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18. Mär 2026

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Gesundheit

Wege zum Wunschkind – mit Prof. Dr. med. Brigitte Leeners, Klinikdirektorin an der Klinik für Reproduktions-Endokrinologie am Universitätsspital Zürich

Journalist: Julia Butz

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Foto: Getty Images/unsplash, Presse

Frau Prof. Dr. med. Brigitte Leeners, Klinikdirektorin an der Klinik für Reproduktions-Endokrinologie am Universitätsspital Zürich, im Interview.

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Prof. Dr. med. Brigitte Leeners, Klinikdirektorin an der Klinik für Reproduktions-Endokrinologie am Universitätsspital Zürich

Frau Prof. Dr. Leeners, was sind die Gründe für ungewollte Kinderlosigkeit? Bei den Paaren, die sich bei uns vorstellen, liegen die Gründe zu etwa einem Drittel auf Seite der Frau, z. B. auf Grund von Endometriose, einem polyzystischem Ovarsyndrom oder verschlossenen Eileitern. Ein Drittel liegen aufseiten des Mannes, meist in Form einer eingeschränkten Spermienqualität. In vielen Fällen sind auch beide Partner betroffen, und bei einem kleineren Teil der Paare bleibt die Ursache trotz intensiver Diagnostik unklar. Zunehmend entscheiden sich auch Frauen für das vorsorgliche Einfrieren von Eizellen, um ihre Chancen auf eine spätere Elternschaft zu erhöhen.

Haben sich die Erfolgsraten von In-vitro-Fertilisation (IVF) in den letzten Jahren verändert? Die Behandlungsresultate sind heute so gut wie nie zuvor. In den weltbesten Zentren, zu denen wir uns erfreulicherweise zählen dürfen, liegt die Schwangerschaftsrate pro Versuch bei 35 bis 40 Prozent. Das Alter spielt aber dabei eine entscheidende Rolle. Je jünger die Patientin ist, desto höher sind die Erfolgsaussichten, das liegt schlicht in der Natur der Sache.

Spielt Stress eine Rolle für den Erfolg einer IVF? Alltagsstress oder die emotionale Belastung einer Kinderwunschbehandlung verringern die Erfolgschancen nicht. Leider begegnet uns aber das Phänomen ständig: Frauen glauben, sie würden durch ihren Stress verhindern, schwanger zu werden, und auch von außen bekommen sie oft den Eindruck, sie müssten ‚mehr tun‘. Diesen Druck wollen wir mit unserem ganzheitlichen Ansatz nehmen, indem wir psychische Entlastung genauso ernstnehmen wie die medizinische Betreuung.

Alltagsstress oder die emotionale Belastung einer Kinderwunschbehandlung verringern die Erfolgschancen nicht.

Kann KI die Kinderwunschbehandlung verbessern? Künstliche Intelligenz wird in der Kinderwunschmedizin bereits eingesetzt, beispielsweise bei der Auswahl von Embryonen oder Spermien. Die Idee, per KI die Embryonen mit den besten Entwicklungschancen zu erkennen, klingt plausibel – in der Praxis bringt das jedoch wenig, wenn eine Patientin, was nicht unüblich ist, nur sehr wenige Embryonen hat. Wir transferieren ohnehin alle, und ob der erste oder der dritte der Bessere ist, zeigt sich im Verlauf. In einigen großen Zentren wird Robotik getestet, um z. B. das Spermium voll automatisiert in die Eizelle zu geben. Das kann Vorteile haben, weil Maschinen keine Ermüdung kennen. Befürworter hoffen zudem auf geringere Kosten. Aber damit es sich wirtschaftlich lohnt, bräuchte es enorme Fallzahlen, und das lässt sich hierzulande kaum abbilden. Zudem braucht die Technik weiterhin die Begleitung von Embryologen, weil menschliches Gespür beim Einsatz in die sehr unterschiedlichen Eizellen nach wie vor entscheidend ist. Spannender finde ich den Einsatz von KI bei der Spermienauswahl, wo Bewegungsmuster oder die genetische Qualität beurteilt werden. Auch bei der Bestimmung des optimalen Zeitpunkts für die Eizellenentnahme könnten KI-Modelle künftig helfen, was insbesondere organisatorische Vorteile brächte. Am meisten Potenzial sehe ich in der Entwicklung individualisierter Protokolle, also bei der Frage, welche Dosierung und Strategie für jede Patientin am besten passt. Hier könnte KI langfristig tatsächlich einen Unterschied machen.

Factbox

2024 wurden in Deutschland rd. 134.000 IVF-Behandlungen durchgeführt, ein leichter Anstieg ggü. den Vorjahren. Jede dritte Behandlung führt zur Schwangerschaft, das Alter der Mutter bleibt dabei entscheidend: Bei den 30 bis 34-Jährigen lag die Schwangerschaftsrate bei 39 Prozent, bei den über 40-Jährigen bei 17,1 Prozent.

