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23. Jun 2026

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Gesundheit

Vertraute Nähe, unterschätztes Risiko

Journalist: Julia Butz

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Foto: Getty Images/unsplash

Parasiten betreffen Tier und Mensch und erfordern mehr Aufmerksamkeit. Was Tierhalter wissen sollten, um Risiken besser einzuordnen.

Viele Tierhalter kennen die regelmäßige Wurmkur für ihre Vierbeiner, dosiert nach Gewicht, unkompliziert in der Anwendung. Diese Praxis hat sich über Jahre etabliert und basiert auf einem wichtigen Ziel: Tiere und Menschen vor Parasiteninfektionen zu schützen und das Risiko zoonotischer Parasitenübertragungen zu verringern. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem Würmer. Sie zählen zu den inneren Parasiten und können Hund und Katze infizieren. Manche Wurminfektionen bleiben lange unbemerkt, andere lösen Beschwerden wie Durchfall, Erbrechen oder Schwäche aus. Unbehandelt können einzelne Infektionen schwere Folgen haben.

Die ungebetenen Mitbewohner schaden nicht nur unseren Vierbeinern, einige Wurminfektionen können über Haustiere, engen Kontakt und ihre Umgebung auch für Menschen zum Risiko werden, z. B. wenn infektiöse Eier oder Larven aufgenommen werden. Meist verlaufen solche Infektionen symptomlos; können sich aber auch durch Hautreizungen oder Magen-Darm-Beschwerden äußern. In seltenen schweren Fällen betreffen bestimmte Parasiten auch Organe oder Augen. Besonders gefährdet sind kleine Kinder, Schwangere, Ältere und Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Trotz der Wichtigkeit einer Parasitenvorsorge, sollte diese nicht nach einem starren Standardschema erfolgen, sondern immer auf die Lebensumstände des Tieres abgestimmt werden, empfiehlt Tierärztin Natasa Xenophontos: „Die Entwurmung bleibt ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsvorsorge. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt jedoch immer vom individuellen Risiko des Tieres ab. Freigang bei Katzen, Jagdverhalten bei Hunden, die Fütterung von rohem Fleisch oder Reisen ins Ausland spielen eine wichtige Rolle.“

Die Entwurmung bleibt ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsvorsorge.

Da viele relevante Parasitenstadien im Kot nachweisbar sind, ist die Kotuntersuchung ein wichtiges diagnostisches Mittel in der Tierarztpraxis. Nach Rücksprache können Tierhalter Kotproben zu Hause sammeln und zum Termin mitbringen. „Schnelle Vor-Ort-Analysen können Hinweise auf einen Befall liefern“, so Natasa Xenophontos, „Ob und wann eine Entwurmung sinnvoll ist, hängt immer vom jeweiligen Risikoprofil oder einem konkreten Befund ab.“ Einige Tierkrankenversicherungen übernehmen Kotuntersuchungen auch im Rahmen von Vorsorge- oder Präventionsleistungen. Ein gezielter Blick ist auch deshalb wichtig, damit Entwurmungsmittel bewusst eingesetzt werden. Ähnlich wie Bakterien gegen Antibiotika können auch Würmer gegen Medikamente unempfindlicher werden. In Europa ist dieses Problem bei Hunden und Katzen bislang weniger verbreitet als in der Nutztierhaltung oder bei Pferden. ESCCAP* verweist zudem darauf, dass Hunde- und Katzenkot regelmäßig entfernt werden sollte, um die Umgebung weniger mit infektiösen Wurmstadien zu belasten.

Der entscheidende Schritt zur Vorsorge ist einfach: das individuelle Risiko einschätzen und passende Maßnahmen in der Tierarztpraxis besprechen. „Wird eine Entwurmung empfohlen, ist eine korrekte Dosierung nach aktuellem Körpergewicht entscheidend. Ebenso sollten Verträglichkeit und mögliche Nebenwirkungen im Vorfeld berücksichtigt werden“, betont die Tierärztin. So lässt sich Parasitenvorsorge mit gezielten Check-ups und individuell abgestimmten Maßnahmen besser an Alltag, Risiko und Umfeld anpassen.

