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23. Dez 2021

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Gesellschaft

Volle Ladung, wo sie gebraucht wird

Journalist: Theo Hoffmann

Batteriespeicher im modernen Wohnen können einen erheblichen Beitrag zur besseren Integration erneuerbarer Energien insgesamt leisten.

Man glaubt es kaum, aber allein 25 % des gesamten Stromverbrauchs entfallen auf die privaten Haushalte. Aus diesem Grund spielt dieser Bereich für eine nachhaltigere und kostensparende Energieversorgung eine herausragende Rolle. Im Fokus stehen dabei Heimspeicher, deren Potenzial heute jedoch weitestgehend ungenutzt ist. Denn moderne, smarte Häuser und smarte Wohngemeinschaften wären in der Lage, mit Stromreserven in Heimspeichernetzen weitaus geschickter umzugehen, wenn hier die richtigen Voraussetzungen geschaffen würden. „Den Energieverbrauch senken, regenerative Energieerzeugung steigern und den Eigenverbrauch selbsterzeugten Stroms auszubauen“, erklärt Dr. Sebastian Heinz von der High Performance Battery Technology GmbH, „sind die Themen des modernen Wohnens, in dessen Zentrum Heimspeicher zukünftig stehen.“

Heute werden Heimspeicher vor allem mit einer PV-Anlage in Verbindung gebracht, um den Eigenverbrauch zu steigern. Dabei können sie deutlich mehr beitragen. Werden sie zwischen den Haushaltsgeräten und dem Stromnetz eingesetzt, können sie unter Erhalt der Geräte den Strom dann aus dem Netz beziehen, wenn er zur Verfügung steht, und dann bereitstellen, wenn er im Haushalt gebraucht wird. Ebenso interessant ist es aber, dass sie auch in Zeiten einer Unterversorgung Strom ins Netz einspeisen, um die Volatilität der Erzeugung, z. B. bei einer Windflaute, netzdienlich auszugleichen. Damit kann der Verbraucher sogar selbst Geschäfte machen, denn über eine aktive Teilnahme an der Strombörse oder der Regelenergie kann er zusätzliche Einnahmen generieren und damit die Energiekosten insgesamt für den Haushalt senken.

Sprechen wir von smarten Quartieren, dann kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu, der für eine nachhaltige Energieversorgung ebenso zentral ist: Die Synergieeffekte im Quartier führen dazu, dass der Speicherbedarf im Quartier kleiner ist als die Summe der Speicher, die nötig wären, wenn jeder nur seinen eigenen Speicher einsetzen würde.

Das führt allerdings auch zu der relevanten Frage, wie Speicher dimensioniert werden müssen, um solche Speicherziele zu erreichen. Mit dieser Zukunftsfrage setzt sich das aktuelle White Paper „Rightsizing – aber richtig!“ auseinander und spannt den Bogen für den Einsatz von Batteriespeichern über alle Anwendungsfälle bis hin zu industriellen Großspeichern. Die Kombination der Batterieeigenschaften entscheidet darüber, wie groß Speicher tatsächlich sein müssen und wie klein sie werden können. Ein Aspekt, der umso wichtiger wird, je mehr Speicher wir einsetzen. Ansonsten tauschen wir ein Klimaproblem gegen ein Ressourcen- und Entsorgungsproblem bei Batteriespeichern.

Doch dafür müssen noch Voraussetzungen geschaffen werden, denn die eingeschränkte Langlebigkeit und die Entflammbarkeit der aktuellen Batterien sowie eine Regulierung, die das Potenzial von Speichern für die Energiewende noch nicht ausreichend erkannt hat, sind Felder, auf denen es neue Lösungen braucht. Die High Performance Battery Technology GmbH arbeitet genau daran. Und dafür, dass sowohl das Geschäftsmodell als auch das Design überzeugen kann, wurde sie doppelt nominiert für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2022.

Es ist aber nicht die Technik wie ein flexibles Rightsizing von Akkus und Batterien allein, das uns hier weiterhilft. Im Fokus steht auch unser täglicher Umgang mit den Ressourcen und eine optimierte Anwendung der Energiespeicher, über die wir verfügen. Es klingt fast paradox und ist doch eine große Verführung, wenn uns immer effizientere Batteriespeicher jetzt und in Zukunft zur Verfügung stehen, wir bei der verbesserten Nutzung dieser Mittel den Verbrauch aber nicht drosseln, sondern wegen geringerer Kosten und stärkerer Belastbarkeit der Speicher auch noch erhöhen. Gesteigerter Bedarf erhöht den Energieverbrauch und auch den Rohstoff bedarf für die Batterieherstellung. Und Letzteres ist nicht immer nachhaltig nachhaltig und sollte daher kritisch überprüft werden.

