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23. Jun 2026

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Gesundheit

„Vorsorge und Aufklärung sind mein Antrieb!“ – Im Interview mit Dr. Tanja Pollmüller, renommierte Expertin und Fachärztin für Kleintiere

Journalist: Nadine Wagner

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Foto: RTL/Markus Hertrich

Als renommierte Expertin und Fachärztin für Kleintiere ist Dr. Tanja Pollmüller in sämtlichen Bereichen aktiv für den Tierschutz unterwegs – frei nach dem Motto „Wissen ist Tierschutz“. Ehrenamtlich unterstützt sie als Botschafterin die Organisation „Tierärzte ohne Grenzen“ und die „Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz“ (TVT).

Warum ist der Ansatz „Wissen ist Tierschutz“ für dich als Tierärztin so wichtig? Wissen ist Tierschutz, weil ich in meinem Praxisalltag jeden Tag sehe, wie viel Tierleid entsteht, obwohl es vermeidbar gewesen wäre. Viele Tierhalter handeln nicht aus böser Absicht, sondern weil ihnen schlicht das Wissen fehlt. Tiere kommen zu spät in die Praxis, Symptome werden falsch eingeschätzt oder Haltungsfehler bleiben lange unbemerkt. Genau deshalb ist Aufklärung so wichtig. Für mich reicht es nicht, immer nur zu behandeln, wenn bereits etwas passiert ist. Ich möchte vorher ansetzen, also dafür sorgen, dass Probleme gar nicht erst entstehen. Oder wie ich es gerne sage: Ich möchte lieber das Gitter über den Brunnen bauen, bevor das Kind hineinfällt. Idealerweise sollte also noch vor dem Tierkauf ein Termin beim Tierarzt stattfinden. Viele informieren sich intensiver über den Kauf eines Autos als über die Verantwortung für ein Lebewesen! Ich wünsche mir, dass zukünftige Tierhalter sich beraten lassen, zu Rasse, seriösen Züchtern, gesundheitlichen Risiken und natürlich der Frage, ob ich überhaupt Zeit, finanzielle Mittel und im Notfall Betreuung für das Tier habe.

Die ersten Haustiere von Familien mit Kindern sind häufig „pflegeleichte“ Kaninchen oder Meerschweinchen. Wird die Haltung von Kleintieren unterschätzt? Absolut. Gerade Kaninchen erfordern viel Aufmerksamkeit und Wissen! Kaninchenzähne wachsen ein Leben lang weiter und können massive Schmerzen verursachen. Auch Fliegenmadenbefall ist leider ein häufiger und extrem leidvoller Notfall, der bei täglichem Anheben und Wiegen des Tieres vermeidbar wäre.

Bei uns bekommt jeder Tierhalter beim Erstbesuch umfangreiche Informationen in Form von Merkblättern und Checklisten; wissenschaftlich fundiert und individuell auf Hund, Katze oder Kleintier abgestimmt. Mir ist wichtig, dass Menschen verstehen: Ein Tier zu halten, bedeutet Verantwortung. Impfungen, Parasitenprophylaxe oder Ernährung sollten keine Bauchentscheidungen sein, sondern auf aktuellen medizinischen Erkenntnissen beruhen. Leider merke ich oft, dass viele Informationen im Alltag leider untergehen. Und genau das ist das Problem: Ein Tier zu besitzen bedeutet Verantwortung. Wissen gehört genauso dazu wie Liebe.

Welche Notfälle erlebst du im Sommer besonders häufig? Hitzeschläge, Schnittverletzungen beim Baden, Vergiftungen und Probleme durch Blaualgen oder die sog. Wasserrute. Viele Hunde springen stundenlang ins Wasser und wieder heraus. Dadurch kann sich die Rute schmerzhaft entzünden und hängt dann plötzlich kraftlos herunter.

Ich wünsche mir, dass zukünftige Tierhalter sich beraten lassen, zu Rasse, seriösen Züchtern, gesundheitlichen Risiken und natürlich der Frage, ob ich überhaupt Zeit, finanzielle Mittel und im Notfall Betreuung für das Tier habe.

Sommer bedeutet auch Zeckenzeit. Oder gilt das inzwischen gar nicht mehr? Eigentlich gibt es kaum noch eine echte Zeckensaison. Durch den Klimawandel und die milderen Temperaturen sind Zecken inzwischen vielerorts fast ganzjährig aktiv. Viele verlassen sich auf Hausmittel, aber nur geprüfte antiparasitäre Mittel wehren Zecken wirkungsvoll ab. Der Schutz sollte regelmäßig und individuell angepasst werden. Es gibt Tabletten, Spot-ons, Halsbänder oder mittlerweile sogar Injektionen. Welche Variante sinnvoll ist, hängt vom Tier und vom Alltag der Besitzer ab. Wer mit seinem Hund in südliche Länder reist, muss zusätzlich auf Krankheiten wie Herzwürmer oder Leishmaniose achten und sollte auf Floh- und Zeckenschutz mit Repellent-Wirkung setzen.

