Diesen Artikel teilen:

27. Nov 2025

|

Wirtschaft

Mit Mut und Innovation zu mehr Versorgungssicherheit – Ein Beitrag von Franz-Josef Holzenkamp

|

Foto: DRV

Wenn der GPS-gesteuerte Mähdrescher autonom über das Weizenfeld fährt, die Drohne effizient im steilen Weinberg Pflanzenschutz ausbringt, der Melkroboter jede Kuh erkennt oder die vollelektrische Feldmaschine mithilfe von Künstlicher Intelligenz Unkraut entfernt, dann ist deutlich sichtbar: Landwirtschaft ist modern und zukunftsgerichtet. Eine Branche, die trotz großer Herausforderungen den Kopf nicht in den Sand steckt, sondern lösungsorientiert handelt, pragmatisch anpackt, und sich den großen Veränderungen unserer Zeit mit Entschlossenheit und unternehmerischem Mut stellt.

Und die Herausforderungen sind ohne Frage immens: Der Klimawandel und die sich verändernden gesellschaftlichen Erwartungen an die Lebensmittelproduktion fordern ein Umdenken und entschlossenes Handeln. Dies kostet Kraft, Zeit und Geld. Gleichzeitig belasten Bürokratie, hohe Betriebskosten sowie die Auswirkungen der globalen Krisen die Unternehmen in der Land- und Ernährungswirtschaft. Die Konsequenz daraus ist eine mit Händen greifende Verunsicherung und eine Investitionstätigkeit auf historischem Tiefstand. Dabei gibt es klare Signale aus der Branche, dass sie gerne wieder mehr investieren und Zukunft gestalten will. Viele stehen in den Startlöchern, benötigen jedoch Verlässlichkeit, dass die heute getätigte Investition – etwa in den Umbau eines Stalles – auch morgen noch die richtige Entscheidung war.

Umso wichtiger war es, dass die neue Bundesregierung mit dem neuen Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Alois Rainer, ein klares Bekenntnis zum Agrarstandort Deutschland und zur heimischen Tierhaltung abgegeben hat. Das macht Mut. Und es ist ein wichtiges Signal für den Erhalt eines möglichst hohen Selbstversorgungsgrads.

Die deutsche Land- und Ernährungswirtschaft steht für Innovationskraft und hohe Umwelt-, Tier- und Sozialstandards. Sie lebt aktiv Nachhaltigkeit und begreift dies als Chance. Wichtig ist, dass ihr dies keine Wettbewerbsnachteile bringt. Wer vorangeht und aktiv Lösungen für die großen Herausforderungen unserer Zeit umsetzt, darf nicht wirtschaftlich ins Hintertreffen geraten.

Für die Land- und Ernährungswirtschaft – und damit für die Versorgungssicherheit in Deutschland – haben Genossenschaften eine kaum zu überschätzende Bedeutung: Ohne sie gäbe es keine funktionierende Versorgungskette, und viele Supermarktregale blieben leer. So werden 67 Prozent der in Deutschland erzeugten Milch an Genossenschaften geliefert. Sie vermarkten 33 Prozent der lebenden Schweine und Rinder in Deutschland, durch sie geht die Hälfte des deutschen Getreides und jede zweite Pommes Frites kommt aus Genossenschaften. Auch jede zweite Flasche deutschen Weins im Lebensmitteleinzelhandel ist ein Genossenschaftswein.

Die deutsche Land- und Ernährungswirtschaft steht für Innovationskraft und hohe Umwelt-, Tier- und Sozialstandards. Sie lebt aktiv Nachhaltigkeit und begreift dies als Chance. Wichtig ist, dass ihr dies keine Wettbewerbsnachteile bringt.

Die deutsche Land- und Ernährungswirtschaft ist auf vielen Feldern erfolgreich auf dem Weg in die Zukunft. Sie ist attraktiv, systemrelevant und hat ökonomisch Perspektive. Doch sie braucht verlässliche politische Leitplanken, faire Wettbewerbsbedingungen, Innovationsfreiräume und Genossenschaften als starke Partner an ihrer Seite. Wenn ökologische und ökonomische Ziele im Einklang stehen, ist die Landwirtschaft sowohl nachhaltig als auch wettbewerbsfähig – und sie kann ihrer großen Verantwortung zur Versorgung der Bevölkerung mit gesunden und bezahlbaren Lebensmitteln gerecht werden.

