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31. Mär 2021

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Gesellschaft

Neue Lernansätze für den digitalen Unterricht werden gebraucht

Journalist: Katja Deutsch

Millionen Kinder und Jugendliche werden seit einem Jahr ganz oder teilweise per Homeschooling unterrichtet. Was hat sich seitdem getan, was muss besser werden? Dorothee Bär MdB, Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung, spricht über Erfolge und Herausforderungen beim Unterricht ohne Anwesenheit.

Wie hat sich der Online-Unterricht in den Schulen verändert? Zu Beginn der Pandemie waren die Schwierigkeiten ja riesig.

Im vergangenen Jahr hat sich bei der digitalen Bildung mehr getan als in den Jahrzehnten zuvor. Das war auch dringend nötig. Vieles, was vorher undenkbar war, findet heute statt. Der Bund engagiert sich in Sachen Bildung u.a. durch den Digitalpakt Schule mit 6,5 Milliarden Euro für die Digitalisierung an den Schulen. Die Mittel kommen jetzt auch immer stärker in den Schulen an und werden zum Aufbau einer digitalen Infrastruktur, für Endgeräte für Schülerinnen und Schüler oder für Lehrkräfte verwendet.

Warum haben es viele Schulen jahrelang versäumt, Mittel aus der dazu bereitgestellten Förderung abzurufen, um sich digital gut aufzustellen?

Die Beharrungskräfte waren sehr groß und der Nutzen des digitalen Lernens wurde in der Vergangenheit zu wenig gesehen. Viele werden nostalgisch, wenn sie an Schule denken. Da erinnert man sich an die eigene Schulzeit und sieht Tafeln mit Kreide vor sich. Ich kenne Eltern, die erfreuen sich daran, dass die Kinder die gleichen Arbeitsblätter bearbeiten wie sie in ihrer eigenen Schulzeit. Das ist natürlich fatal. Es geht nicht darum, dass Bildung in erster Linie digitaler, sondern besser wird. Und lebensnaher. Unterrichtsstoff wird zudem erlebbarer, das Lernen auch interaktiver, sei es mithilfe von Lernapps oder serios games. Digitale Hilfsmittel bieten auch mehr Raum für individuelle Förderung und Lernfortschritte.

Welche Plattform hat sich bewährt? Gibt es einen Überblick darüber, was wo verwendet wird und wie gut sich damit arbeiten lässt?

In einigen Ländern gab es ja zu Beginn der ersten Schulschließungen im vergangenen Jahr noch keine Bildungsplattform, die die Schulen nutzen konnten. Deshalb hat der Bund die HPI-Plattform gleich zu Beginn der Pandemie für diejenigen Schulen zur Verfügung gestellt, die keine landeseigenen Angebote nutzen konnten. Vor der Pandemie hatte das Bundesbildungsministerium die HPI-Schulcloud in der Pilotphase gefördert. Die Schulcloud konnte dann rasch ausgerollt werden. Vor den Schulschließungen haben von nur etwa 180 Schulen die Cloud genutzt. Anfang Oktober waren es schon 3.400 Schulen mit mehr als 1 Mio. registrierten Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften. Momentan entwickeln wir einen Nationalen Bildungsraum als eine Art Meta-Plattform, um bestehende und neue digitale Bildungsplattformen zu einem bundesweiten und europäisch anschlussfähigen Plattform-System verknüpfen. Mit Lernplattformen lassen sichUnterrichts- und Lernzeiten effektiv nutzen, sofern wir dazu leistungsfähige und datenschutzkornforme Tools anbieten.

Wie kann man Grundschulkinder am Rechner aus der Ferne unterrichten?

Digitaler Unterricht ist für Grundschulkinder nicht ideal. Vor allem junge Kinder brauchen viel direkten Kontakt im Klassenraum. Aber auch die bereits erwähnten Gamification-Elemente können helfen. Das Erlernen sozialer Kompetenzen ist ein elementarer Teil der Ausbildung, das soziale Miteinander ist im digitalen Raum anders als physisch vor Ort. In einer Notsituation wie dieser ist Fernunterricht natürlich unumgänglich, aber ich finde nicht, dass sich das für Grundschulkinder verstetigen sollte. 

Mit Blick auf alle Schulformen lässt sich sagen, dass es selbst innerhalb der-selben Klassenstufen ein- und derselben Schule sehr unterschiedlich läuft, je nachdem, ob Lehrerinnen und Lehrer Freude an neuen Lernmethoden und neuer Technik haben oder eben nicht. Auch die Eltern spielen eine große Rolle.

Ab welchem Alter kommen Kinder einigermaßen mit dem eigenständigen Lernen/Selbstorganisation klar?

So mit 12 Jahren macht es Sinn, dass Digitalunterricht bei bestimmten Projekten und Themen zum Standard wird. Jugendliche lernen dadurch, sich selbstständig die Zeit einzuteilen und ihr Lernmanagement zu organisieren – eine gute Vorbereitung auf die Arbeitswelt.

Damit die Schülerinnen und Schüler nicht nur vor dem PC sitzen, sollten Eltern feste Zeiten vereinbaren und diese auch kontrollieren. Und wenn es gar nicht geht, muss das Spazierengehen oder Fußballspielen draußen eben eingefordert werden. Das wird ja zum Glück mit den jetzt steigenden Temperaturen auch wieder leichter. Sonne ist für uns alle motivationsfördernd. 

