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2. Apr 2026

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Wirtschaft

Stabile Lieferketten statt teurer Abschottung – Ein Beitrag von Prof. (FH) DI Dr, Veit Kohnhauser, Professor für Logistik und Supply Chain Management, Logistikum der FH Oberösterreich

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Foto: Presse

Stillstand beginnt oft lautlos: wenn Waren nicht ankommen, Datenlücken die Planung erschweren oder Zahlungen stocken. Erst in diesen Momenten wird spürbar, wie grundlegend Logistik unsere Unternehmen und damit unseren Alltag prägen.

Moderne Logistik ist weit mehr als operative Transportaufgaben; sie ist die strategische Schnittstelle aus Lieferketten-Resilienz, digitaler Transparenz und nachhaltiger Wertschöpfung. Wer diese Disziplin beherrscht, sichert die Versorgungssicherheit und Zukunftsfähigkeit des gesamten Unternehmens und von uns allen.

Schon der Begriff „Lieferkette“ greift dabei zu kurz. Die Realität ist ein hoch komplexes, dynamisches und globales Wertschöpfungsnetzwerk. Zahllose Unternehmen, Logistikdienstleister, Zulieferer und staatliche Stellen greifen ineinander. Regierungen und Konzerne geben zwar die Richtung vor, umgesetzt wird sie aber von unendlich vielen wirtschaftlich selbständig agierenden Partnern entlang der Wertschöpfung.

Politik und Regulierungen prägen diese Netzwerke aktuell besonders stark. Handelsabkommen, Zollregeln, Investitionspolitik, Umweltauflagen, Sicherheitsvorgaben und Sorgfaltspflichten beeinflussen, wie robust oder verletzlich Liefernetzwerke sind. Besonders kritisch ist, wenn wichtige Rohstoffe oder Vorprodukte nur aus wenigen Regionen oder von wenigen Anbietern kommen. Genau dort entstehen strukturelle Risiken.

In der öffentlichen Diskussion fallen derzeit häufig Schlagworte wie „Deglobalisierung“ oder „We-first-Strategien“. Diese Begriffe vereinfachen zu stark. Ein breiter Rückzug aus globalen Verflechtungen wäre weder wirtschaftlich sinnvoll noch praktisch umsetzbar. Wirksamer ist ein gezielter Umgang mit kritischen Abhängigkeiten in klar definierten Risiko- und Technologiefeldern.

Moderne Logistik ist weit mehr als operative Transportaufgaben; sie ist die strategische Schnittstelle aus Lieferketten-Resilienz, digitaler Transparenz und nachhaltiger Wertschöpfung.

Der strategische Ansatz lautet deshalb: De-Risking statt pauschalem De-Coupling. Es geht nicht darum, alles selbst zu machen, sondern die besonders verletzlichen Teile des Netzwerks gezielt zu stärken. Dazu gehören messbare Steuerung, klare Verantwortlichkeiten und eine selektive Neugestaltung kritischer Strukturen.

Voraussetzung dafür ist Transparenz bis in tiefe Ebenen der Lieferbeziehungen. Nur bekannte Risiken lassen sich steuern. Wer nicht weiß, wo Abhängigkeiten und Engpässe liegen, kann im Krisenfall kaum wirksam reagieren.

Resilienz bedeutet dabei nicht, ein einzelnes Ziel zu maximieren. Sie entsteht durch konsequentes Abwägen: Kosten, geopolitische Stabilität, Klimaziele, Cybersicherheit und technologische Wettbewerbsfähigkeit stehen oft im Zielkonflikt. Tragfähige Entscheidungen benötigen deshalb Szenarien und Systemverständnis statt reiner Kostenlogik.

Ebenso entscheidend ist das Zusammenspiel von Politik und Unternehmen. Staatliche Instrumente und unternehmerische Netzwerkentscheidungen müssen zusammenpassen. Ohne diese Abstimmung werden Resilienz-Maßnahmen nur teuer und bleiben in der Wirkung begrenzt.

