Diesen Artikel teilen:

29. Jan 2026

|

Gesundheit

Wenn das Haar geht, hilft die Wissenschaft

Journalist: Thomas Soltau

|

Foto: Mesut Cicen/unsplash

Haarausfall ist weit mehr als ein kosmetisches Problem. Millionen Menschen sind betroffen – und neue immunologische Forschung stellt das bisherige Verständnis grundlegend infrage.

Wenn sich die Kopfhaut langsam lichtet, schwindet teilweise auch das Selbstbewusstsein der Betroffenen. Haarausfall gehört zu den sichtbarsten Veränderungen des Körpers und zu den emotional belastendsten. Was oft schleichend beginnt, wird für viele Menschen zur dauerhaften Einschränkung der Lebensqualität. Dermatologische Übersichtsarbeiten und medizinische Lehrbuchdaten zeigen: Weltweit sind mehr als 70 Prozent der Männer sowie rund 50 Prozent der Frauen jenseits der Menopause im Laufe ihres Lebens von Haarausfall betroffen. Diese konsolidierten Richtwerte werden auch von Wirtschaftsmedien wie dem Handelsblatt in der Einordnung des Themas herangezogen. Der wirtschaftliche und gesellschaftliche Stellenwert des Themas ist entsprechend hoch, nicht zuletzt, weil Haarausfall häufig schon in jungen Jahren beginnt und sich über Jahrzehnte hinweg verstärkt.

Trotz dieser enormen Verbreitung bleibt die therapeutische Lage ernüchternd. Medizinisch gelten nur wenige Wirkstoffe als gesichert wirksam, ihre Effekte sind begrenzt und teils mit relevanten Nebenwirkungen verbunden. Dabei ist Haarausfall keine einheitliche Erkrankung. Die häufigste Form ist die androgenetische Alopezie, also genetisch bedingter Haarausfall. Große epidemiologische Auswertungen aus der internationalen Dermatologie zeigen, dass bis zu 50 Prozent aller Erwachsenen im Laufe ihres Lebens Anzeichen dieser Form entwickeln. Besonders ausgeprägt ist der Effekt bei Männern: Zwischen 30 und 50 Prozent weisen bis zum 50. Lebensjahr eine sichtbare Ausdünnung des Haars auf, ein Befund, der in zahlreichen Registerstudien bestätigt wurde und als medizinischer Konsens gilt.

Daneben existieren seltener auftretende, medizinisch jedoch hoch relevante Formen. Die Alopecia areata, eine autoimmune Erkrankung, betrifft laut systematischen Übersichtsarbeiten etwa zwei Prozent der Weltbevölkerung im Laufe ihres Lebens. Global gerechnet entspricht das vielen Millionen Betroffenen. Dermatologen zählen sie zu den häufigsten Autoimmunerkrankungen der Haut – häufig mit abruptem Haarverlust, starkem Leidensdruck und erheblichen psychosozialen Folgen im Alltag der Betroffenen.

Die häufigste Form ist die androgenetische Alopezie, also genetisch bedingter Haarausfall.

Lange dominierte dennoch ein vereinfachtes Erklärungsmodell. Der Fokus lag auf Hormonen, insbesondere auf Dihydrotestosteron, das Haarfollikel schrittweise schwächt. Dieses Bild greift jedoch zu kurz. Der Haarfollikel ist kein passives Gebilde, sondern ein hochaktives Mini-Organ. Er ist eingebettet in ein fein austariertes Zusammenspiel aus Zellen, Wachstumsfaktoren und immunologischen Signalen. Gerät dieses Gleichgewicht aus der Balance, verliert das Haar seine Fähigkeit zur Regeneration – oft lange, bevor der Verlust äußerlich sichtbar wird und therapeutische Maßnahmen überhaupt greifen.

In den vergangenen Jahren rückten deshalb immunologische Prozesse stärker in den Fokus der Forschung. Studien zeigen, dass selbst beim genetisch-bedingten Haarausfall lokale Mikroentzündungen rund um den Haarfollikel auftreten können. Diese verkürzen die Wachstumsphase, schädigen Stammzellen und fördern den Übergang in Ruhe- und Abbauphasen. Haarausfall erscheint damit zunehmend als Störung biologischer Kommunikation im Gewebe – nicht allein als hormonelles Problem, sondern als komplexes Zusammenspiel mehrerer biologischer Ebenen.

