29. Jan 2026
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Gesundheit
Journalist: Julia Butz
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Foto: Presse, Cphotos/unsplash
Beeinflussen Mikronährstoffe auch unser seelisches Wohlbefinden? Im Gespräch mit Arzt und Medfluencer Dr. med. Dr. rer. pol. Tobias Weigl.

Dr. Dr. Tobias Weigl, Arzt & Medfluencer
Ein Mangel an Vitamin D wird oft mit depressiven Stimmungen in Verbindung gebracht, B-Vitamine sind an der Bildung von Glückshormonen wie Serotonin beteiligt, Magnesium soll zum Stressabbau beitragen.
Herr Dr. Weigl, ist es richtig, dass Mikronährstoffe unser seelisches Wohlbefinden beeinflussen? Ja, Eisenmangel zum Beispiel macht viele Menschen müde und antriebslos, das drückt schnell auf die Stimmung. Ein zu niedriger Vitamin-B12-Spiegel kann unter anderem zu Erschöpfung, Konzentrationsproblemen und depressiver Stimmung beitragen. Auch zu wenig Vitamin D und Magnesium können die Stressanfälligkeit erhöhen und Schlafprobleme begünstigen. Solche Mängel bleiben im Alltag leicht unbemerkt, es gibt ja genug andere Faktoren, die uns stressen und belasten können, ob Job, Kinderbetreuung, Haushalt, etc. Wichtig ist: Ein Mangel an bestimmten Nährstoffen kann psychische Belastungen verstärken – es ist aber fast nie die einzige Ursache und man sollte den Blick auf das große Ganze nicht verlieren: Gibt es eine Vorgeschichte mit psychischen Belastungen, gibt es andere Erkrankungen oder starke Belastungen wie z. B. die Pflege Angehöriger?
Ein Mangel an bestimmten Nährstoffen kann psychische Belastungen verstärken.
Wie können Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll in die Förderung der mentalen Gesundheit integriert werden? Ich würde Nahrungsergänzungsmittel immer nur als gezielte Ergänzung sehen. Sinnvoll sind sie vor allem dann, wenn ein Mangel nachgewiesen ist, zum Beispiel bei Vitamin B12, Vitamin D oder Magnesium. In solchen Fällen kann ein passendes Präparat Müdigkeit, schlechte Stimmung oder Stressanfälligkeit vielleicht abmildern. Wer sich wegen seiner Nährstoffversorgung unsicher ist, sollte Bluttests machen und dann ganz gezielt supplementieren. Pflanzliche Mittel wie Ashwagandha oder Rhodiola können kleine Helferlein bei akuten Beschwerden sein, aber sind keine Dauerlösung. Kein Nahrungsergänzungsmittel ersetzt eine Psychotherapie, Medikamente oder eine Veränderung im eigenen Lebensstil.
Worauf sollten Verbraucher achten, um im großen Supplement-Markt, die Produkte zu finden, die wirklich zu den eigenen Bedürfnissen passen? Ich würde mich zuerst fragen: Brauche ich dieses Präparat wirklich? Habe ich einen nachgewiesenen Mangel, eine besondere Lebenssituation oder eine Ernährungsweise, bei der eine Ergänzung sinnvoll oder sogar nötig ist? Beim Produkt selbst sollten Sie zunächst die Herkunft prüfen und ob eine Registrierung des Anbieters bei den Lebensmittelbehörden besteht. Dann die Inhaltsstoffe genau lesen, auf mögliche Allergien und Wechselwirkungen achten und die Dosis mit offiziellen Empfehlungen vergleichen, wie sie z. B. das BfR*, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung oder die EFSA* ausgeben. Das ist wichtig, da viele Präparate zu hoch dosiert sind. Auch würde ich nicht nur auf Empfehlung einzelner hören, sondern auf Gütesiegel achten und auf die Qualitätschecks der Verbraucherzentrale oder Stiftung Warentest schauen.
Beim Produkt selbst sollten Sie zunächst die Herkunft prüfen und ob eine Registrierung des Anbieters bei den Lebensmittelbehörden besteht.