit sind entscheidende Faktoren für ein vitales Altern. >Mit 50 beginnt eine Phase der Stabilität – aber auch der Weichenstellung. Wer jetzt handelt, profitiert von Zeit, Übersicht und Entscheidungsfreiheit. Vorsorge ist kein Zeichen von Angst, sondern von Verantwortung. **Finanzen: Klarheit schafft Freiheit** Finanzielle Vorsorge ist ebenso zentral. Die gesetzliche Rente allein reicht oft nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Wer frühzeitig private Altersvorsorge betreibt – sei es durch Immobilien, Versicherungen oder Fonds – schafft sich Spielraum für die Zukunft. Auch das Thema Pflege sollte nicht verdrängt werden: Eine Pflegezusatzversicherung oder ein klarer Vorsorgeplan kann im Ernstfall Entlastung bringen. Wichtig ist, regelmäßig zu prüfen: Sind alle Unterlagen aktuell? Gibt es eine Patientenverfügung oder ein Testament? Wer vorbereitet ist, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch Angehörige. **Warum jetzt?** Mit 50 beginnt eine Phase der Stabilität – aber auch der Weichenstellung. Wer jetzt handelt, profitiert von Zeit, Übersicht und Entscheidungsfreiheit. Vorsorge ist kein Zeichen von Angst, sondern von Verantwortung. Sie schafft Sicherheit, Selbstbestimmung und die Möglichkeit, das Leben auch im Alter aktiv zu gestalten. ## Fazit Vorsorge ab 50 ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Sie bedeutet, das Leben bewusst in die Hand zu nehmen – für mehr Gesundheit, finanzielle Stabilität und innere Ruhe. Wer heute vorsorgt, lebt morgen entspannter.

23. Dez 2025

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Gesellschaft

Warum es so wichtig ist, konsequent nachhaltig zu bauen – Ein Beitrag von Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand DGNB e.V.

Nachhaltiges Bauen bedeutet weit mehr als energieeffiziente Gebäude oder den Einsatz ökologischer Materialien. Es beschreibt einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem Gebäude über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg betrachtet werden: von der Planung über den Bau und die Nutzung bis hin zu Umbaumaßnahmen oder den Rückbau. Ziel ist es, Umweltbelastungen zu minimieren, Ressourcen zu schonen, Menschen gesunde und lebenswerte Räume zu bieten und gleichzeitig wirtschaftlich sinnvolle Lösungen zu schaffen. Stand heute ist der Bausektor nach wie vor für einen erheblichen Teil der globalen CO2-Emissionen, den Verbrauch natürlicher Ressourcen und den zunehmenden Verlust der Biodiversität verantwortlich. Gleichzeitig verbringen wir den Großteil unseres Lebens in geschlossenen Räumen, die unser Wohlbefinden stärken sollen, ohne dabei die Zukunft unseres Planeten zu gefährden. Zudem leben immer mehr Menschen in der Stadt. Der Bedarf an attraktiven und dazu noch klimaresilient gestalteten Freiräumen wächst. Nachhaltige Architektur bietet einen ganzheitlichen Ansatz, um die Klimakrise zu bekämpfen, soziale Gerechtigkeit zu fördern und langfristige wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten. Wie ein Perspektivwechsel in diese Richtung gelingen kann, zeigen wir noch bis zum 28. Januar 2026 mit der ersten DGNB Ausstellung „What If: A Change of Perspective“ in der Berliner Architekturgalerie Aedes. Die Ausstellung fordert Besucherinnen und Besucher dazu auf, gewohnte Denkmuster zu hinterfragen und die Themenvielfalt des nachhaltigen Bauens neu und unvoreingenommen auf sich wirken zu lassen. >Nachhaltige Architektur bietet einen ganzheitlichen Ansatz, um die Klimakrise zu bekämpfen, soziale Gerechtigkeit zu fördern und langfristige wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten. Anhand gebauter Beispiele wird deutlich, dass viele Lösungen bereits existieren. So erfährt der Besuchende anschaulich, wie Gebäude klima- und ressourcenschonend geplant werden können, indem Materialien im Kreislauf geführt, Energie effizient genutzt oder sogar erzeugt wird und der gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes berücksichtigt bleibt. Ebenso thematisiert werden Klimaanpassung und Resilienz: durch kluge Gestaltung, Begrünung und Freiräume können Gebäude und Städte besser mit Hitze, Starkregen oder Trockenperioden umgehen. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Menschen. Nachhaltiges Bauen stellt das Wohlbefinden, die Gesundheit und das soziale Miteinander in den Mittelpunkt. Architektur kann Begegnung fördern, Identität stiften und bezahlbaren Wohnraum schaffen, ohne dabei die Umwelt aus dem Blick zu verlieren. Auch der verantwortungsvolle Umgang mit bestehenden Gebäuden spielt eine zentrale Rolle. Sanieren, Umnutzen und Weiterbauen im Bestand werden als Strategien gezeigt, um Flächen zu schützen und Ressourcen zu sparen. Nicht zuletzt wird klar, dass Nachhaltigkeit keine Kostenspirale sein muss. Ganzheitlich geplante Gebäude sind oft wirtschaftlicher, weil sie langfristig Betriebskosten senken, Risiken minimieren und ihren Wert erhalten oder steigern. Nachhaltiges Bauen ist kein abstraktes Expertenthema und schon gar keine Zukunftsvision, sondern eine konkrete Chance. Für lebenswerte Städte, für gesunde Räume und für eine gebaute Umwelt, die den Herausforderungen unserer Zeit gewachsen ist. Als inhaltlich getriebener Non-Profit-Verein begreifen wir das nachhaltige Bauen seit unserer Gründung vor 18 Jahren als gesellschaftliche Aufgabe, nach der wir unser Handeln ausrichten. Mit der Ausstellung laden wir jeden einzelnen ein, genauer hinzusehen, weiterzudenken und selbst Teil des Wandels zu werden. Weitere Informationen gibt es unter www.dgnb.de/aedes