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27. Apr 2020

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Gesellschaft

Smart City – Albtraum oder die Möglichkeit der Zukunft für ein besseres Leben?

Journalist: Jörg Wernien

Über das Thema Smart City gibt es inzwischen viele Studien und Projekt. Doch kaum jemand hat sich damit so intensiv beschäftigt wie die Professorin Dr. Chirine Etezadzadeh. Ihr Buch „Smart-City – Made in Germany“ sollte jeder gelesen haben

Prof. h. c. Dr. Chirine Etezadzadeh gründete und leitet das SmartCity.institute in Stuttgart. Seit bald zehn Jahren gestaltet sie mit zahlreichen Projekten, Publikationen und Veranstaltungen sowie beratend die Smart-City-Entwicklung mit. Die vorliegende Publikation initiierte im Jahr 2019 die Gründung des Deutschen Smart City Expertenrats, der die positiven Kräfte deutscher Experten bündeln und für die Städte der Welt nutzbar machen soll. Wir haben mit Ihr gesprochen.

Können Sie als Smart-City-Forscherin der aktuellen Krise auch etwas Gutes abgewinnen?

Wir dürfen darauf hoffen, dass wir neben den vielen furchtbaren Nachrichten und den großen Herausforderungen, die uns noch bevorstehen, auch positive Impulse mit aus der Krise nehmen werden. Krisensituationen machen uns ja durchaus auch auf Fehlentwicklungen aufmerksam.

Aktuell scheint es so, dass etwas Tierkot aus einem Waldstück ausreichte, um die Weltwirtschaft massiv zu beschädigen. Wir erkennen, in welchem Ausmaß wir die Globalisierung leben, wieweit wir die Gewinnmaximierung treiben und wie wertvoll es ist zu kooperieren. Wir erkennen auch, wie vulnerabel wir trotz des Fortschritts bleiben und wo wir besser werden können. Das alles schafft gute Voraussetzungen für eine aktive und bewusste Zukunftsgestaltung.

Wäre die Corona-Krise in einer Smart City besser zu bewältigen?

Smart Cities sind resiliente, nachhaltige und effiziente Städte. Das birgt schon viele Vorteile. Exogene Schocks lassen sich zwar nicht vermeiden, aber besser verkraften und durch kooperative Frühwarnsysteme und koordinierte Maßnahmen evtl. besser vorhersehen und eindämmen.

Wir könnten jetzt die Kapitel unserer Studie durcharbeiten und sicher in jedem Themenfeld etwas finden, das aktuell bereits hilft oder helfen könnte.

Geben Sie uns Beispiele?

Im Bereich der Versorgung wäre die Allokation und Distribution der Waren deutlich einfacher zu bewerkstelligen. Es gäbe im Bereich des dezentralen Lernens und Arbeitens standardisierte Verfahren. Im Gesundheitswesen könnte die aktuelle Situation entlastet werden: durch Online-Sprechstunden, Online-Krankschreibungen und -Rezepte, perspektivisch vielleicht durch dezentrale Testmethoden, aktuell durch noch mehr geteiltes Wissen und bessere Datengrundlagen innerhalb des Gesundheitssystems und im Bereich der Forschung.

Auch viele Betreuungs- und Pflegeservices wären in einer Smart City schon weiter entwickelt und die Vernetzung würde bereits ältere Menschen gezielt mit einbeziehen. So gäbe es für Pflegebedürftige mehr Sicherheit und eine umfassendere Begleitung im Alltag. Im Bereich der öffentlichen Sicherheit und im Krisenmanagement gäbe es sicherlich weitergehende Möglichkeiten, die aber rechtlich begrenzt werden müssten. Das alles beschreiben wir im Buch. Am Ende steht aber immer der Mensch, den wir für die Umsetzung brauchen und oft das Ehrenamt. Die Digitalisierung kann dabei lediglich unterstützen.

Jeder definiert seine „Smart City“ anders – haben Sie ein Idealbild davon? Wenn ja, wie sieht es aus?

Unser Entwurf einer Smart City heißt „Blisscity“ und steht für eine „Stätte der Glücklichen“. Das Glück lässt sich natürlich nicht planen, aber man kann Kommunen so gestalten, dass sie dem Glück der Bewohner zuträglich sind. Eine Blisscity strebt zum einen danach, die Funktionsfähigkeit unserer Kommune aufrechtzuerhalten, unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu bewahren und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern. Zum anderen strebt sie nach der Wahrung unserer pluralistischen Vorstellung vom guten Leben und unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Sie fußt auf einem von gemeinschaftlichen Zielen getragenen, freiwilligen Miteinander, ohne die Selbstbestimmung der Menschen zu gefährden.

Wäre jetzt nicht die Gelegenheit, „Soziale Netzwerke“ wirklich sozial im Sinne der Hilfe für andere zu gestalten?