Die resilienteste Lieferkette ist daher nicht automatisch die Kürzeste. Sie ist die Anpassungsfähigste: strategisch auf Risiken ausgerichtet, operativ datenbasiert gesteuert und über Unternehmens- und Politikgrenzen hinweg konsequent umgesetzt.

29. Sep 2026

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Wirtschaft

Energiekurs Deutschland – Ein Beitrag von Tim Meyer, Energieexperte, Speaker und Berater

Wer heute erfolgreich durch die Energiewelt navigieren will, kommt mit alten Landkarten nicht weit. Zum einen hat sich die geopolitische Tektonik verschoben: Spätestens seit 2021 wissen wir, dass Versorgungssicherheit über Erdgas nur noch mit hohen Kosten und Preisrisiken zu haben ist – seit dem Konflikt an der Straße von Hormus gilt das auch für Kraftstoffe. Wichtiger noch: Die Welt steckt in einer elektrotechnologischen Revolution, die weit über die Energieversorgung hinausreicht. Mobilität, Wärme, industrielle Prozesse und die Fertigung von morgen werden weitgehend elektrisch. Die Märkte haben sich bereits massiv verschoben – nicht nur die deutsche Autoindustrie leidet unter Absatzverlusten einst erfolgreicher Produkte. Treiber ist der globale Boom bei erneuerbaren Energien: Mit ihnen ist Strom so günstig und verfügbar wie nie, und der Preisverfall bei Batteriespeichern gleicht Schwankungen von Wind, Sonne und Verbrauch immer besser aus. Ergebnis: Allein in diese Technologien und den Ausbau der Stromnetze fließen weltweit Investitionen von über 1,3 Billionen US-Dollar pro Jahr – etwa fünfmal so viel wie in neue Gas-, Kohle- und Atomkraftwerke. Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. So anstrengend diese Gleichzeitigkeit wirkt: Für Menschen und Unternehmen in Deutschland liegen darin große Chancen. Zwei Dinge sind gewiss: Erstens gibt es kein Zurück – geopolitische Spannungen verschwinden nicht, und der technologische Fortschritt bei Clean Tech lässt sich nicht zurückdrehen. Zweitens sind diese Entwicklungen global: Technologien, die wir ohnehin für den Heimatmarkt entwickeln müssen, sind weltweit gefragt und können zur zentralen Säule des dringend nötigen wirtschaftlichen Aufschwungs werden. >Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. Umgekehrt gilt: Wer an alten Plänen und alter Technologie festhält – und sei es neu verpackt als „hocheffiziente Verbrenner“ oder „Grüngas“ –, landet auf dem wirtschaftlichen Abstellgleis. Industrielle Revolutionen kann man nicht aufhalten. Man kann sich nur entscheiden, auf der Gewinner- oder Verliererseite stehen zu wollen. China macht das seit Jahren zur Industriepolitik: vom Abnehmer deutscher Maschinen zum aggressiven Wettbewerber, inklusive Sicherung von Rohstoffen und Lieferketten. Heute ist China globaler Marktführer bei Wind- und Solarenergie, Batterietechnik und E-Mobilität – weitere Angriffe auf deutsche Märkte sind angekündigt, auch bei Wärmepumpen. Es gilt also, aus der Not eine Tugend zu machen: Absicherung gegen fossile Preisrisiken, Investition in Zukunftsmärkte, europäische Resilienz und Klimaschutz sind dabei ein und dasselbe. Die Politik muss diese neue Realität in eine verständliche Energielandkarte übersetzen: Elektrifizierung unserer Volkswirtschaft als verankertes Ziel, politisch gemanagt und mit Investitionen hinterlegt – vor allem durch schnellere Modernisierung der Energieinfrastruktur, also Digitalisierung, effizientere Organisation und Ausbau der Stromnetze. Doch auch ohne den großen politischen Wurf gibt es Lösungen, die sich schon heute lohnen und in die unternehmerische Zukunft weisen. „Energiekurs Deutschland“ zeigt diese Richtungen auf. Je mehr Unternehmen sie jetzt nutzen, desto mehr profitiert die Allgemeinheit – denn Deutschland hat alle Voraussetzungen, sich neu zu erfinden. Wir müssen es nur wollen und anpacken.