Diesen Artikel teilen:

18. Mär 2026

|

Lifestyle

Selbstbestimmt zum eigenen Kind – Im Interview mit Sarah Valentina Winkhaus, Moderatorin

Journalist: Silja Ahlemeyer

|

Foto: ausstehend

Social Freezing bedeutet, vorsorgliche eigene Eizellen einfrieren zu lassen. Moderatorin Sarah Valentina Winkhaus ist diesen Weg selbstbewusst gegangen.

Frau Winkhaus, wann haben Sie zum ersten Mal vom Thema Social Freezing gehört? Das war 2014. Ich war als Reporterin viel international unterwegs und hatte Bekannte in den USA, die ihre Eizellen einfrieren ließen – als eine Art Versicherung, mithilfe von künstlicher Befruchtung irgendwann Mutter werden zu können. Damals habe ich das nicht ernst genommen. Ich dachte: Das kann man ja später immer noch machen. Mir war nicht bewusst, wie stark die Fruchtbarkeit ab Mitte 30 abnimmt und Fehlgeburtsrisiken steigen. Über Verhütung wird aufgeklärt, aber kaum über Fruchtbarkeit.

Wann wurde das Thema für Sie persönlich relevant? Als ich mit 35 selbst in eine Kinderwunschklinik ging und sehr direkt gesagt bekam: „Sie sind spät dran.“ Da wurde mir klar, dass wir Frauen uns oft in einer trügerischen Sicherheit wiegen. Wir warten auf den passenden Partner, die berufliche Stabilität, den richtigen Moment – und merken dann, dass die biologische Uhr längst tickt. Für mich stand fest: Egal, wie meine Reise ausgeht, ich werde darüber sprechen. Denn es ist nicht nur ein medizinisches Thema, sondern ein gesellschaftliches.

Warum gesellschaftlich? Weil es um Lebensentwürfe geht. Viele Frauen nutzen Social Freezing nicht, um Karriere zu machen, sondern weil ihre Lebensrealität noch nicht zu ihrem Kinderwunsch passt. Die Frage ist aber: Darf mein Leben anders aussehen als geplant? Darf ich Mutter werden, auch wenn kein Partner da ist?

Mein einziger Wunsch wäre, dass ich es früher gewagt hätte.

Eizellen zu entnehmen und erfolgreich einzufrieren, gelingt nicht mal eben so. Wie verlief Ihr Prozess? Zunächst habe ich Eizellen gesammelt. Das lief über mehrere Zyklen, weil ich schon Mitte/Ende 30 war. Parallel war ich noch in einer Beziehung. Irgendwann wurde mir klar: Ich kann nicht darauf warten, dass andere „ready“ sind und alle Umstände genauso passen wie erträumt. Als ich den Entschluss fasste, den Kinderwunsch von der Partnerschaft zu trennen, fiel eine enorme Last von mir ab. Das heißt nicht, dass man für immer allein bleibt. Aber man übernimmt Verantwortung für das eigene Leben.

Ihr Weg zum Kind war allerdings nicht geradlinig... Überhaupt nicht. Zwischen 2017 und 2023 gab es immer Höhen und Tiefen. In einer deutschen Klinik wurden meine eingefrorenen Eizellen versehentlich alle aufgetaut – mein Zeitvorteil war weg. Ich musste praktisch bei Null anfangen. Nach zwei Wochen Selbstmitleid habe ich neu recherchiert und eine Klinik in Athen gefunden. Dort fühlte ich mich ernst genommen und individuell betreut. Mit 40 hatte ich dann nur noch vier Eizellen zur Verfügung. Drei Versuche der künstlichen Befruchtung scheiterten – aus der letzten entstand meine Tochter Clara.

Gab es Momente des Zweifelns? Natürlich. Man muss sich irgendwann fragen: Wie lange gehe ich noch weiter? Wo ist meine persönliche Grenze? Diese emotionale Achterbahnfahrt ist enorm belastend. Am Ende hat es geklappt – aber es hätte auch anders ausgehen können.

Man muss sehr viele Entscheidungen ganz allein treffen. Aber ich habe gelernt, Hilfe anzunehmen. Nicht nur organisatorisch, sondern auch emotional.

Wie erleben Sie heute den Alltag als alleinerziehende Mutter? Erstaunlich gut. Ich habe ein starkes „Village“: enge Freunde, zwei wunderbare Babysitterinnen, eine tolle Kita. Verlässliche Bezugspersonen sind entscheidend. Ob ein Kind durch Samenspende entstanden ist oder nicht, spielt im Alltag keine Rolle. Wichtig ist Stabilität und Liebe. Ja, es ist viel Verantwortung. Man muss sehr viele Entscheidungen ganz allein treffen. Aber ich habe gelernt, Hilfe anzunehmen. Nicht nur organisatorisch, sondern auch emotional. Das ist sehr wichtig und war eine große Lektion für mich.

