6. Jul 2026
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Business
Journalist: Andreas Schack
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Foto: Presse, charlesdeluvio/unsplash
Wer sich heute bewirbt, muss mehr vorweisen als einen lückenlosen Lebenslauf. Karriereguru Tobias Jost erklärt, worauf es bei Berufseinsteigern, Wiedereinsteigern und erfahrenen Fachkräften wirklich ankommt.
Tobias Jost, Gründer Karriereguru
Herr Jost, was unterscheidet erfolgreiche Bewerber:innen heute von denen, die immer wieder Absagen erhalten? Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Deshalb ist Anpassungsfähigkeit heute oft wichtiger als ein Abschluss von vor 20 Jahren. Wer zeigt, dass er bereit ist, Neues zu lernen und sich weiterzuentwickeln, hat gute Chancen – unabhängig vom Alter. Gerade Bewerber:innen über 40 sollten deutlich machen, dass sie offen für Veränderungen sind und sich mit aktuellen Entwicklungen beschäftigen.
Wie lässt sich das in einer Bewerbung sichtbar machen? Viele beschreiben nur ihre Aufgaben. Interessanter sind die Ergebnisse. Unternehmen suchen Menschen, die Probleme lösen, Zeit sparen, Kosten senken oder Umsatz steigern können. Statt „Kunden beraten“ sollte man daher möglichst konkret beschreiben, was man erreicht hat und welche Verantwortung man getragen hat.
Welche Rolle spielt KI inzwischen im Bewerbungsprozess? Vor allem größere Unternehmen setzen Bewerbermanagement-Systeme ein, die nach bestimmten Schlüsselbegriffen suchen. Deshalb lohnt es sich, die Stellenanzeige genau zu analysieren und die wichtigsten Begriffe auch in den eigenen Unterlagen aufzugreifen. KI kann dabei helfen, Bewerbungen gezielt auf eine Position anzupassen.
Was beobachten Sie bei Berufseinsteigern besonders häufig? Viele sind im Vorstellungsgespräch sehr nervös. Dabei wird oft vergessen, dass das Unternehmen ebenfalls ein Interesse daran hat, die passende Person zu finden. Ich empfehle, früh im Gespräch eigene Fragen zu stellen. Zum Beispiel: „Was hat Ihnen an meiner Bewerbung gefallen?“ Das lockert die Situation auf und schafft von Anfang an eine positive Gesprächsatmosphäre.
Entscheidend ist heute nicht das Alter, sondern die Anpassungsfähigkeit.
Viele Bewerber:innen verlieren nach mehreren Absagen ihr Selbstvertrauen. Was raten Sie? Man sollte nicht die gesamte Hoffnung auf eine einzige Stelle setzen. Wer sich breiter bewirbt, bleibt emotional unabhängiger und erhöht gleichzeitig seine Chancen. Außerdem lohnt es sich, nach Absagen nach Feedback zu fragen. Jede Rückmeldung liefert wertvolle Hinweise für die nächste Bewerbung.
Gibt es heute auch Wege abseits der klassischen Bewerbung? Absolut. Plattformen wie LinkedIn bieten die Möglichkeit, direkt mit Fachabteilungen oder Führungskräften in Kontakt zu treten. Wer zeigt, dass er sich mit den Herausforderungen eines Unternehmens beschäftigt und eigene Ideen einbringt, kann sich deutlich von anderen Bewerber:innen abheben. Auch kurze Videobewerbungen können helfen, einen persönlichen Eindruck zu vermitteln.
Wie sollten Bewerber:innen mit längeren Pausen im Lebenslauf umgehen? Elternzeit, Sabbaticals oder andere Auszeiten sind kein Makel. Solche Phasen vermitteln oft wichtige Fähigkeiten wie Organisation, Resilienz oder Selbstreflexion. Wer erklären kann, was er aus dieser Zeit gelernt hat, macht daraus sogar einen Vorteil.
Tobias Jost ist Gründer von Karriereguru und beschäftigt sich seit Jahren mit den Themen Bewerbung, Karriereplanung und Arbeitsmarkt. Über seine Kanäle (@karriereguru) erreicht er mehrere Hunderttausend Menschen mit Tipps rund um Beruf und Karriere.