2. Apr 2026
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Wirtschaft
Journalist: Armin Fuhrer
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Foto: Chuttersnap/unsplash
Viele Unternehmen haben die Zeichen der Zeit erkannt und richten ihre Lieferketten und innere Logistik mithilfe von KI und Digitalisierung neu aus.
Österreichische Unternehmen haben in den letzten Jahren schmerzhaft gelernt, dass globale Just-in-Time-Lieferketten hochgradig anfällig sind. Im Jahr 2026 ist Resilienz daher kein Modewort mehr, sondern eine überlebenswichtige Geschäftsstrategie. Es haben sich drei zentralen Säulen herausgebildet, mit denen heimische Betriebe ihre Widerstandsfähigkeit stärken.
Bisher waren viele Unternehmen abhängig von nur einem einzigen oder wenigen Lieferanten. Das stellte sich besonders dann als kritisch heraus, wenn diese außerhalb Europas in angesiedelt waren. Denn durch politische Krisen wie den Ukraine- und neuerdings den Iran-Krieg, eine Pandemie oder unsichere Zustände in den jeweiligen Ländern können Lieferketten empfindlich gestört oder sogar ganz unterbrochen werden – mit schlimmen Konsequenzen für die heimischen Unternehmen.
Diese haben die Gefahr erkannt, sodass viele Unternehmen versuchen, die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten abzubauen. Ein Mittel ist die Regionalisierung, das sogenannte Nearshoring – also die Verlagerung der Produktion oder der Beschaffung zurück nach Europa oder direkt in den DACH-Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz). Denn dadurch werden Transportwege verkürzt und politische Risiken minimiert.
Höhere Sicherheitsbestände bei kritischen Rohstoffen werden wieder als notwendige Investition und nicht mehr als totes Kapital gesehen.
Auch Multi-Sourcing kann Abhilfe schaffen. Statt auf den günstigsten Anbieter zu setzen, verteilen die Einkaufsabteilungen ihr Volumen auf mehrere Partner. Das kostet zwar Marge, sichert aber die Lieferfähigkeit im Krisenfall.
Eine zunehmende Rolle spielen auch technologische Souveränität und Transparenz. Resilienz entsteht durch Wissen. Wer nicht weiß, wo seine Ware steckt, kann im Krisenfall nicht reagieren. Hier bieten Digitalisierung und Künstliche Intelligenz neue Möglichkeiten, auf die immer mehr Unternehmen zurückgreifen. So kann durch den Einsatz von IoT-Sensoren und Blockchain-Tracking in Echtzeit nachverfolgt werden, wo sich kritische Produkte gerade befinden. Algorithmen analysieren Wetterdaten, geopolitische Nachrichten und Streikankündigungen, um proaktiv Warnungen auszugeben, bevor die Lieferkette reißt. Auch das Thema Cyberresilienz wird heute viel größer geschrieben. Da die Logistik zunehmend digitalisiert wird, investieren Firmen massiv in IT-Sicherheit, um gegen Angriffe von außen gewappnet zu sein.
Wer nicht weiß, wo seine Ware steckt, kann im Krisenfall nicht reagieren.
Nicht zuletzt muss Resilienz aber auch nach innen ausgebaut werden. Ein resilientes Unternehmen muss intern „atmen“ können. Eine wichtige Maßnahme ist in diesem Zusammenhang der Ausbau eines Pufferlagers statt der Vorhaltung lediglich eines Minimalbestandes. Die Lagerstrategie wandelt sich auf diese Weise von Just-in-Time zu Just-in-Case. Höhere Sicherheitsbestände bei kritischen Rohstoffen werden wieder als notwendige Investition und nicht mehr als totes Kapital gesehen.
Auch eine skalierbare Automatisierung gewinnt zunehmend an Bedeutung. Anstatt starrer Fördertechnik setzen Betriebe auf modulare Roboter-Flotten, die bei Auftragsspitzen gemietet werden können („Robotics-as-a-Service“) oder bei einem Standortwechsel einfach mitgenommen werden.
Fazit: Viele Unternehmen in Österreich haben die Zeichen der Zeit erkannt und machen ihre Lieferketten und ihre interne Logistik resilienter. Denn eine solche Investition kann im Krisenfall sehr viel Kosten sparen.
Digitalisierung und KI bilden wichtige Werkzeuge für die interne Logistik. So setzten Unternehmen und Logistikzentren beispielsweise statt auf starre Förderbänder zunehmend auf Schwarm-Intelligenz: Mobile Roboter (AMR) kommunizieren autonom miteinander und optimieren Wege in Echtzeit. Eine weitere Möglichkeit ist ein digitaler Zwilling, bei dem das gesamte Lager virtuell abgebildet wird.