Vielerorts passiert das ja bereits. Wie gesagt, haben leider noch nicht alle Bevölkerungsteile Zugang zu den Angeboten. Erfreulicherweise erleben wir gerade verstärkt das Entstehen von wahrhaftigen Strukturen vor Ort. Im Buch stellen wir einige solcher sozialen Netzwerke vor.

Vieles funktioniert in Zukunft mit Big Data und KI – ist Deutschland dafür bereit?

Wir sind in der Lage, technische und KI-gestützte Lösungen zu entwickeln. Wichtig wäre es, sie auch in Anwendung zu bringen, da wo sie sinnvoll sind. Angesichts unserer geringen Marktgröße und fehlender Kooperation innerhalb Europas sowie aufgrund anderer wirtschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen, bestimmen die USA und China diese Entwicklungen. Daher müssen wir unsere Anforderungen an die Ausgestaltung der Systeme formulieren. Wir sollten selbst Systeme schaffen, die unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung gerecht werden oder entsprechende Geschäftsbedingungen für zu erwerbende Produkte formulieren. Dies erfordert einen gesellschaftlichen Diskurs.

Es ist, wie man an Ihrem Buch sehen kann, ein sehr vielschichtiges Projekt – was können wir davon verwirklichen?

Alles, was im Buch vorgestellt wird, kann verwirklicht werden. Vieles davon unmittelbar. Neben den im Buch aufgezeigten Handlungsoptionen geht es aber auch darum, eine Haltung zu entwickeln. Eine Vorstellung davon, wie wir in Zukunft miteinander leben wollen und welche Maßnahmen wir dafür jetzt einleiten müssen.

Was sollten wir unbedingt verwirklichen?

Alles, was wir für die Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit unserer Kommunen benötigen, alles, was zum Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen erforderlich ist und alles, was die positive gesellschaftliche Entwicklung stärkt und uns vor fehlgeleiteten technischen Abhängigkeiten bewahrt. 

Schon jetzt wollen Millionen Menschen in gigantischen Städten leben und wohnen – ein Trend, der sich noch umkehren lässt?

Ich glaube nicht, dass hier ausschließlich vom „Wollen“ die Rede sein kann. Stadtbewohner finden in den urbanen Zentren Zugänge zu Arbeit und zu Versorgungsleistungen, die es auf dem Land nicht in gleicher Weise gibt. In Deutschland würden ca. 44 % der Menschen bei freier Wahl lieber auf dem Land leben. Diesen Trend kann man – auch mithilfe der Digitalisierung – gezielt adressieren und gestalten.

29. Dez 2025

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Gesellschaft

Vorsorge ab 50 – Sicherheit für Körper und Konto – Ein Beitrag von Uwe-Matthias Müller, Vorstand des Bundesverbands Initiative 50Plus Europa

Mit dem Älterwerden verändert sich nicht nur der Blick auf das Leben, sondern auch die Verantwortung für die eigene Zukunft. Menschen ab 50 stehen oft mitten im Leben – beruflich erfahren, familiär gefestigt, mit einem klareren Verständnis für das, was wirklich zählt. Gerade jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um Vorsorge zu treffen: für die Gesundheit und für die Finanzen. **Gesundheit: Früher erkennen, besser leben** Ab 50 steigt das Risiko für chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Leiden. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen und gezielt gegenzusteuern. Wer rechtzeitig handelt, kann Lebensqualität erhalten und Folgeerkrankungen vermeiden. Auch Impfungen, Zahnvorsorge und Krebsscreenings sind wichtige Bausteine. Prävention bedeutet nicht nur Kontrolle, sondern auch aktives Gestalten: Bewegung, Ernährung und mentale Gesundheit sind entscheidende Faktoren für ein vitales Altern. >Mit 50 beginnt eine Phase der Stabilität – aber auch der Weichenstellung. Wer jetzt handelt, profitiert von Zeit, Übersicht und Entscheidungsfreiheit. Vorsorge ist kein Zeichen von Angst, sondern von Verantwortung. **Finanzen: Klarheit schafft Freiheit** Finanzielle Vorsorge ist ebenso zentral. Die gesetzliche Rente allein reicht oft nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Wer frühzeitig private Altersvorsorge betreibt – sei es durch Immobilien, Versicherungen oder Fonds – schafft sich Spielraum für die Zukunft. Auch das Thema Pflege sollte nicht verdrängt werden: Eine Pflegezusatzversicherung oder ein klarer Vorsorgeplan kann im Ernstfall Entlastung bringen. Wichtig ist, regelmäßig zu prüfen: Sind alle Unterlagen aktuell? Gibt es eine Patientenverfügung oder ein Testament? Wer vorbereitet ist, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch Angehörige. **Warum jetzt?** Mit 50 beginnt eine Phase der Stabilität – aber auch der Weichenstellung. Wer jetzt handelt, profitiert von Zeit, Übersicht und Entscheidungsfreiheit. Vorsorge ist kein Zeichen von Angst, sondern von Verantwortung. Sie schafft Sicherheit, Selbstbestimmung und die Möglichkeit, das Leben auch im Alter aktiv zu gestalten. ## Fazit Vorsorge ab 50 ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Sie bedeutet, das Leben bewusst in die Hand zu nehmen – für mehr Gesundheit, finanzielle Stabilität und innere Ruhe. Wer heute vorsorgt, lebt morgen entspannter.