23. Dez 2025

|

Gesellschaft

Warum es so wichtig ist, konsequent nachhaltig zu bauen – Ein Beitrag von Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand DGNB e.V.

Nachhaltiges Bauen bedeutet weit mehr als energieeffiziente Gebäude oder den Einsatz ökologischer Materialien. Es beschreibt einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem Gebäude über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg betrachtet werden: von der Planung über den Bau und die Nutzung bis hin zu Umbaumaßnahmen oder den Rückbau. Ziel ist es, Umweltbelastungen zu minimieren, Ressourcen zu schonen, Menschen gesunde und lebenswerte Räume zu bieten und gleichzeitig wirtschaftlich sinnvolle Lösungen zu schaffen. Stand heute ist der Bausektor nach wie vor für einen erheblichen Teil der globalen CO2-Emissionen, den Verbrauch natürlicher Ressourcen und den zunehmenden Verlust der Biodiversität verantwortlich. Gleichzeitig verbringen wir den Großteil unseres Lebens in geschlossenen Räumen, die unser Wohlbefinden stärken sollen, ohne dabei die Zukunft unseres Planeten zu gefährden. Zudem leben immer mehr Menschen in der Stadt. Der Bedarf an attraktiven und dazu noch klimaresilient gestalteten Freiräumen wächst. Nachhaltige Architektur bietet einen ganzheitlichen Ansatz, um die Klimakrise zu bekämpfen, soziale Gerechtigkeit zu fördern und langfristige wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten. Wie ein Perspektivwechsel in diese Richtung gelingen kann, zeigen wir noch bis zum 28. Januar 2026 mit der ersten DGNB Ausstellung „What If: A Change of Perspective“ in der Berliner Architekturgalerie Aedes. Die Ausstellung fordert Besucherinnen und Besucher dazu auf, gewohnte Denkmuster zu hinterfragen und die Themenvielfalt des nachhaltigen Bauens neu und unvoreingenommen auf sich wirken zu lassen. >Nachhaltige Architektur bietet einen ganzheitlichen Ansatz, um die Klimakrise zu bekämpfen, soziale Gerechtigkeit zu fördern und langfristige wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten. Anhand gebauter Beispiele wird deutlich, dass viele Lösungen bereits existieren. So erfährt der Besuchende anschaulich, wie Gebäude klima- und ressourcenschonend geplant werden können, indem Materialien im Kreislauf geführt, Energie effizient genutzt oder sogar erzeugt wird und der gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes berücksichtigt bleibt. Ebenso thematisiert werden Klimaanpassung und Resilienz: durch kluge Gestaltung, Begrünung und Freiräume können Gebäude und Städte besser mit Hitze, Starkregen oder Trockenperioden umgehen. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Menschen. Nachhaltiges Bauen stellt das Wohlbefinden, die Gesundheit und das soziale Miteinander in den Mittelpunkt. Architektur kann Begegnung fördern, Identität stiften und bezahlbaren Wohnraum schaffen, ohne dabei die Umwelt aus dem Blick zu verlieren. Auch der verantwortungsvolle Umgang mit bestehenden Gebäuden spielt eine zentrale Rolle. Sanieren, Umnutzen und Weiterbauen im Bestand werden als Strategien gezeigt, um Flächen zu schützen und Ressourcen zu sparen. Nicht zuletzt wird klar, dass Nachhaltigkeit keine Kostenspirale sein muss. Ganzheitlich geplante Gebäude sind oft wirtschaftlicher, weil sie langfristig Betriebskosten senken, Risiken minimieren und ihren Wert erhalten oder steigern. Nachhaltiges Bauen ist kein abstraktes Expertenthema und schon gar keine Zukunftsvision, sondern eine konkrete Chance. Für lebenswerte Städte, für gesunde Räume und für eine gebaute Umwelt, die den Herausforderungen unserer Zeit gewachsen ist. Als inhaltlich getriebener Non-Profit-Verein begreifen wir das nachhaltige Bauen seit unserer Gründung vor 18 Jahren als gesellschaftliche Aufgabe, nach der wir unser Handeln ausrichten. Mit der Ausstellung laden wir jeden einzelnen ein, genauer hinzusehen, weiterzudenken und selbst Teil des Wandels zu werden. Weitere Informationen gibt es unter www.dgnb.de/aedes