Worauf sollte man beim Baden im See achten? Vor allem auf Wasserqualität und Blaualgen. Gerade in stehenden Gewässern können sich giftige Algen bilden. Außerdem sollte man Hunde nicht aus Pfützen trinken lassen. Dort können sich Leptospiren befinden. Das sind gefährliche Erreger, die schwere Erkrankungen bis hin zum Nierenversagen verursachen und sogar auf den Menschen übertragbar sind.

Was sollten Tierhalter vor einer Reise beachten? Zunächst natürlich die Impfungen und Reisedokumente. Die Tollwutimpfung muss gültig sein, der Chip lesbar und der Impfpass vollständig. Außerdem empfehle ich, sich schon vor Reiseantritt über die tierärztliche Versorgung am Urlaubsort zu informieren und gemeinsam mit dem eigenen Tierarzt eine kleine Reiseapotheke zusammenzustellen. Für sehr ängstliche Tiere gibt es beruhigende Präparate oder im Ausnahmefall auch Medikamente, aber das sollte immer individuell mit dem behandelnden Tierarzt besprochen werden.

Die Tollwutimpfung muss gültig sein, der Chip lesbar und der Impfpass vollständig.

factbox:

Dr. Tanja Pollmüller (@doc.polly) ist Kleintier-Fachärztin mit eigener Praxis in Ahlen. Mit viel Leidenschaft setzt sie sich u. a. auf Instagram für Aufklärung und einen bewussten Umgang mit Haustieren ein. Im Podcast „Doc Pollys Tiersprechstunde“ beantwortet sie gemeinsam mit Tierfreundin Kerstin Fragen rund ums Tierwohl.

25. Jun 2026

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Gesundheit

Mit Datennutzung und Innovationen zur Smarten Gesundheitsversorgung –Ein Beitrag von Dr. Marc-Pierre Möll, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied BVMed – Bundesverband Medizintechnologie

Denn moderne Medizintechnik liefert genau das, was eine smarte Gesundheitsversorgung braucht: Kontinuierlich verfügbare Daten, intelligente Vernetzung und KI-gestützte Lösungen, die neue Versorgungswege ermöglichen. Unser Problem in Deutschland ist: sektorale Strukturen, tradierte Vergütungssysteme und uneinheitliche Vorgaben bremsen die digitale Transformation bislang aus. Was muss getan werden? Wir müssen Daten besser verfügbar machen. Wir müssen internationale Standards für Datenformate und -sicherheit verwenden. Wir müssen digitale Versorgung besser etablieren. Wir müssen digitale Versorgungspfade umsetzen. Die Nutzung von Daten ist das Kernelement, das digitale Versorgung in allen Sektoren und Situationen kennzeichnet. Dabei kann die Nutzung der Daten sehr verschieden gestaltet sein. Beispiele sind: - die Steuerung von Patientenpfaden anhand von aktuellen Daten und Informationen aus der Patientenhistorie, - das permanente Monitoring des Gesundheitszustandes anhand von kontinuierlich erhobenen Daten aus Sensoren oder anderen Messgeräten, - das situationsbezogene Management anhand von Alarmen bzw. Meldungen, - die Nutzung von Daten für die Weiterentwicklung von Produkten und Services sowie für Training, Validierung und Einsatz von KI, - die Nutzung von Daten für Digital Twin-Ansätze oder - die Nutzung von Daten für Training, Schulung, Weiterbildung. Wichtig ist, dass die erforderlichen Daten in der Versorgung zur richtigen Zeit und am richtigen Ort verfügbar sind, ein nutzbares Format haben oder über eine Schnittstelle genutzt werden können und die Rahmenbedingungen für die Datennutzung klar sind. **Aus Sicht der MedTech-Branche fordern wir:** - In einem neuen Primärversorgungssystem sollte die digitale Ersteinschätzung so entwickelt werden, dass künftig auch Echtzeitdaten für eine valide Ersteinschätzung genutzt werden können. - Für „Digital Twin-Technologien“ sollten pseudonymisierte Behandlungsdaten nutzbar gemacht werden. Denn Simulationen anhand von vorhandenem Bildmaterial können invasive Diagnostik verhindern oder Therapieschritte vorbereiten. - Das Einwilligungsmanagement zur Datennutzung im Behandlungsablauf sollte bundesweit vereinheitlicht werden und auf einer einheitlichen Interpretation der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) basieren. - Für die Verbesserung von Produkten und Services braucht die Industrie Zugang zu Gesundheitsdaten und teilt selbst auch ihre Daten. Dabei sind allerdings IP-Rechte zu beachten, gerade bei Medizinprodukten. - Unser Appell: Smarte Gesundheitsversorgung entsteht nicht durch einzelne Innovationen, sondern durch das Zusammenspiel von Daten, Vernetzung und KI. Die Zukunft der Versorgung ist möglich – jetzt muss das System folgen. ## Zum Autor: Dr. Marc-Pierre Möll ist seit April 2019 Geschäftsführer des Bundesverbandes Medizintechnologie e. V. in Berlin sowie Geschäftsführer der BVMed-Akademie. Er ist zudem Mitglied des BVMed-Vorstands.