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24. Dez 2021

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Gesundheit

Viele Menschen entdecken im Alter Dinge, die sie schon längst hätten tun können

Journalist: Katja Deutsch

Sexologin Ann-Marlene Henning spricht über das neu entdeckte Bedürfnis nach Sex in späteren Jahren.


Ann-Marlene Henning, Sexologin, Autorin, Moderatorin und Sextherapeutin, Foto: Nele Martensen

Lust? Hat man auch noch mit 60, 70 und sogar 90 Jahren. Die Sehnsucht nach Berührung und Liebkosung brauchen Menschen wie die Luft zum Atmen, bekanntermaßen werden Säuglinge ohne Körperkontakt und Zuwendung nicht alt. Auch im letzten Viertel des Lebens merken immer mehr Menschen, dass ihnen dieser Körperkontakt, und zwar auch der sexuelle, sehr fehlt. Sex und Lust sollten eigentlich auch im Alter die normalsten Sachen der Welt sein, tatsächlich jedoch ist beides immer noch tabubehaftet. 

„Das größte Problem dabei sind nicht die Gleichaltrigen – sondern häufig die 50 bis 60 Jahre alten Kinder der Verliebten“, sagt Ann-Marlene Henning, bekannte Sexualtherapeutin, Inhaberin der Praxis „Doch noch“, und Autorin mehrerer Bücher zum Thema Sex. Die fänden das oft anstößig und reagierten erschüttert, wenn Mutter oder Vater einen neuen (Sexual-) Partner präsentierten. Generell wird nach wie vor auch besonders der weibliche Körper beurteilt und oft genug auch verurteilt. Der Mythos „Ab 50 Jahren können Frauen keinen Sex mehr haben, weil sie dann austrocknen“ hält sich hartnäckig und wird so oft verbreitet, bis viele Frauen das selber glaubten, so die Sexualexpertin. Auch damit einhergehende, körperliche Veränderungen der Wechseljahre werden oft zu regelrechten Diagnosen. 

„Wer sich informiert und weiß, wie die inneren und äußeren Veränderungen während der Menopause vor sich gehen, kommt meistens viel besser damit klar“, sagt Ann-Marlene Henning. „Natürlich gibt es Frauen, die in jungen Jahren stark von PMS gebeutelt wurden. Oftmals haben sie dann auch stärkere Wechseljahresbeschwerden wie die nächtlichen Schweißausbrüche. Zum Glück werden diese ‚Wechsel‘ in der Menopause weniger, wenn die hormonelle Umstellung vollzogen ist.“ Ann-Marlene Henning empfiehlt dazu das Buch „Die Weisheit der Wechseljahre“ von Dr. med. Christiane Northrup. Die Ärztin beschreibt auch anhand von Studien, dass diejenigen, die sich mit sich selbst und ihren Bedürfnissen beschäftigen, die Veränderungen eher positiv sehen.

Denn das Schöne daran ist: Hat man die Jugend einige Dekaden hinter sich gelassen, wird der Sex viel entspannter. Mann und Frau können sich endlich voll und ganz fallen lassen. Die lästige Verhütungsfrage ist durch, man kennt seinen Körper besser und ist insgesamt viel gelassener und entspannter im Umgang mit Sexualität – denn man blickt ja auf eine 40- bis 50-jährige Erfahrung zurück. Ist die Frau dann tatsächlich manchmal zu trocken, gibt es genügend guter Gleitcremes. „Die schlechten allerdings sind oft klebrig, denn sie beinhalten Zuckerkügelchen, die dann reiben und schmerzen können“, so die Expertin. 

Männer kümmern sich im Übrigen viel weniger um ihre Andropause, obwohl auch sie gravierende Veränderungen durchmachen. Viele beschäftigen sich weder mit sich selber, noch holen sie sich Hilfe bei seelischen und sexuellen Problemen, stattdessen vereinsamen sie oft. Um die gewohnte Erektion auch im fortgeschrittenen Alter zu bekommen und zu halten, sind gesunde Gefäße nötig. Und selbst wenn die Gefäße gesund sind, sind sie trotzdem alt. Sehr viele Männer hätten immer noch die typische Choreografie „küssen, fummeln, Penetration, fertig“ im Kopf. Aber das reicht für einen älteren Penis meistens nicht. „Einige meiner alten Damen sind darüber sogar regelrecht erfreut und sagen, herrlich, dass wir so alt geworden sind, denn jetzt brauchen die Männer auch endlich mal ein Vorspiel!“