28. Jan 2026

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Wirtschaft

Flexible Aus- und Weiterbildung als Schlüssel zum Erfolg – Ein Beitrag von Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB)

Zwischen 2025 und 2029 gehen rund 5,26 Mio. Erwerbstätige in den Ruhestand. Gleichzeitig erwarten wir, dass in diesem Zeitraum nur rund 4,37 Mio. Personen aus dem Bildungssystem oder aus dem Ausland neu auf den inländischen Arbeitsmarkt kommen. Der Ersatzbedarf lässt sich mengenmäßig nicht durch dieses Neuangebot stillen. Die Zahl der Erwerbstätigen wird somit zurückgehen. Zugleich braucht Deutschland dringend Erneuerungen. In unsere Sicherheit und Infrastruktur wird viel investiert werden müssen. In den Gesundheitsberufen wird die Nachfrage steigen, und auch in der IT-Entwicklung dürfen wir nicht zurückbleiben. Um unseren Wohlstand bei einer schwindenden Zahl an Erwerbstätigen auch in den kommenden Jahren zu erhalten, müssen wir technologische Entwicklungen intelligent nutzen. So können Tätigkeiten zum einen automatisiert werden, die bislang von Menschen ausgeübt werden. Zum anderen bieten sie aber auch Raum für neue Tätigkeiten und Geschäftsmodelle. Eine jüngst veröffentlichte Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung, des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung zeigt, dass allein die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz (KI) rund 1,6 Mio. Arbeitsplätze betreffen werden. Voraussichtlich werden rund 800.000 Arbeitsplätze in den kommenden 15 Jahren wegen der Nutzung von KI entfallen, während gleichzeitig rund 800.000 neu entstehen. Dieser Strukturwandel lässt sich nicht ohne berufliche Aus- und Weiterbildung bestreiten. >Um unseren Wohlstand bei einer schwindenden Zahl an Erwerbstätigen auch in den kommenden Jahren zu erhalten, müssen wir technologische Entwicklungen intelligent nutzen. Der Digitalisierung folgt der verstärkte Einsatz von KI, der abstrakte Klimawandel wird greifbar durch Flut- und Dürrekatastrophen, die demografische Entwicklung führt zu anderen Arbeitsmodellen und längeren Arbeitsphasen. Berufliche Qualifikationen bereiten uns im besten Fall darauf vor, auf Unvorhergesehenes zu reagieren. So eröffnen die 327 Ausbildungsberufe des dualen Systems die Möglichkeit, flexibel in einer Fülle von Erwerbsberufen tätig zu werden. Voraussetzung hierfür ist, dass exemplarisch in ausreichender fachlich-methodischer Breite und Tiefe gelernt wird und die für die Transformation notwendigen Schlüsselkompetenzen vermittelt werden. Zentral sind hier Transfer- und Problemlösefähigkeit, Kreativität sowie soziale und personale Kompetenzen. Wichtig ist aber auch, Menschen ohne Ausbildung durch die Nutzung abschlussorientierter Konzepte – wie zum Beispiel Teilqualifikationen oder Validierungsverfahren – für die Herausforderungen des Arbeitsmarkts der Zukunft zu befähigen. Vor dem Hintergrund des beschleunigten Strukturwandels leistet vor allem auch die berufliche Weiterbildung einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung. Sie schafft individuelle Entwicklungsmöglichkeiten für die Beschäftigten. Deshalb müssen wir die formale Weiterbildung durch gezielte Flexibilisierung, Modularisierung und „Dualisierung“ – also die Verknüpfung von systematischem Lernen mit praktischer Anwendung am Arbeitsplatz – attraktiver gestalten und stärker mit non-formalen Angeboten verknüpfen. So kann es gelingen, möglichst viele Menschen für Weiterbildung zu gewinnen. Denn es ist arbeitsmarkt- und gesellschaftspolitisch nicht akzeptabel, große Bevölkerungsgruppen vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen zu lassen. Die Attraktivität und Individualisierung der Weiterbildungsformate sind hier entscheidend.