25. Jun 2026

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Vom Flughafen in die Arztpraxis: wie KI und Deepfakes die Medizin verändern

Journalist: Thomas Soltau

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Foto: Presse, Privat

Wenn KI Gesichter erkennt, Diagnosen unterstützt und medizinische Daten sicher auswertet, verschwimmen die Grenzen zwischen digitaler Identitätsprüfung und moderner Gesundheitsversorgung.

Mithilfe von KI-Algorithmen die Identität einer Person überprüfen? Was heute bereits bei automatisierten Grenzkontrollen an Flughäfen eingesetzt wird, eröffnet künftig neue Möglichkeiten für das Gesundheitswesen. Die Technologie erkennt nicht nur Deepfakes, sie kann auch helfen, Krankheiten frühzeitig zu diagnostizieren und sensible Forschungsdaten sicher zu verarbeiten. So lassen sich die medizinische Versorgung verbessern und hohe Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit umsetzen. Gleichzeitig werden Ärzt:innen und Gesundheitseinrichtungen entlastet.

Markus Linnemann, Vice President Critical Infrastructures bei secunet, blickt auf die Chancen, die sichere Technologien für Medizin, Forschung und Patientenversorgung eröffnen.

Bessere Diagnostik dank strukturierter Mustererkennung Spezielle Technologien zur Erkennung von Bildmanipulationen analysieren kleinste Abweichungen in Gesichtern oder anderen Bilddaten. Im Bereich der automatisierten Grenzkontrolle wird dafür die sogenannte Morphing-Attack-Detection (MAD) eingesetzt, um Identitätsdiebstahl festzustellen. Diese Fähigkeit lässt sich auch für medizinische Anwendungen nutzen. So können KI-Systeme Muster erkennen, die für das menschliche Auge nur schwer sichtbar sind, und Ärzt:innen bei Diagnosen unterstützen. Künftig könnten digitale Gesundheitsterminals das Patientenmanagement übernehmen, erste Untersuchungen ermöglichen oder medizinische Geräte dabei helfen, Auffälligkeiten zu erkennen. Wichtig ist, dass die Technologie nicht die ärztliche Expertise ersetzt, sondern diese lediglich unterstützt und zusätzliche Hinweise liefert. Denn auch im KI-Zeitalter bleiben Erfahrung und Fachwissen des medizinischen Personals unersetzlich.

**Medizinischer Fortschritt dank sicherer Datennutzung ** Auch in der medizinischen Forschung bietet KI großes Potenzial. Die Technologie ermöglicht es, Datenmengen sicher zu analysieren und relevante Informationen schneller zu finden. So lassen sich Zusammenhänge zwischen Symptomen, Krankheitsverläufen und Behandlungsmethoden mithilfe von semantischen Suchen besser erkennen.

Besonders interessant ist dies für Forschungsdaten und Informationen aus der elektronischen Patientenakte (ePA). Mit einem klaren Konzept und beschränkten Zugriffsrechten auf die sensiblen Daten lässt sich KI sicher in der Praxis umsetzen. Entscheidend ist der hohe Anspruch an den Datenschutz, der zu jedem Zeitpunkt gewährleistet sein muss. Nur so lassen sich Sicherheit und Vertrauen in digitale Lösungen vereinen.

Während KI-Systeme in anderen Ländern bereits zum medizinischen Alltag gehören, zögert Deutschland noch bei der Umsetzung. Dabei zeigen die konkreten Anwendungsfälle, dass sich Innovationen und Datenschutz nicht ausschließen. Richtig eingesetzt können KI-gestützte Verfahren medizinischen Fortschritt beschleunigen und die Patientenversorgung verbessern.

25. Jun 2026

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Gesundheit

Mit Datennutzung und Innovationen zur Smarten Gesundheitsversorgung –Ein Beitrag von Dr. Marc-Pierre Möll, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied BVMed – Bundesverband Medizintechnologie

Denn moderne Medizintechnik liefert genau das, was eine smarte Gesundheitsversorgung braucht: Kontinuierlich verfügbare Daten, intelligente Vernetzung und KI-gestützte Lösungen, die neue Versorgungswege ermöglichen. Unser Problem in Deutschland ist: sektorale Strukturen, tradierte Vergütungssysteme und uneinheitliche Vorgaben bremsen die digitale Transformation bislang aus. Was muss getan werden? Wir müssen Daten besser verfügbar machen. Wir müssen internationale Standards für Datenformate und -sicherheit verwenden. Wir müssen digitale Versorgung besser etablieren. Wir müssen digitale Versorgungspfade umsetzen. Die Nutzung von Daten ist das Kernelement, das digitale Versorgung in allen Sektoren und Situationen kennzeichnet. Dabei kann die Nutzung der Daten sehr verschieden gestaltet sein. Beispiele sind: - die Steuerung von Patientenpfaden anhand von aktuellen Daten und Informationen aus der Patientenhistorie, - das permanente Monitoring des Gesundheitszustandes anhand von kontinuierlich erhobenen Daten aus Sensoren oder anderen Messgeräten, - das situationsbezogene Management anhand von Alarmen bzw. Meldungen, - die Nutzung von Daten für die Weiterentwicklung von Produkten und Services sowie für Training, Validierung und Einsatz von KI, - die Nutzung von Daten für Digital Twin-Ansätze oder - die Nutzung von Daten für Training, Schulung, Weiterbildung. Wichtig ist, dass die erforderlichen Daten in der Versorgung zur richtigen Zeit und am richtigen Ort verfügbar sind, ein nutzbares Format haben oder über eine Schnittstelle genutzt werden können und die Rahmenbedingungen für die Datennutzung klar sind. **Aus Sicht der MedTech-Branche fordern wir:** - In einem neuen Primärversorgungssystem sollte die digitale Ersteinschätzung so entwickelt werden, dass künftig auch Echtzeitdaten für eine valide Ersteinschätzung genutzt werden können. - Für „Digital Twin-Technologien“ sollten pseudonymisierte Behandlungsdaten nutzbar gemacht werden. Denn Simulationen anhand von vorhandenem Bildmaterial können invasive Diagnostik verhindern oder Therapieschritte vorbereiten. - Das Einwilligungsmanagement zur Datennutzung im Behandlungsablauf sollte bundesweit vereinheitlicht werden und auf einer einheitlichen Interpretation der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) basieren. - Für die Verbesserung von Produkten und Services braucht die Industrie Zugang zu Gesundheitsdaten und teilt selbst auch ihre Daten. Dabei sind allerdings IP-Rechte zu beachten, gerade bei Medizinprodukten. - Unser Appell: Smarte Gesundheitsversorgung entsteht nicht durch einzelne Innovationen, sondern durch das Zusammenspiel von Daten, Vernetzung und KI. Die Zukunft der Versorgung ist möglich – jetzt muss das System folgen. ## Zum Autor: Dr. Marc-Pierre Möll ist seit April 2019 Geschäftsführer des Bundesverbandes Medizintechnologie e. V. in Berlin sowie Geschäftsführer der BVMed-Akademie. Er ist zudem Mitglied des BVMed-Vorstands.