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25. Jun 2026

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Gesundheit

Schon heute kann Künstliche Intelligenz in der Radiologie sehr gut unterstützen – Im Interview mit Prof. Dr. med. Jens Vogel-Claussen, Klinikdirektor der Klinik für Radiologie der Charité Berlin

Journalist: Katja Deutsch

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Foto: Presse

Prof. Dr. med. Jens Vogel-Claussen, Klinikdirektor der Klinik für Radiologie der Charité Berlin, spricht über die Vorteile, die KI besonders bei der Früherkennung von Lungenkrebs jetzt schon bietet. Das kann viele Leben retten, denn die tödlichste Krebsart fordert allein in Deutschland jedes Jahr 40.000 Menschenleben.

Herr Professor Dr. Vogel-Claussen, warum ist KI-gestützte, medizinische Bildgebung die Zukunft? KI ist bereits heute fester Bestandteil der Radiologie, vor allem bei der Erkennung von Frakturen, Lungenembolien und Lungenkrebs. Besonders in der Lungenkrebsfrüherkennung unterstützt sie uns Radiologen dabei, kleine Auffälligkeiten zu entdecken, die sonst übersehen werden könnten. Da KI eine sehr präzise Volumenmessung von Lungenrundherden vornehmen kann, lassen sich Wachstum und Krebsrisiko viel besser beurteilen als mit herkömmlichen Messmethoden. In der Radiologie werden heute schon mit KI bessere Ergebnisse erzielt als ohne KI. Deshalb wird KI künftig zum Standardwerkzeug werden. Radiolog:innen werden also nicht ersetzt, sondern durch KI unterstützt. Die Herausforderungen dabei sehen wir bei der Qualitätskontrolle: Zwar sind viele Systeme zugelassen, ihre tatsächliche Leistungsfähigkeit wird jedoch bislang nicht unabhängig geprüft. Zudem hängt die Qualität stark von den Trainingsdaten ab.

Was kann „medizinische“ KI heute schon besser oder schneller als der Mensch? KI unterstützt die Lungenkrebsfrüherkennung, indem sie Wachstum und Eigenschaften kleiner Lungenrundherde präzise analysiert und so besser zwischen harmlosen Veränderungen und möglichem Krebs unterscheidet. Zukünftig könnte KI zudem die Wahrscheinlichkeit berechnen, ob ein Befund bösartig ist.

Mit den aktuellen Screening-Einschusskriterien in Deutschland werden nur etwa 60 Prozent der späteren Lungenkrebserkrankungen erfasst. Hier könnten neue, auch KI-gestützte Risikomodelle und Bluttests die Früherkennung verbessern. Das ist wichtig, weil Lungenkrebs in frühen Stadien meist symptomlos ist: Wird er früh entdeckt, liegt die Fünfjahres-Überlebensrate bei über 90 Prozent, in späten Stadien dagegen unter 20 Prozent. Trotz Früherkennungsmöglichkeiten bleibt Lungenkrebs mit über 50.000 Neuerkrankungen und mehr als 40.000 Todesfällen pro Jahr die tödlichste Krebsart in Deutschland.

KI ist bereits heute fester Bestandteil der Radiologie, vor allem bei der Erkennung von Frakturen, Lungenembolien und Lungenkrebs.

Wie verändert KI den Alltag in der Radiologie? KI ist für uns bislang vor allem ein nützliches Helferlein. Sie erkennt Auffälligkeiten, automatisiert zeitaufwendige Auswertungen und liefert zusätzliche Informationen aus Bilddaten. Die Zukunft liegt vor allem darin, aus medizinischen Bildern mehr relevante Daten zu gewinnen, um Krankheiten besser vorherzusagen, Verläufe genauer zu beurteilen und fundiertere Therapieentscheidungen zu treffen. KI verändert unser Berufsbild: Routineaufgaben werden automatisiert, während die ärztliche Interpretation und die interdisziplinäre Zusammenarbeit wichtiger werden.

Wer trägt die Verantwortung, wenn sich die KI täuscht? Die Verantwortung trägt immer der befundende Facharzt für Radiologie.

