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2. Apr 2026

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Wirtschaft

Österreichs KI-Sektor: Zwischen radikalem Umbau und neuen Chancen – Ein Beitrag von Clemens Wasner, Vorstandsvorsitzender AI Austria

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Foto: Clemens Wasner

Es herrscht Aufbruchstimmung in der österreichischen Tech-Szene, doch es ist eine andere als noch vor wenigen Jahren. Wir befinden uns mitten in einem technologischen „Reset“. Die Ära, in der Künstliche Intelligenz (KI) ein exklusives Werkzeug für Spezialisten war, ist vorbei. In den letzten zwölf Monaten hat die Demokratisierung der Softwareentwicklung durch Konzepte wie „Vibecoding“ dazu geführt, dass Ideen schneller als je zuvor in funktionale Anwendungen gegossen werden können. Für den Standort Österreich bedeutet das: Die Karten werden neu gemischt.

Die Selbstreinigung des Ökosystems Abseits der großen Schlagzeilen hat der heimische Privatsektor eine harte, aber notwendige Selbstreinigung vollzogen. Während ältere Geschäftsmodelle, die noch auf der „Pre-Chat GPT-Welt" basierten, zunehmend unter Druck geraten, drängen dynamische Neuzugänge nach. Der Trend geht weg von massiver Fremdfinanzierung hin zu „Bootstrapping“, dem Aufbau von Unternehmen aus eigener Kraft. Kleine, effiziente Teams nutzen heute die rasant gestiegene Leistung von KI-Modellen, um Aufgaben zu bewältigen, für die früher ganze Abteilungen nötig waren. Dieser Wandel zwingt auch etablierte Unternehmen dazu, sich als „AI-First“-Organisationen völlig neu zu erfinden, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Österreichs Stärken: Domänenwissen statt Größenwahn Österreich wird vermutlich nicht das nächste globale Sprachmodell bauen, das mit den Giganten aus dem Silicon Valley konkurriert. Doch unsere Stärke liegt in der Anwendung: dem „Vertical AI“-Ansatz. Heimische Unternehmen glänzen dort, wo tiefes Branchenwissen auf Technologie trifft – sei es in der Produktion, der Landwirtschaft oder im Immobilienbereich.

Heimische Unternehmen glänzen dort, wo tiefes Branchenwissen auf Technologie trifft – sei es in der Produktion, der Landwirtschaft oder im Immobilienbereich.

Besonders in der Medizin und den Life Sciences entstehen Lösungen, die weltweit Beachtung finden. Auch in „unsexy“ Bereichen, wie der automatisierten Buchhaltung oder im Finanzwesen, beweist der Standort seine Klasse, was sich zuletzt in Exits im dreistelligen Millionenbereich widerspiegelte. Es ist dieses spezifische Domänenwissen, das in einer Welt, in der Code vom Differenzierungsmerkmal zur Standardware wird, den entscheidenden Unterschied macht.

Die Souveränitäts-Debatte als Geschäftsmodell Ein zentrales Thema unserer Zeit ist die technologische Souveränität. Während der Einsatz von Open Source-Modellen in den USA primär als Hebel zur Kostensenkung dient, wird das Thema in Europa oft ideologisch diskutiert. Doch für viele österreichische Start-ups ist KI-Souveränität längst ein valides Geschäftsmodell geworden. Die Fähigkeit, hochspezialisierte und datenschutzkonforme KI-Lösungen lokal zu betreiben, ist nicht nur für jene Unternehmen relevant, die bestehende Technologie-Abhängigkeiten verringern wollen, sondern es wird zu einer Selbstverständlichkeit, wie es in den USA und China bereits der Fall ist.

Fazit: Den Wandel gestalten

Österreichs KI-Landschaft ist heute resilienter und profitabler als noch vor zwei Jahren. Die Herausforderung für die kommenden Jahre liegt darin, diesen Schwung in die Breite der Wirtschaft zu tragen. Es geht nicht mehr nur darum, KI zu „haben“, sondern sie tief in die industriellen und administrativen Prozesse zu integrieren. Der Reset-Knopf wurde gedrückt – nun liegt es an den Unternehmen, die neue Architektur des digitalen Österreichs aktiv mitzugestalten.