29. Dez 2025

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Gesundheit

Gesund & Aktiv im Alter

### Pilates – tiefenwirksame Praxis Ideal für Best Ager: Das sanfte, gelenkschonende Ganzkörpertraining kann nicht nur mit eingeschränkter Beweglichkeit praktiziert werden, sondern wirkt auch altersbedingten Beschwerden entgegen. In jeder Pilates-Stunde werden neben Muskelkraft, Stabilität und Mobilität auch Koordination und Gleichgewicht trainiert. Die Übungen lassen sich im Sitzen, Stehen oder Liegen durchführen und werden an Fitnesslevel und Leistungsstand angepasst. Es werden dabei gezielt die tiefliegenden Muskeln in Bauch, Rücken und Beckenboden angesprochen – jene Muskulatur, die für Stabilität, Gleichgewicht und Sturzprävention wichtig ist. Regelmäßiges Training sorgt so für erhöhte Beweglichkeit, eine verbesserte Körperhaltung und Balance und kann sogar dauerhaft den Blutdruck senken. Um die richtige Atemtechnik zu erlernen, sollte unbedingt ein Einstiegskurs in dieser Altersgruppe besucht werden. Bei körperlichen Einschränkungen finden sich unter den rund 500 unterschiedlichen Bewegungsmuster immer genügend Ausweichübungen. ![pexels-roodzn-34314432 ONLINE.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/pexels_roodzn_34314432_ONLINE_01d8168c42.jpg) ### Schwimmen – schwerelos sporteln Auch diese Sportart kann Senioren uneingeschränkt empfohlen werden – bei konkreten Gelenkschmerzen fallen lediglich einzelne Schwimmstile ins Wasser beziehungsweise sollten durch andere ersetzt werden. Das Besondere: Im Wasser wird das Körpergewicht um ein Vielfaches aufgehoben. Bedingt durch die Schwerelosigkeit werden die Gelenke geschont und die Muskeln sanft trainiert – und zwar alle großen Muskelgruppen. Schwimmen ist quasi ein Allrounder, denn die Aktivität verbessert Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit. Regelmäßiges Training stärkt das Herz-Kreislauf-System, regt den Stoffwechsel an und kann sogar die Cholesterinwerte senken. Es kommt sogar noch besser: Das Immunsystem wird gestärkt, Stress abgebaut und die Koordination verbessert. Von den komplexen Bewegungsabläufen profitieren übrigens auch die kognitiven Fähigkeiten: Studien belegen, dass regelmäßiges Schwimmen das Demenzrisiko senken beziehungsweise einen Demenzverlauf positiv beeinflussen kann. Wer mit sämtlichen Schwimmstilen Schwierigkeiten hat, kann es mit Aqua-Fitness versuchen. ![pexels-pavel-danilyuk-6874403 Online.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/pexels_pavel_danilyuk_6874403_Online_a2532ecc8e.jpg) ### Nordic Walking – echter Selbstläufer Die gelenkschonende Alternative zum Joggen gehört wahrscheinlich zu den beliebtesten Best Ager-Sportarten. Kein Wunder: Nordic Walking ist einfach umzusetzen, stärkt die Muskulatur, verbessert die Koordination und Körperhaltung und fördert die Herz-Kreislauf-Gesundheit. Durch den Stockeinsatz wird nicht nur der Bewegungsapparat entlastet, sondern zusätzlich Arm-, Schulter- und Rückenmuskulatur trainiert. Das ursprünglich für finnische Skilangläufer entwickelte Sommertraining reguliert den Blutdruck und trainiert die Herzgefäße: Das Herz wird kräftiger durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. Darüber hinaus aktiviert regelmäßige Praxis den Hormonhaushalt, stärkt das Immunsystem und beugt Osteoporose und Altersdiabetes vor. Die koordinierte Bewegung festigt die Balance und fördert die koordinativen Fähigkeiten des Gehirns. Darüber hinaus wirkt sich die Bewegung in der freien Natur positiv auf die Psyche aus: Stress kann abgebaut und depressiven Verstimmungen entgegenwirkt werden. Wer nicht allein walkt, hat auch im sozialen Bereich einen echten Lauf. ![pexels-pack2ride-85580365-8934510 ONLINE.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/pexels_pack2ride_85580365_8934510_ONLINE_ca5f7bad72.jpg) ### Radfahren – läuft wie geschmiert Für das Fahrrad ist man im Grunde nie zu alt. Bei moderatem Tempo ist die gelenkschonende Aktivität ein optimales Ausdauertraining, welches das Herz-Kreislauf-System auf sanfte Weise in Schwung bringt. Neben Herz und Lunge werden eine Reihe von Muskelgruppen (insbesondere die Beinmuskulatur) gestärkt. Darüber hinaus kräftigt Radfahren das Immunsystem und beeinflusst das vegetative Nervensystem positiv. Es ist zudem eine herrliche Schulung für Koordination und Gleichgewicht: Eine Studie belegt bei aktiven älteren Fahrradfahrenden weniger Stürze im Alltag. Ein weiteres Plus für Best Ager: Biken trainiert die Gehirnleistung und stärkt kognitive Funktionen. Auch die mentale Gesundheit profitiert, denn die Kombination aus Bewegung und Naturerlebnis wirkt stressabbauend und stimmungsaufhellend. Studien betonen zudem eine Stärkung sozialer Kontakte durch den erweiterten Aktivitätsradius, welche sich ebenfalls positiv auf die Psyche auswirkt.