Impulse für diesen Perspektivwechsel kommen aus der universitären Grundlagenforschung. Seit mehr als 25 Jahren untersuchen Immunologen ein körpereigenes, entzündungsregulierendes Protein, das ursprünglich wegen seiner Rolle in der Immunmodulation erforscht wurde. In präklinischen Modellen zeigte es Effekte auf Wundheilung und Geweberegeneration. Später fiel auf, dass Haarfollikel in behandelten Hautarealen ihre Aktivität steigerten: Wachstumsphasen verlängerten sich, die Regenerationsfähigkeit nahm zu. Diese Beobachtungen gelten in der Fachwelt als robust, auch wenn der Übertrag auf den Menschen weiterhin sorgfältig geprüft werden muss.

Gleichzeitig verdeutlicht die aktuelle Forschung, dass Haarausfall nicht länger ausschließlich als ästhetisches oder altersbedingtes Phänomen betrachtet werden kann.

Der zugrunde liegende Mechanismus unterscheidet sich deutlich von klassischen Therapien. Statt systemisch oder hormonell einzugreifen, wirkt dieser Ansatz lokal im Gewebe. Er schützt Haarfollikelzellen vor dem programmierten Zelltod, reaktiviert ruhende Stammzellen und stabilisiert die immunologische Mikroumgebung. Entscheidend ist nicht ein einzelner Effekt, sondern das Zusammenspiel mehrerer biologischer Prozesse – Regulierung statt erzwungener Stimulation.

Noch steht der klinische Realitätscheck aus. Der Weg zur Arzneimittelzulassung ist lang, streng reguliert und kostenintensiv. Gleichzeitig verdeutlicht die aktuelle Forschung, dass Haarausfall nicht länger ausschließlich als ästhetisches oder altersbedingtes Phänomen betrachtet werden kann. Vielmehr rückt er zunehmend in den Kontext chronischer biologischer Fehlsteuerungen. Für Betroffene bedeutet das vor allem eines: die begründete Hoffnung, dass ein alltägliches, oft tabuisiertes Problem künftig fundierter, differenzierter und wirksamer adressiert werden kann. Auch für das Gesundheitssystem und die dermatologische Versorgung könnte dies langfristig neue Standards setzen. Die Forschung steht dabei am Anfang. Und sie wächst!