Wird eine Entwurmung empfohlen, ist eine korrekte Dosierung nach aktuellem Körpergewicht entscheidend.

Factbox

*ESCCAP ist eine unabhängige europäische Organisation für veterinärparasitologische Empfehlungen und informiert über Diagnose, Behandlung und Bekämpfung von Würmern bei Hund und Katze. Der Entwurmungstest kann helfen, das individuelle Risiko besser einzuschätzen: www.esccap.de/entwurmungstest

25. Jun 2026

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Gesundheit

Mit Datennutzung und Innovationen zur Smarten Gesundheitsversorgung –Ein Beitrag von Dr. Marc-Pierre Möll, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied BVMed – Bundesverband Medizintechnologie

Denn moderne Medizintechnik liefert genau das, was eine smarte Gesundheitsversorgung braucht: Kontinuierlich verfügbare Daten, intelligente Vernetzung und KI-gestützte Lösungen, die neue Versorgungswege ermöglichen. Unser Problem in Deutschland ist: sektorale Strukturen, tradierte Vergütungssysteme und uneinheitliche Vorgaben bremsen die digitale Transformation bislang aus. Was muss getan werden? Wir müssen Daten besser verfügbar machen. Wir müssen internationale Standards für Datenformate und -sicherheit verwenden. Wir müssen digitale Versorgung besser etablieren. Wir müssen digitale Versorgungspfade umsetzen. Die Nutzung von Daten ist das Kernelement, das digitale Versorgung in allen Sektoren und Situationen kennzeichnet. Dabei kann die Nutzung der Daten sehr verschieden gestaltet sein. Beispiele sind: - die Steuerung von Patientenpfaden anhand von aktuellen Daten und Informationen aus der Patientenhistorie, - das permanente Monitoring des Gesundheitszustandes anhand von kontinuierlich erhobenen Daten aus Sensoren oder anderen Messgeräten, - das situationsbezogene Management anhand von Alarmen bzw. Meldungen, - die Nutzung von Daten für die Weiterentwicklung von Produkten und Services sowie für Training, Validierung und Einsatz von KI, - die Nutzung von Daten für Digital Twin-Ansätze oder - die Nutzung von Daten für Training, Schulung, Weiterbildung. Wichtig ist, dass die erforderlichen Daten in der Versorgung zur richtigen Zeit und am richtigen Ort verfügbar sind, ein nutzbares Format haben oder über eine Schnittstelle genutzt werden können und die Rahmenbedingungen für die Datennutzung klar sind. **Aus Sicht der MedTech-Branche fordern wir:** - In einem neuen Primärversorgungssystem sollte die digitale Ersteinschätzung so entwickelt werden, dass künftig auch Echtzeitdaten für eine valide Ersteinschätzung genutzt werden können. - Für „Digital Twin-Technologien“ sollten pseudonymisierte Behandlungsdaten nutzbar gemacht werden. Denn Simulationen anhand von vorhandenem Bildmaterial können invasive Diagnostik verhindern oder Therapieschritte vorbereiten. - Das Einwilligungsmanagement zur Datennutzung im Behandlungsablauf sollte bundesweit vereinheitlicht werden und auf einer einheitlichen Interpretation der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) basieren. - Für die Verbesserung von Produkten und Services braucht die Industrie Zugang zu Gesundheitsdaten und teilt selbst auch ihre Daten. Dabei sind allerdings IP-Rechte zu beachten, gerade bei Medizinprodukten. - Unser Appell: Smarte Gesundheitsversorgung entsteht nicht durch einzelne Innovationen, sondern durch das Zusammenspiel von Daten, Vernetzung und KI. Die Zukunft der Versorgung ist möglich – jetzt muss das System folgen. ## Zum Autor: Dr. Marc-Pierre Möll ist seit April 2019 Geschäftsführer des Bundesverbandes Medizintechnologie e. V. in Berlin sowie Geschäftsführer der BVMed-Akademie. Er ist zudem Mitglied des BVMed-Vorstands.