23. Dez 2025

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Gesellschaft

Warum es so wichtig ist, konsequent nachhaltig zu bauen – Ein Beitrag von Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand DGNB e.V.

Nachhaltiges Bauen bedeutet weit mehr als energieeffiziente Gebäude oder den Einsatz ökologischer Materialien. Es beschreibt einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem Gebäude über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg betrachtet werden: von der Planung über den Bau und die Nutzung bis hin zu Umbaumaßnahmen oder den Rückbau. Ziel ist es, Umweltbelastungen zu minimieren, Ressourcen zu schonen, Menschen gesunde und lebenswerte Räume zu bieten und gleichzeitig wirtschaftlich sinnvolle Lösungen zu schaffen. Stand heute ist der Bausektor nach wie vor für einen erheblichen Teil der globalen CO2-Emissionen, den Verbrauch natürlicher Ressourcen und den zunehmenden Verlust der Biodiversität verantwortlich. Gleichzeitig verbringen wir den Großteil unseres Lebens in geschlossenen Räumen, die unser Wohlbefinden stärken sollen, ohne dabei die Zukunft unseres Planeten zu gefährden. Zudem leben immer mehr Menschen in der Stadt. Der Bedarf an attraktiven und dazu noch klimaresilient gestalteten Freiräumen wächst. Nachhaltige Architektur bietet einen ganzheitlichen Ansatz, um die Klimakrise zu bekämpfen, soziale Gerechtigkeit zu fördern und langfristige wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten. Wie ein Perspektivwechsel in diese Richtung gelingen kann, zeigen wir noch bis zum 28. Januar 2026 mit der ersten DGNB Ausstellung „What If: A Change of Perspective“ in der Berliner Architekturgalerie Aedes. Die Ausstellung fordert Besucherinnen und Besucher dazu auf, gewohnte Denkmuster zu hinterfragen und die Themenvielfalt des nachhaltigen Bauens neu und unvoreingenommen auf sich wirken zu lassen. >Nachhaltige Architektur bietet einen ganzheitlichen Ansatz, um die Klimakrise zu bekämpfen, soziale Gerechtigkeit zu fördern und langfristige wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten. Anhand gebauter Beispiele wird deutlich, dass viele Lösungen bereits existieren. So erfährt der Besuchende anschaulich, wie Gebäude klima- und ressourcenschonend geplant werden können, indem Materialien im Kreislauf geführt, Energie effizient genutzt oder sogar erzeugt wird und der gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes berücksichtigt bleibt. Ebenso thematisiert werden Klimaanpassung und Resilienz: durch kluge Gestaltung, Begrünung und Freiräume können Gebäude und Städte besser mit Hitze, Starkregen oder Trockenperioden umgehen. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Menschen. Nachhaltiges Bauen stellt das Wohlbefinden, die Gesundheit und das soziale Miteinander in den Mittelpunkt. Architektur kann Begegnung fördern, Identität stiften und bezahlbaren Wohnraum schaffen, ohne dabei die Umwelt aus dem Blick zu verlieren. Auch der verantwortungsvolle Umgang mit bestehenden Gebäuden spielt eine zentrale Rolle. Sanieren, Umnutzen und Weiterbauen im Bestand werden als Strategien gezeigt, um Flächen zu schützen und Ressourcen zu sparen. Nicht zuletzt wird klar, dass Nachhaltigkeit keine Kostenspirale sein muss. Ganzheitlich geplante Gebäude sind oft wirtschaftlicher, weil sie langfristig Betriebskosten senken, Risiken minimieren und ihren Wert erhalten oder steigern. Nachhaltiges Bauen ist kein abstraktes Expertenthema und schon gar keine Zukunftsvision, sondern eine konkrete Chance. Für lebenswerte Städte, für gesunde Räume und für eine gebaute Umwelt, die den Herausforderungen unserer Zeit gewachsen ist. Als inhaltlich getriebener Non-Profit-Verein begreifen wir das nachhaltige Bauen seit unserer Gründung vor 18 Jahren als gesellschaftliche Aufgabe, nach der wir unser Handeln ausrichten. Mit der Ausstellung laden wir jeden einzelnen ein, genauer hinzusehen, weiterzudenken und selbst Teil des Wandels zu werden. Weitere Informationen gibt es unter www.dgnb.de/aedes