Sie begleiten heute andere Frauen auf dem Weg zur selbstbestimmten Mutterschaft. Was treibt Sie an? Ich hätte mir selbst früher eine Sparringspartnerin gewünscht. Jemanden, der sagt: Diese Möglichkeiten gibt es. Informiere dich – nicht aus Angst, sondern aus einer starken Haltung heraus. Es geht um Selbstbestimmung, um finanzielle Unabhängigkeit, um das Hinterfragen eigener Glaubenssätze. Viele Frauen wollen ein Kind, trauen sich aber nicht, diesen Gedanken zu Ende zu denken. Auch deswegen habe ich mein Buch „Ich werde Eltern: Selbstbestimmt zum Mutterglück durch Social Freezing“ geschrieben. Die Themen Unfruchtbarkeit und Social Freezing gehören auf die Agenda und raus aus der Tabu-Zone.

Würden Sie sich wieder so entscheiden? Jederzeit. Dieser Weg war die beste Entscheidung meines Lebens. Mein einziger Wunsch wäre, dass ich es früher gewagt hätte.

FACTBOX:

Sarah Valentina Winkhaus ist Moderatorin, Autorin und Gründerin der Glow & Speak Academy. Sie beschäftigt sich mit Selbstbestimmung, Präsenz und modernen Familienmodellen und teilt dazu regelmäßig Inhalte auf Instagram.

28. Apr 2026

|

Lifestyle

Entschleunigung mit echten Erlebnissen in der Natur – mit Dustin Schöne, Unternehmer & Gründer Nays GmbH

![Foto_Mandry(l)_Schöne(r)_Nays_GF Online.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/Foto_Mandry_l_Schoene_r_Nays_GF_Online_251d25f136.jpg) ``` Dustin Schöne, Unternehmer & Gründer Nays GmbH ``` Beim Shoppen, im Job, vorm Handy oder TV-Gerät: Der „moderne“ Mensch ist reizüberflutet. Experten haben errechnet, dass wir heute an einem Tag so vielen Informationen ausgesetzt sind wie eine Person im 15. Jahrhundert in ihrem gesamten Leben. Dies führt zu Stress, mentaler Erschöpfung – und zum Wunsch nach Entschleunigung. „Für mich ist es kein Zufall, dass viele Outdoor-Aktivitäten in den vergangenen Jahren solch einen Boom erleben. Der Trend, rauszugehen, Einfachheit und Stille zu spüren sowie die vielen Facetten unserer Natur zu entdecken, ist eine logische Reaktion auf unseren hektischen Alltag“, erklärt Dustin Schöne. „Ich gehe davon aus, dass diese Entwicklung anhält, da wir durch den vermehrten Einsatz von KI mit immer mehr unechten Dingen konfrontiert sind und uns deshalb nach echten Erlebnissen sehnen“, ergänzt der Gründer der Angelmarke Nays. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Marcel Mandry hat der umtriebige Unternehmer „Pionierarbeit“ geleistet, um Angeln – und das damit verbundene Equipment – als zeitgemäßen Lebensstil zu etablieren. Ganz ohne visuelle Reize geht dies aber auch nicht: Das erfolgreiche Bespielen unterschiedlicher Social-Media-Kanäle ist ein wichtiger Erfolgsfaktor.

28. Apr 2026

|

Lifestyle

3 Fragen an – mit Hubertus Seyffardt, ACSI Niederlande

![HuS_4_2_b Online.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/Hu_S_4_2_b_Online_be1d42c793.jpg) ``` Hubertus Seyffardt, ACSI Niederlande ``` **1- Woran erkennt man einen guten Campingplatz?** Camping ist ein Gemeinschaftserlebnis von Individualisten. Und so ist auch das Angebot ausgerichtet: Ruhe, Unterhaltung, Kinder, Baden, Hund, Kultur, Wandern! Kleinste gemeinsame Nenner sind aber immer sauberes Sanitär, eine ordentliche wie sinnvolle Ausstattung und Infrastruktur, nicht zwingend auf dem allerneusten Stand, aber W-Lan, fließend Wasser und genau abgerechneter Stromverbrauch. **2- Und wann sollten Alarmsignale klingeln?** Informationen über Platz und Ausstattung sollen zuverlässig und aktuell sein. Genau darum werden rund 10.000 Campingplätze in Europa jährlich genau in Augenschein genommen. Ist ein Platz nicht inspiziert oder nicht auf bekannten Websites zu finden, ist Vorsicht geboten. Ebenso bei vielen negativen Bewertungen zur Hygiene oder Instandhaltung. **3- Wie frühzeitig sollte man für die Hauptsaison planen?** Immer so früh wie möglich. Etwa sechs Monate im Voraus ist OK. Bei rund 80 Prozent aller Plätze empfiehlt sich eine Reservierung vorab – und die Zahl derer, auf denen spontanes Campen ohne möglich ist, nimmt ab. In der Nebensaison – also alles außer Juli, August oder die Mai-/Juni-Feiertage – geht‘s auch auf‘s Geratewohl. Abhängig von der Formel: Lage! Lage! Lage!