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11. Dez 2023

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Gesellschaft

„Nur wenige können ein Unternehmen führen“

Journalist: Armin Fuhrer

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Foto: Presse

Fleiß, Disziplin und Durchhaltevermögen gehören zu den wichtigsten Eigenschaften für Gründer, erklärt Experte Tomislav Primorac alias immo.tommy.

Herr Primorac, ein Unternehmen zu gründen ist mehr als nur ein bloßer geschäftlicher Vorgang. Welche Eigenschaften muss ein Gründer oder eine Gründerin mitbringen, um erfolgreich zu sein?

Ein Gewerbe anmelden kann jeder. Ein Unternehmen führen können dagegen nur ganz wenige Menschen. Um ein Unternehmen erfolgreich zu führen, gehören Fleiß, Disziplin, Durchhaltevermögen und viel Geduld dazu, denn es gibt viele Momente, in denen du kurz davor bist, das Handtuch zu werfen oder Tage, an denen du Gefahr läufst, die Nerven zu verlieren. Das Gefühl, das nicht mehr zu auszuhalten und diesem Druck standhalten zu können, können nur sehr wenige Menschen ertragen.

 

Wir durchleben in Deutschland gerade aus mehreren Gründen wirtschaftlich schwierige Zeiten. Sollte man mit dem Gründen also besser warten?

Wir erleben in Deutschland gerade diese wirtschaftlich schwierigen Zeiten, da wir an sehr vielen hausgemachten Problemen leiden, die wir selbst verursacht haben und die nicht auf natürlichem Wege entstanden sind.

Nach wie vor lohnt es sich aber, ein Unternehmen zu gründen, wenn das Geschäftsmodell passt und es gut durchdacht ist.

Wichtig ist natürlich, dass du nicht aus einer Laune heraus ein Unternehmen gründen möchtest, denn das lohnt sich ganz gewiss zu keinem Zeitpunkt, egal wie gut oder wie schlecht es gerade um die Wirtschaft steht.

 

Sie engagieren sich neuerdings für die Founder‘s League. Was ist die Aufgabe dieser Plattform und wie unterstützt sie Gründungen und junge Unternehmen?

Ich engagiere mich nicht nur für die Founder‘s League, sondern tue noch mehr. Ich investiere in die Founder‘s League und bin so gesehen also Gesellschafter. Ich finde das Format sehr gut, um jungen Gründerinnen und Gründern die Möglichkeit zu geben, auf einer Plattform sich und ihr Geschäftsmodell präsentieren zu können. Aber das geschieht auf einem realen Weg und nicht nur vor einem Publikum, bei Shows und Streams, bei denen lediglich Investments vor Ort in Form eines 10.000-Euro-Checks zu Stande kommen. Wir bieten Gründerinnen und Gründern dagegen die Möglichkeit, einen passenden Investor, einen strategischen Partner für sich und ihre Unternehmung zu finden. 

 

Sie sind Experte für Finanzanlagen. Was raten Sie jungen Anlegern derzeit – auch solchen, die sich vielleicht eine erste Basis für ein Unternehmen schaffen wollen?

Ich rate jungen Menschen in erster Linie, ihre Finanzen in den in den Griff zu bekommen. Das gilt vor allem für ihren Konsum – man darf sich von diesem nicht beherrschen lassen. Sie sollten monatlich Geld zur Seite schaffen, um dieses gewinnbringend anzulegen. Ob das ETF, Einzelaktien oder Immobilien sind, ist in erster Linie völlig gleichgültig. Das Investment muss jeweils individuell zu dir und deinem Typ passen. Durch dieses gewonnene Kapital hast du die nötigen liquiden Mittel, um später eventuell auch ein Unternehmen zu gründen.

28. Jan 2026

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Wirtschaft

Flexible Aus- und Weiterbildung als Schlüssel zum Erfolg – Ein Beitrag von Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB)

Zwischen 2025 und 2029 gehen rund 5,26 Mio. Erwerbstätige in den Ruhestand. Gleichzeitig erwarten wir, dass in diesem Zeitraum nur rund 4,37 Mio. Personen aus dem Bildungssystem oder aus dem Ausland neu auf den inländischen Arbeitsmarkt kommen. Der Ersatzbedarf lässt sich mengenmäßig nicht durch dieses Neuangebot stillen. Die Zahl der Erwerbstätigen wird somit zurückgehen. Zugleich braucht Deutschland dringend Erneuerungen. In unsere Sicherheit und Infrastruktur wird viel investiert werden müssen. In den Gesundheitsberufen wird die Nachfrage steigen, und auch in der IT-Entwicklung dürfen wir nicht zurückbleiben. Um unseren Wohlstand bei einer schwindenden Zahl an Erwerbstätigen auch in den kommenden Jahren zu erhalten, müssen wir technologische Entwicklungen intelligent nutzen. So können Tätigkeiten zum einen automatisiert werden, die bislang von Menschen ausgeübt werden. Zum anderen bieten sie aber auch Raum für neue Tätigkeiten und Geschäftsmodelle. Eine jüngst veröffentlichte Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung, des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung zeigt, dass allein die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz (KI) rund 1,6 Mio. Arbeitsplätze betreffen werden. Voraussichtlich werden rund 800.000 Arbeitsplätze in den kommenden 15 Jahren wegen der Nutzung von KI entfallen, während gleichzeitig rund 800.000 neu entstehen. Dieser Strukturwandel lässt sich nicht ohne berufliche Aus- und Weiterbildung bestreiten. >Um unseren Wohlstand bei einer schwindenden Zahl an Erwerbstätigen auch in den kommenden Jahren zu erhalten, müssen wir technologische Entwicklungen intelligent nutzen. Der Digitalisierung folgt der verstärkte Einsatz von KI, der abstrakte Klimawandel wird greifbar durch Flut- und Dürrekatastrophen, die demografische Entwicklung führt zu anderen Arbeitsmodellen und längeren Arbeitsphasen. Berufliche Qualifikationen bereiten uns im besten Fall darauf vor, auf Unvorhergesehenes zu reagieren. So eröffnen die 327 Ausbildungsberufe des dualen Systems die Möglichkeit, flexibel in einer Fülle von Erwerbsberufen tätig zu werden. Voraussetzung hierfür ist, dass exemplarisch in ausreichender fachlich-methodischer Breite und Tiefe gelernt wird und die für die Transformation notwendigen Schlüsselkompetenzen vermittelt werden. Zentral sind hier Transfer- und Problemlösefähigkeit, Kreativität sowie soziale und personale Kompetenzen. Wichtig ist aber auch, Menschen ohne Ausbildung durch die Nutzung abschlussorientierter Konzepte – wie zum Beispiel Teilqualifikationen oder Validierungsverfahren – für die Herausforderungen des Arbeitsmarkts der Zukunft zu befähigen. Vor dem Hintergrund des beschleunigten Strukturwandels leistet vor allem auch die berufliche Weiterbildung einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung. Sie schafft individuelle Entwicklungsmöglichkeiten für die Beschäftigten. Deshalb müssen wir die formale Weiterbildung durch gezielte Flexibilisierung, Modularisierung und „Dualisierung“ – also die Verknüpfung von systematischem Lernen mit praktischer Anwendung am Arbeitsplatz – attraktiver gestalten und stärker mit non-formalen Angeboten verknüpfen. So kann es gelingen, möglichst viele Menschen für Weiterbildung zu gewinnen. Denn es ist arbeitsmarkt- und gesellschaftspolitisch nicht akzeptabel, große Bevölkerungsgruppen vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen zu lassen. Die Attraktivität und Individualisierung der Weiterbildungsformate sind hier entscheidend.