Quelle: Deutsches IVF-Register e.V. (D·I·R), 11/25

11. Jun 2026

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Gesundheit

Mehr als Sport: Warum Vereine unverzichtbar sind – Ein Beitrag von Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes

Es gibt Orte, an denen Gesellschaft im Kleinen sichtbar wird. Orte, an denen Menschen zusammenkommen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären – weil sie unterschiedliche Lebenswege haben, verschiedenen Altersgruppen angehören, unterschiedlichen Jobs nachgehen oder aus diversen sozialen Kontexten kommen. Diese Orte gibt es in Deutschland zum Glück fast überall, rund 86.000-mal: Es sind unsere Sportvereine. Denn in Deutschland engagieren sich Millionen von Menschen genau hier. Sie trainieren gemeinsam, halten sich fit, knüpfen Freundschaften, organisieren Wettkämpfe, begleiten Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung und schaffen Strukturen, die weit über das eigentliche Sporttreiben hinausreichen. Sportvereine sind mehr als Orte der Bewegung, sie sind soziale Räume. Sie fördern Zusammenhalt, vermitteln Werte wie Fairness, Respekt und Verlässlichkeit und stärken damit unsere Gesellschaft. Der Vereinssport ist die größte Bürgerbewegung unseres Landes. Mit mehr als 29 Millionen Mitgliedschaften vereint er mehr Mitglieder als der ADAC, als sämtliche politische Parteien, als die Kirchen und – man mag es kaum glauben – mehr, als es Netflix-Abos in Deutschland gibt. Zum zweiten Mal hintereinander haben die Sportvereine unter dem Dach des Deutschen Olympischen Sportbundes 2025 Rekordwerte gefeiert. >Sport verbindet, er hält gesund und bringt uns zusammen. Aber um das tun zu können, braucht er passende Orte, an denen er sein Potenzial entfalten kann. Diese Orte gibt es 86.000-mal in Deutschland, und wir alle sollten sie stärken, indem wir uns einbringen, wo wir können. Gleichzeitig stehen viele dieser Strukturen unter Druck. Ehrenamtliches Engagement wird immer knapper, Sportvereine werden heute mehr als Dienstleister denn als Gemeinschaftsprojekt gesehen. Hallenzeiten fehlen, Bürokratie führt zu Belastungen und finanzielle Ressourcen sind begrenzt. Sportvereine haben es trotz – oder gerade wegen – ihrer vielen Mitglieder nicht leicht. Wir sehen, dass der Wunsch bei sehr vielen Menschen so groß ist wie nie zuvor, etwas Gutes für ihre Gesundheit zu tun; und dass sie das nicht allein tun wollen im Fitnessstudio, beim Joggen im Park oder auf der Yogamatte bei sich zu Hause, sondern dass sie Gemeinschaft suchen im Sportverein um die Ecke. Für wenig Geld im Monat gibt es hier Sport, der Spaß macht, von Trainer:innen geleitet wird, der die Gesundheit fördert und der Menschen zusammenbringt. Auch in diesem Jahr steuern wir wieder auf einen Mitgliederrekord zu. Das sind gute Nachrichten, aber sie führen dazu, dass die bestehenden Probleme – eine stagnierende Zahl an Ehrenamtlichen muss mehr Menschen betreuen, und das in zunehmend maroden Sportstätten – sich noch stärker zeigen. Der gesellschaftliche Wert von Sport entfaltet sich nicht automatisch. Er entsteht dort, wo Menschen sich einbringen. Ein Sportverein ohne Menschen aus seiner Stadt, seinem Dorf, seiner Nachbarschaft, die sich heute engagieren, macht morgen seine Türen zu. Wer im Verein aktiv ist, trägt dazu bei, dass gemeinschaftliches Sporttreiben überhaupt möglich bleibt. Die Frage ist nicht, ob wir Sport brauchen – diese Frage lässt sich leicht mit „Ja“ beantworten. Die Frage ist, wie viele von uns bereit sind, ihn mitzugestalten und mit Leben zu füllen. Ob als Mitglied, als Ehrenamtlicher oder als jemand, der andere mitzieht: Jeder Beitrag zählt. Sportvereine funktionieren nicht von selbst. Sie funktionieren besonders dort gut, wo sie von vielen unterschiedlichen Menschen getragen werden. Sport verbindet, er hält gesund und bringt uns zusammen. Aber um das tun zu können, braucht er passende Orte, an denen er sein Potenzial entfalten kann. Diese Orte gibt es 86.000-mal in Deutschland, und wir alle sollten sie stärken, indem wir uns einbringen, wo wir können.