Und wenn der Arzt jetzt eine andere Meinung als die KI hat? Darüber wird gerade viel debattiert. Denn die Frage „Wird der Mensch in seiner Entscheidungsfindung durch die KI beeinflusst?“ müssen wir mit JA beantworten. Die Ärzteschaft folgt häufig den Vorschlägen der eingesetzten Software, insbesondere bei Messungen, die sie selbst nicht exakt überprüfen kann. Problem dabei: Verschiedene KI-Systeme bewerten denselben Befund unterschiedlich. Welche klinische Bedeutung diese Abweichungen langfristig haben, wird derzeit noch erforscht.

25. Jun 2026

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Gesundheit

Mit Datennutzung und Innovationen zur Smarten Gesundheitsversorgung –Ein Beitrag von Dr. Marc-Pierre Möll, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied BVMed – Bundesverband Medizintechnologie

Denn moderne Medizintechnik liefert genau das, was eine smarte Gesundheitsversorgung braucht: Kontinuierlich verfügbare Daten, intelligente Vernetzung und KI-gestützte Lösungen, die neue Versorgungswege ermöglichen. Unser Problem in Deutschland ist: sektorale Strukturen, tradierte Vergütungssysteme und uneinheitliche Vorgaben bremsen die digitale Transformation bislang aus. Was muss getan werden? Wir müssen Daten besser verfügbar machen. Wir müssen internationale Standards für Datenformate und -sicherheit verwenden. Wir müssen digitale Versorgung besser etablieren. Wir müssen digitale Versorgungspfade umsetzen. Die Nutzung von Daten ist das Kernelement, das digitale Versorgung in allen Sektoren und Situationen kennzeichnet. Dabei kann die Nutzung der Daten sehr verschieden gestaltet sein. Beispiele sind: - die Steuerung von Patientenpfaden anhand von aktuellen Daten und Informationen aus der Patientenhistorie, - das permanente Monitoring des Gesundheitszustandes anhand von kontinuierlich erhobenen Daten aus Sensoren oder anderen Messgeräten, - das situationsbezogene Management anhand von Alarmen bzw. Meldungen, - die Nutzung von Daten für die Weiterentwicklung von Produkten und Services sowie für Training, Validierung und Einsatz von KI, - die Nutzung von Daten für Digital Twin-Ansätze oder - die Nutzung von Daten für Training, Schulung, Weiterbildung. Wichtig ist, dass die erforderlichen Daten in der Versorgung zur richtigen Zeit und am richtigen Ort verfügbar sind, ein nutzbares Format haben oder über eine Schnittstelle genutzt werden können und die Rahmenbedingungen für die Datennutzung klar sind. **Aus Sicht der MedTech-Branche fordern wir:** - In einem neuen Primärversorgungssystem sollte die digitale Ersteinschätzung so entwickelt werden, dass künftig auch Echtzeitdaten für eine valide Ersteinschätzung genutzt werden können. - Für „Digital Twin-Technologien“ sollten pseudonymisierte Behandlungsdaten nutzbar gemacht werden. Denn Simulationen anhand von vorhandenem Bildmaterial können invasive Diagnostik verhindern oder Therapieschritte vorbereiten. - Das Einwilligungsmanagement zur Datennutzung im Behandlungsablauf sollte bundesweit vereinheitlicht werden und auf einer einheitlichen Interpretation der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) basieren. - Für die Verbesserung von Produkten und Services braucht die Industrie Zugang zu Gesundheitsdaten und teilt selbst auch ihre Daten. Dabei sind allerdings IP-Rechte zu beachten, gerade bei Medizinprodukten. - Unser Appell: Smarte Gesundheitsversorgung entsteht nicht durch einzelne Innovationen, sondern durch das Zusammenspiel von Daten, Vernetzung und KI. Die Zukunft der Versorgung ist möglich – jetzt muss das System folgen. ## Zum Autor: Dr. Marc-Pierre Möll ist seit April 2019 Geschäftsführer des Bundesverbandes Medizintechnologie e. V. in Berlin sowie Geschäftsführer der BVMed-Akademie. Er ist zudem Mitglied des BVMed-Vorstands.