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23. Feb 2022

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Gesellschaft

Wir brauchen eine Revolution der Unternehmenskultur

Journalist: Katja Deutsch

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Foto: Presse

Petra von Strombeck, Vorstandsvorsitzende des börsennotierten Hamburger Unternehmens New Work SE, zu dem das Businessnetzwerk XING und die Arbeitgeberbewertungs-plattform kununu gehören, spricht über die Arbeit der Zukunft.

Sie haben zu Beginn der Pandemie einen Job als Vorständin eines neuen Unternehmens angetreten. Wie konnten Sie sich erstens Verhör verschaffen und zweitens Ihre Mitarbeiter kennenlernen?

Wie viele andere habe ich mein Team über (unzählige) Videokonferenzen kennengelernt. Sich Gehör zu verschaffen, präsent und sichtbar zu sein ist ja im digitalen Zeitalter eine relativ leichte Übung.

Wie schafft man es als Führungskraft, einen Überblick zu bekommen, Entscheidungen zu fällen und Prozesse anzustoßen, wenn man das Unternehmen nicht physisch kennenlernen kann?

Da ich bereits im Januar 2020 dazu gestoßen bin, konnte ich zumindest kurz alle europäischen Standorte und einen Teil der Teams kennenlernen. Mein offizieller Beginn als CEO fiel dann tatsächlich in den Lockdown, aber diese Erfahrung hat gerade in der Anfangszeit enorm geholfen.

Wie gut hat dieser Sprung ins kalte Wasser funktioniert?

Erstaunlich gut, obwohl ich weiterhin kein Fan von Videokonferenzen bin. Dabei hilft natürlich auch, dass ich ein Unterneh-men leite, das digitale Produkte anbietet und sich mit neuen Formen von Arbeit beschäftigt.

Wie ist die Situation im Moment? Kommen die Mitarbeiter wieder ins Büro?

Im Moment vorwiegend remote, zukünf-tig planen wir eine Mischung aus Büro und Homeo ffi ce. Wie so viele bin ich selbst eine leidenschaftliche Bürogängerin, denn ich ziehe viel Energie, Inspiration und Motivation aus dem Austausch mit anderen.

Was funktioniert Ihrer Erfahrung nach besser im Homeoffice? Welche Dinge sind weniger produktiv?

Konzentriertes Arbeiten funktioniert bei den meisten Kollegen gut im Homeo ffi ce, bei mir ebenso. Ich kann mich auch gut alleine zu Hause auf etwas vorbereiten. Aber mein Job besteht zum großen Teil aus Teamwork und Gesprächen mit anderen. Da hilft das gemeinsame Zusammenkommen an einem Ort schon ungemein, besonders wenn es um komplexe Themen geht oder wir die Kreativität von anderen brauchen.

Die Pandemie hat das Verständnis von Arbeit grundlegend verändert. Haben die Geschäftsführer mittlerweile erkannt, dass zur Beurteilung der Mitarbeiter andere Parameter eingesetzt werden müssen als acht- bis 16-stündige Anwesenheit?

Die guten Chefs wussten das schon vorher. Die Pandemie hat Führungskräfte dazu gezwungen, Kontrolle in einem bisher nie da gewesenen Maß abzugeben. Auch wenn das Prinzip Vertrauen in der Pandemie meistens gut funktioniert hat, brauchen wir eine „Revolution der Unternehmenskultur“, denn wir müssen in Zukunft noch stärker hin zu einer qualitativen Beurteilung von Arbeitsleistung.

Wie können Führung und Zusammenarbeit aus der Distanz gut gelingen?

Mithilfe der der zwei großen Ks: Kultur und Kommunikation. Eine Unternehmenskultur, die unterstützt, inspiriert und auf Offenheit und Vertrauen aufbaut, schaff t ein positives und ansteckendes Grundgefühl. Und sie ermöglicht eine Kommunikationskultur, in der auch Konflikte konstruktiv gelöst werden können.

Wie kann New Work dem Fachkräftemangel entgegenwirken?

Arbeitgeber müssen sich darüber klar sein, dass sich auf dem Arbeitsmarkt gerade ein dramatischer Machtwechsel vollzieht: Sie müssen sich um Potenziale bewerben, nicht umgekehrt. Dafür braucht es ein Umdenken und neue Konzepte. Wir brauchen zudem mehr Flexibilität für junge Eltern und Erleichterungen für Mütter, ältere und ausländische Fachkräfte. Jeder sollte den Job machen, der ihn begeistert!

Wie hat sich das Recruiting insgesamt durch New Work verändert?

Recruiting wird mehr denn je zum strategischen Erfolgsfaktor für Unternehmen. Modernes Recruiting setzt auf digitale Hilfsmittel und schaut viel stärker, ob die Kandidaten kulturell zum Unternehmen passen. HR-Abteilungen müssen sehr viel stärker als früher aktiv auf geeignete Kandidaten zugehen und dabei transparent, schnell und wertschätzend sein. Die Situation, dass Bewerber wochenlang auf Feedback warten, können sich Unternehmen heute nicht mehr leisten. Wir müssen uns also viel mehr um die so genannte
„Candidate Experience“ kümmern.