29. Sep 2026

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Wirtschaft

Energiekurs Deutschland – Ein Beitrag von Tim Meyer, Energieexperte, Speaker und Berater

Wer heute erfolgreich durch die Energiewelt navigieren will, kommt mit alten Landkarten nicht weit. Zum einen hat sich die geopolitische Tektonik verschoben: Spätestens seit 2021 wissen wir, dass Versorgungssicherheit über Erdgas nur noch mit hohen Kosten und Preisrisiken zu haben ist – seit dem Konflikt an der Straße von Hormus gilt das auch für Kraftstoffe. Wichtiger noch: Die Welt steckt in einer elektrotechnologischen Revolution, die weit über die Energieversorgung hinausreicht. Mobilität, Wärme, industrielle Prozesse und die Fertigung von morgen werden weitgehend elektrisch. Die Märkte haben sich bereits massiv verschoben – nicht nur die deutsche Autoindustrie leidet unter Absatzverlusten einst erfolgreicher Produkte. Treiber ist der globale Boom bei erneuerbaren Energien: Mit ihnen ist Strom so günstig und verfügbar wie nie, und der Preisverfall bei Batteriespeichern gleicht Schwankungen von Wind, Sonne und Verbrauch immer besser aus. Ergebnis: Allein in diese Technologien und den Ausbau der Stromnetze fließen weltweit Investitionen von über 1,3 Billionen US-Dollar pro Jahr – etwa fünfmal so viel wie in neue Gas-, Kohle- und Atomkraftwerke. Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. So anstrengend diese Gleichzeitigkeit wirkt: Für Menschen und Unternehmen in Deutschland liegen darin große Chancen. Zwei Dinge sind gewiss: Erstens gibt es kein Zurück – geopolitische Spannungen verschwinden nicht, und der technologische Fortschritt bei Clean Tech lässt sich nicht zurückdrehen. Zweitens sind diese Entwicklungen global: Technologien, die wir ohnehin für den Heimatmarkt entwickeln müssen, sind weltweit gefragt und können zur zentralen Säule des dringend nötigen wirtschaftlichen Aufschwungs werden. >Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. Umgekehrt gilt: Wer an alten Plänen und alter Technologie festhält – und sei es neu verpackt als „hocheffiziente Verbrenner“ oder „Grüngas“ –, landet auf dem wirtschaftlichen Abstellgleis. Industrielle Revolutionen kann man nicht aufhalten. Man kann sich nur entscheiden, auf der Gewinner- oder Verliererseite stehen zu wollen. China macht das seit Jahren zur Industriepolitik: vom Abnehmer deutscher Maschinen zum aggressiven Wettbewerber, inklusive Sicherung von Rohstoffen und Lieferketten. Heute ist China globaler Marktführer bei Wind- und Solarenergie, Batterietechnik und E-Mobilität – weitere Angriffe auf deutsche Märkte sind angekündigt, auch bei Wärmepumpen. Es gilt also, aus der Not eine Tugend zu machen: Absicherung gegen fossile Preisrisiken, Investition in Zukunftsmärkte, europäische Resilienz und Klimaschutz sind dabei ein und dasselbe. Die Politik muss diese neue Realität in eine verständliche Energielandkarte übersetzen: Elektrifizierung unserer Volkswirtschaft als verankertes Ziel, politisch gemanagt und mit Investitionen hinterlegt – vor allem durch schnellere Modernisierung der Energieinfrastruktur, also Digitalisierung, effizientere Organisation und Ausbau der Stromnetze. Doch auch ohne den großen politischen Wurf gibt es Lösungen, die sich schon heute lohnen und in die unternehmerische Zukunft weisen. „Energiekurs Deutschland“ zeigt diese Richtungen auf. Je mehr Unternehmen sie jetzt nutzen, desto mehr profitiert die Allgemeinheit – denn Deutschland hat alle Voraussetzungen, sich neu zu erfinden. Wir müssen es nur wollen und anpacken.