Diesen Artikel teilen:

24. Jun 2026

|

Gesundheit

Nicht aufhören, zu hoffen – mit Renata Lusin, Profitänzerin & Tanzsporttrainerin

Journalist: Kirsten Schwieger

|

Foto: Presse

Nach drei Fehlgeburten freut sich Profitänzerin Renata Lusin nun über eine Schwester für Töchterchen Stella. Welchen Anteil ihre Community und ihr positives Mindset daran haben, verrät sie im Interview.

Bist du entspannter als vor der Geburt deiner ersten Tochter? Ja, nachdem ich die 13. Woche überstanden hatte, war ich tatsächlich viel entspannter als bei meiner ersten Schwangerschaft. Ich wusste, mein Körper hat es schon einmal geschafft und wird es wieder schaffen. Während meiner ersten Schwangerschaft war ich sehr unentspannt und hatte Angst, Sport zu machen.

Wie war die zweite Schwangerschaft und wie hat sich diese auf dein Fehlgeburten-Trauma ausgewirkt? Körperlich verliefen beide Schwangerschaften unproblematisch, obwohl ich wieder Granocyte spritzen musste. Ich war fit und hatte nie Übelkeit. Psychisch ging es mir dieses Mal, wie gesagt, viel besser. Das Trauma hat sich auf jeden Fall gebessert, obwohl es natürlich immer ein Teil von einem bleiben wird. Wobei ich es vielleicht nicht Trauma nennen würde. Natürlich habe ich seinerzeit extrem gelitten, war dann aber wiederum sehr erleichtert und dankbar, als die Ursache gefunden wurde. Ich bin ein sehr positiver Mensch.

Welche Rolle spielen emotionale Unterstützung und Trauer nach einer Fehlgeburt? Emotionaler Support ist total wichtig. Obwohl Valentin nach den Fehlgeburten auch sehr traurig war, hat er immer Zuversicht und Stärke ausgestrahlt und war eine große emotionale Stütze für mich. Die Verarbeitung von Trauer ist wahrscheinlich Typ-bedingt. Mir hat es sehr geholfen, ins Tun zu kommen – ich habe wie eine Wilde recherchiert. Und mich ablenken lassen durch Valentins Teilnahme bei Let`s Dance.

Ich habe den Eindruck, dass Fehlgeburten in vielen Bevölkerungsgruppen immer noch ein Tabu-Thema sind. Aber durch Social Media ändert sich das zum Glück gerade langsam.

Warum hast du dein Leid öffentlich gemacht und welche Folgen hatte dies? Ehrlich gesagt war das eher Zufall. Ich hatte die Schwangerschaft seinerzeit schon in der sechsten Woche kommuniziert, um meine Absage bei Let`s Dance zu begründen. Als ich das Baby dann verloren habe, wollte ich nicht lügen. Im Nachhinein hat sich das als Glücksfall erwiesen. Denn durch das ganze Wissen meiner Community bin ich der Ursache für die Fehlgeburten auf die Sprünge gekommen und auf eine tolle Klinik gestoßen. Aber mindestens genauso gut und hilfreich war die Anteilnahme und der Trost, den meine wachsende Community mir gespendet haben. Da erst wurde mir klar, wie viele Frauen ein ähnliches Schicksal erleiden und wie wichtig und heilsam es ist, darüber zu sprechen und sich auszutauschen.

Wie ist der gesellschaftliche Umgang mit Fehlgeburten? Ich habe den Eindruck, dass Fehlgeburten in vielen Bevölkerungsgruppen immer noch ein Tabu-Thema sind. Aber durch Social Media ändert sich das zum Glück gerade langsam. Ich denke, es ist wichtig, offen mit diesem Thema umzugehen und einen bewussteren Umgang mit allen damit verbundenen Gefühlen und Entscheidungen zu finden. Auch der Wissensaufbau ist wichtig, um Schuldgefühle abzubauen oder – wie in meinem Fall – sogar erfolgreiche Schwangerschaften zu ermöglichen.

Was rätst du Betroffenen? Seid positiv und gebt nicht auf. Seid mutig und kümmert euch nicht darum, wenn andere euch kritisieren.

25. Jun 2026

|

Gesundheit

Mit Datennutzung und Innovationen zur Smarten Gesundheitsversorgung –Ein Beitrag von Dr. Marc-Pierre Möll, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied BVMed – Bundesverband Medizintechnologie

Denn moderne Medizintechnik liefert genau das, was eine smarte Gesundheitsversorgung braucht: Kontinuierlich verfügbare Daten, intelligente Vernetzung und KI-gestützte Lösungen, die neue Versorgungswege ermöglichen. Unser Problem in Deutschland ist: sektorale Strukturen, tradierte Vergütungssysteme und uneinheitliche Vorgaben bremsen die digitale Transformation bislang aus. Was muss getan werden? Wir müssen Daten besser verfügbar machen. Wir müssen internationale Standards für Datenformate und -sicherheit verwenden. Wir müssen digitale Versorgung besser etablieren. Wir müssen digitale Versorgungspfade umsetzen. Die Nutzung von Daten ist das Kernelement, das digitale Versorgung in allen Sektoren und Situationen kennzeichnet. Dabei kann die Nutzung der Daten sehr verschieden gestaltet sein. Beispiele sind: - die Steuerung von Patientenpfaden anhand von aktuellen Daten und Informationen aus der Patientenhistorie, - das permanente Monitoring des Gesundheitszustandes anhand von kontinuierlich erhobenen Daten aus Sensoren oder anderen Messgeräten, - das situationsbezogene Management anhand von Alarmen bzw. Meldungen, - die Nutzung von Daten für die Weiterentwicklung von Produkten und Services sowie für Training, Validierung und Einsatz von KI, - die Nutzung von Daten für Digital Twin-Ansätze oder - die Nutzung von Daten für Training, Schulung, Weiterbildung. Wichtig ist, dass die erforderlichen Daten in der Versorgung zur richtigen Zeit und am richtigen Ort verfügbar sind, ein nutzbares Format haben oder über eine Schnittstelle genutzt werden können und die Rahmenbedingungen für die Datennutzung klar sind. **Aus Sicht der MedTech-Branche fordern wir:** - In einem neuen Primärversorgungssystem sollte die digitale Ersteinschätzung so entwickelt werden, dass künftig auch Echtzeitdaten für eine valide Ersteinschätzung genutzt werden können. - Für „Digital Twin-Technologien“ sollten pseudonymisierte Behandlungsdaten nutzbar gemacht werden. Denn Simulationen anhand von vorhandenem Bildmaterial können invasive Diagnostik verhindern oder Therapieschritte vorbereiten. - Das Einwilligungsmanagement zur Datennutzung im Behandlungsablauf sollte bundesweit vereinheitlicht werden und auf einer einheitlichen Interpretation der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) basieren. - Für die Verbesserung von Produkten und Services braucht die Industrie Zugang zu Gesundheitsdaten und teilt selbst auch ihre Daten. Dabei sind allerdings IP-Rechte zu beachten, gerade bei Medizinprodukten. - Unser Appell: Smarte Gesundheitsversorgung entsteht nicht durch einzelne Innovationen, sondern durch das Zusammenspiel von Daten, Vernetzung und KI. Die Zukunft der Versorgung ist möglich – jetzt muss das System folgen. ## Zum Autor: Dr. Marc-Pierre Möll ist seit April 2019 Geschäftsführer des Bundesverbandes Medizintechnologie e. V. in Berlin sowie Geschäftsführer der BVMed-Akademie. Er ist zudem Mitglied des BVMed-Vorstands.