Ist es für Headhunter durch die beiden großen Plattformen einfacher oder schwieriger, geeignete Mitarbeiter zu finden?

Durch digitale Plattformen ist es heute sicherlich leichter, geeignete Kandidaten zu identifizieren. Wichtig ist dabei, diejenigen zu finden, die auch gut zum jeweiligen Unternehmen und der Aufgabe passen, denn aufgrund des Arbeitnehmermangels werden Kandidaten schwerer zu Mitarbeitern.

Wie ist Ihre ganz persönliche Traumvorstellung von Arbeit?

Ich brauche eine Aufgabe, mit der ich mich identifizieren und für die ich mich begeistern kann. Ich arbeite lieber in einem schnellen und dynamischen Umfeld, in dem ich strategische Weiterentwicklungen vorantreiben kann. Ich brauche ein Team, das darauf genauso Lust hat wie ich. Und ein Büro wie der New Work Harbour, unser fantastisches neues Büro in der Ham-burger Hafencity!

Fakten
Petra von Strombeck hat einen berühmt-berüchtigten Kaffeekonsum. Alle in ihrem Umfeld wissen, dass ohne Kaffee bei ihr nichts geht. Alle akzeptieren auch ihre Kaffeepausen in langen Meetings, um sie bei Laune zu halten. 

18. Mär 2026

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Gesellschaft

Hören macht klug

Kaum läuft der Lieblingssong, wird aus dem Kinderzimmer eine Bühne. Es wird gehüpft, getanzt, gerappt und mitgesungen. Musik bringt positive Energien ins Leben – und kann noch viel mehr: Musik stärkt das Arbeitsgedächtnis von Kindern, also die Fähigkeit, Informationen kurzzeitig zu speichern und zu verarbeiten. Damit Kinder neue Inhalte verstehen und anwenden können, braucht das Arbeitsgedächtnis eine ausreichend große Kapazität. Ist diese noch nicht altersgemäß entwickelt, kann das Lernen zur Herausforderung werden. Musik wirkt da im Kopf wie Fitness. Als gezieltes Gedächtnistraining, mit der die geistige Leistungsfähigkeit, schon im Vorschulalter, gefördert und somit das spätere Lernen erleichtert wird. Hörspiele ergänzen diese Reise in die Klangwelt: Kinder konzentrieren sich auf das gesprochene Wort und lernen Geschichten aus Stimmen, Geräuschen und Musik zu visualisieren. Statt auf Bilder zu schauen, erschaffen sie diese selbst im Kopf. Das fördert die Fantasie, Sprachentwicklung und Konzentration. Auch Singen macht Sprache lebendig. Mit Reimen, Wiederholungen und eingängigen Melodien entdecken Kinder neue Wörter und Satzmuster ganz intuitiv. Dabei wächst nicht nur ihr Sprachgefühl, sondern auch das Wir-Gefühl: Beim gemeinsamen Singen hören sie aufeinander, reagieren im Takt und erleben echtes Miteinander. Wenn die Musik dann in Bewegung übergeht, wird aus Rhythmus Körpergefühl. Tanzen stärkt Motorik, Koordination und Selbstvertrauen. >Musik wird damit zum Sprachrohr für Gefühle. Sie bieten einen sicheren Raum, der Kinder ihre Emotionen erkennen, ausdrücken und verstehen lernen lässt. Was sich in den letzten Jahren deutlich verändert hat, ist die musikalische Sprache, in der all das passiert. Moderne Kinderlieder lösen sich zunehmend vom pädagogischen Zeigefinger und suchen die Nähe zur Popkultur. Statt bravem Gitarrenfolk vom Pädagogen in Latzhose mit Mitmachliedern übers Zähneputzen, erklingen Hip-Hop-Beats, Indiepop und Reggae-Grooves. Die Texte greifen Themen auf, die Kinder beschäftigen: Familienalltag, Freundschaft, kleine Wutanfälle oder erzählen vom Mut, das erste Mal auf dem Fahrrad zu fahren. Musik wird damit zum Sprachrohr für Gefühle. Sie bieten einen sicheren Raum, der Kinder ihre Emotionen erkennen, ausdrücken und verstehen lernen lässt. Und ja – wenn das Lieblingslied zum hundertsten Mal läuft, nervt es vielleicht ein bisschen weniger, wenn der Text nicht von Reimen auf Hände waschen handelt, sondern davon, dass Eltern auch nur Menschen sind. Was einen Song besonders „kindertauglich“ macht, ist trotzdem eine Wissenschaft. Laut einem Bericht der New York Post¹ haben Forschende aus Sheffield herausgefunden, dass dazu ein Tempo zwischen etwa 60 und 120 BPM gehört, also ein Rhythmus, bei dem es sich gut mitwippen lässt; eingängige Wiederholungen sowie eine klare, positive Klangstruktur. Kommt Ihnen bekannt vor? Das sind genau die Zutaten, die es für einen guten Ohrwurm braucht. ¹ New York Post: „‘Radio Ga Ga’ is scientifically proven to be a perfect kids song“, 6. August 2024.