Welche Schritte sind nötig, um E-Learning im Schulunterricht zu verbessern und so für weitere Katastrophen gewappnet zu sein?

Der Unterricht könnte auf absehbare Zeit aus einer Mischung von Präsenzunterricht und digitalem Lernen von Zuhause aus bestehen. Dafür brauchen wir dringend neue Lernansätze, denn stundelange Videokonferenzen sind für Kinder ermüdend. Für uns Erwachsene ja auch.

Es braucht zudem eine Art Gütesiegel, was in Deutschland datenschutzrechtlich unbedenklich ist. Wir müssen die Zuständigkeiten der vielen Datenschutz-beauftragten bündeln, so dass es hier bundesweit nur einen Ansprechpartner gibt und nicht für jedes Bundesland einen. Wir brauchen eine „White List“ mit geprüften Anwendungen, aus der die Schulen dann direkt auswählen und über Schnittstellen die Apps dann auch direkt herunterladen können.

23. Jun 2026

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Gesellschaft

Tiergesundheit: Ein wichtiger Schritt für mehr Tierschutz – Ein Beitrag von Judith Schönenstein, Vizepräsidentin Deutscher Tierschutzbund e. V.

Ein Haustier aufzunehmen ist eine wunderbare Entscheidung: Tiere schenken uns Gesellschaft, Freude und oft auch Trost. Sie bereichern unser Leben auf vielfältige Weise und werden für viele Menschen zu echten Familienmitgliedern. Als treue Begleiter verdienen Tiere nicht nur Liebe, Fürsorge, Pflege und eine artgerechte Haltung, sondern auch unseren Schutz. Denn Tiere haben keine Stimme und können sich nicht selbst gegen Vernachlässigung oder nicht tiergerechte Haltungsbedingungen wehren. Trotz der Verankerung des Tierschutzes als Staatsziel im Grundgesetz leiden tagtäglich zahlreiche Tiere. Der illegale Tierhandel mit zu jungen und oft kranken Hundewelpen floriert, Straßenkatzen kämpfen ohne menschliche Hilfe ums Überleben und Millionen Tiere – darunter auch Katzen und Hunde und vor allem Nager – werden jährlich in Versuchslaboren „verbraucht“. Auch bestimmte Zuchtpraktiken verursachen unnötiges Tierleid: Um bei der Zucht optische Merkmale wie Kulleraugen, kurze Schnauzen, Faltohren oder Farbvariationen im Fell zu erreichen, werden Auswirkungen auf die Tiergesundheit in Kauf genommen. Dabei ist ein Verbot solcher Qualzuchten längst im Tierschutzgesetz verankert – doch die Umsetzung bleibt unzureichend. Um den Tierschutz wirksam zu stärken, braucht es klare gesetzliche Rahmenbedingungen. Dazu zählt ein Verbot des Onlinehandels mit Tieren – denn viele Haustiere werden unüberlegt über das Internet gekauft, wo Welpen aus unseriösen Zuchten zigfach zum Kauf angeboten werden. Eine bundesweite Kastrationspflicht für Freigängerkatzen könnte die Anzahl der Straßenkatzen und damit ihr Leid verringern und – in Kombination mit einer Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Katzen und Hunde – auch überfüllte Tierheime entlasten. Das Qualzuchtverbot muss konkretisiert und erweitert werden. Und es braucht eine Strategie zum Ausstieg aus Tierversuchen. Nur, wenn wir Tiere als fühlende Lebewesen anerkennen und ihren Schutz konsequent verfolgen, können wir dem Staatsziel Tierschutz gerecht werden. Am Ende liegt es an uns allen, für das Wohl der Tiere einzutreten. >Nur, wenn wir Tiere als fühlende Lebewesen anerkennen und ihren Schutz konsequent verfolgen, können wir dem Staatsziel Tierschutz gerecht werden. Am Ende liegt es an uns allen, für das Wohl der Tiere einzutreten. Dazu gehört auch, sich umfassend zu informieren, wenn man ein Haustier aufnehmen möchte. Wer versteht, wie Tiere fühlen, was sie brauchen und wie sich Krankheiten frühzeitig erkennen lassen, leistet einen wertvollen Beitrag – für das einzelne Tier ebenso wie für das große Ziel: mehr Tierschutz, mehr Tiergesundheit, mehr Mitgefühl. Ein verpflichtender Sachkundenachweis vor der Tieranschaffung könnte helfen, Fehler aus Unwissenheit zu vermeiden. Auch die Kosten, die für Haustiere anfallen – etwa für tiermedizinische Behandlungen – sollten nicht unterschätzt werden. Routinemäßige als auch unvorhergesehene Tierarztbesuche können bisweilen tausende Euro für eine OP oder Behandlung verursachen. Es ist daher ratsam, sich rechtzeitig über eine Tierkrankenversicherung zu informieren. Wer nicht nur einem Tier in Not helfen möchte, sondern auch einen wichtigen Beitrag für den Tierschutz leisten will, sucht im Tierheim nach dem passenden tierischen Mitbewohner. Tausende Tiere warten hier auf ein neues Für-immer-Zuhause und eine zweite Chance. „Adoptieren statt kaufen“ lautet das Motto!