18. Mär 2026

|

Gesundheit

Ungewollt kinderlos

Für viele Paare gehört der Wunsch nach einem eigenen Kind fest zum Lebensplan. Doch bei rund 15 bis 20 Prozent der Paare in Deutschland bleibt dieser Wunsch unerfüllt¹. Damit beginnt für viele nicht nur ein körperlich, sondern auch emotional herausfordernder Weg. Untersuchungen, Behandlungszyklen, hormonelle Messwerte, Wartezeiten – der Gedanke an ein Baby bestimmt den Alltag. Das eigentliche Leben gerät dabei oft in eine Warteschleife. Urlaube lassen sich kaum planen; der nächste Karriereschritt? Scheint mit einer kommenden Schwangerschaft nur schwer vereinbar. Auch die finanzielle Seite ist belastend. Wiederholte Fruchtbarkeitsbehandlungen bedeuten erhebliche Kosten. Für viele Paare geht es irgendwann längst nicht mehr nur um die Frage, ob sie ein Kind bekommen, sondern auch darum, wie lange sie den physischen, psychischen und finanziellen Druck durchhalten können. In dieser schwierigen Situation spielt begleitende psychotherapeutische Unterstützung eine zentrale Rolle. Wenn man sich zwischen Hoffnung und Verzweiflung, Ratlosigkeit und tiefer Trauer nach der nächsten Fehlgeburt irgendwann fragt: Bin ich genug, auch ohne Kind? Was erfüllt mein Leben, auch wenn ich keine Mutter bin? >Für viele Paare geht es irgendwann längst nicht mehr nur um die Frage, ob sie ein Kind bekommen, sondern auch darum, wie lange sie den physischen, psychischen und finanziellen Druck durchhalten können. Die Ursachen dafür, warum eine Schwangerschaft auf natürlichem Wege ausbleibt, können komplex sein und sind nicht immer eindeutig zu bestimmen. Daher suchen viele Paare ergänzend zur schulmedizinischen Diagnostik nach Wegen, um die Voraussetzungen für eine Empfängnis ganzheitlich zu fördern, sowohl auf körperlicher als auch auf seelischer Ebene. Naturheilkundliche Ansätze können dabei wertvolle Impulse geben. So kann Akupunktur im Rahmen einer IVF (In-vitro-Fertilisation) den Behandlungserfolg positiv beeinflussen, in dem sie bei Männern die Spermienqualität verbessert und bei Frauen die Funktion der Eierstöcke unterstützt. Ganzheitliche Therapiekonzept verbinden unterschiedlichste Behandlungen um körpereigene Prozesse zu harmonisieren, von der Entgiftung und Entsäuerung des Körpers über Mikronährstoff- und Ordnungstherapien bis hin zu therapeutischen Massagen. Ebenso können Achtsamkeitstraining, Yoga oder Entspannungsverfahren helfen, Druck abzubauen und das hormonelle Gleichgewicht zu stabilisieren. Wenn IVF dann sprichwörtlich gefruchtet hat, wird das Wunder des entstehenden Lebens erst richtig bewusst. Ein unerfüllter Kinderwunsch bleibt eine vielschichtige Herausforderung, die medizinische, emotionale und soziale Aspekte gleichermaßen berührt. Unterstützungsangebote können Paare entlasten und ihnen helfen, den Weg durch Diagnostik und Behandlung selbstfürsorglicher zu gestalten. Letztlich geht es auch darum, die eigenen Grenzen zu erkennen – und liebevoll mit ihnen umzugehen. Dazu gehört die Offenheit für das, was möglich ist, aber auch die Akzeptanz für das, was nicht. ¹ Quelle: Deutsches IVF-Register (Jahresbericht 2024)

29. Jan 2026

|

Gesundheit

Ayurveda – Personalisierte Prävention – mit Dr. Dinu Shivaraman Kumar, Bachelor of Ayurvedic Medicine and Sciences

![naturhotel_chesa_valisa_dr.dinu_spa_lächeln_gerader_blick_nah_holzwand Online.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/naturhotel_chesa_valisa_dr_dinu_spa_laecheln_gerader_blick_nah_holzwand_Online_006187468b.jpg) ``` Dr. Dinu Shivaraman Kumar, Bachelor of Ayurvedic Medicine and Sciences ``` **Was verrät die Konstitutionsbestimmung?** Die Konstitutionsbestimmung zeigt das individuelle Zusammenspiel von Vata, Pitta und Kapha – die ganz persönliche energetische Landkarte eines Menschen. Sie gibt Aufschluss über körperliche und mentale Stärken und Schwächen sowie über typische Reaktionen auf Stress, Ernährung und Lebensweise. Auf dieser Grundlage wählen Ayurveda-Ärzte und -Therapeuten den Heilungsansatz individuell – angepasst an die aktuelle Lebenssituation und die persönlichen Eigenschaften der behandelten Person. **Warum ist es wichtig zu wissen, welchem Dosha-Typ man angehört?** Dieses Wissen ist die Grundlage jeder ayurvedischen Empfehlung. Nur so können Ernährung, Tagesrhythmus, Anwendungen und Lebensstil wirklich individuell abgestimmt werden – für Balance, Gesundheit und inneren Frieden. **Wie fühlen Sie die Beschwerden der Behandelten?** Ich spüre mit den Händen, sehe mit den Augen – aber vor allem höre ich zu. Durch Pulsdiagnose, Gespräch und Beobachtung erfasse ich nicht nur Symptome, sondern erkenne auch die tieferen Zusammenhänge. >Die Konstitutionsbestimmung zeigt das individuelle Zusammenspiel von Vata, Pitta und Kapha – die ganz persönliche energetische Landkarte eines Menschen