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21. Dez 2020

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Gesellschaft

„Wir brauchen einheitlich definierte Standards.“

Journalist: Helmut Peters

Die Bauwirtschaft ist bei der  Digitalisierung von vernetzten Lösungspaketen abhängig, die  allen Beteiligten gerecht werden und Nutzen bringen. 

Reinhard Quast, Präsident des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe, Foto: Claudius Pflug

Die Digitalisierung entwickelt sich in der Baubranche etwas langsamer als in an-deren Branchen. Was sind die Gründe?

Das Baugewerbe ist in der Struktur der Einzelmaßnahmen komplex. In allen Bereichen wird an und mit digitalen Lösungen gearbeitet. Viele Mittelständler und Handwerksfirmen in unserer Branche sind mitten in der Umstellung von Prozessen und führen neue Arbeitsmittel ein. Nach außen werden diese Lösungen sichtbarer, wenn sie zu vernetzten Paketen zusammengebunden werden. Als nicht-stationäre Branche sind wir sehr stark auf die technische Infrastruktur angewiesen: Auf einer Baustelle im Funkloch nutzen digitale Lösungen wenig.

Warum hat gerade der Baumittelstand eher Probleme mit digitalen Prozessen und Tools?

Die Digitalisierung ist ein Thema sowohl für Großkonzerne als auch für Handwerksbetriebe. Der große Mittelständler braucht ebenso wie der Baukonzern geschlossene Lösungen, die alle Geschäftsvorgänge abdecken. Der Mittel-stand greift dann auf digitale Lösungen zurück, wenn diese mit Sicherheit einen großen Nutzen bringen und auch ohne Informatiker eingeführt werden können.

Bei öffentlichen Bauvorhaben ist das Building Information Modeling (BIM) seit Kurzem ja verbindlich. Was verändert sich dadurch und wie reagiert die Baubranche darauf?

Zunächst: BIM ist kein Allheilmittel. In erster Linie stellt BIM ein Modell dar, das die Echtzeitkontrolle des Baufortschritts ermöglicht. Wir brauchen bei dem Thema aber einheitlich definierte Standards und Schnittstellen. Hier gibt es noch keine flächendeckende Lösung. Nur wenn alle am Bau Beteiligten niedrigschwellig Zugang zu BIM-Modellen erhalten, bringt diese Technologie einen Durchbruch für die Branche insgesamt.

Welche Rolle spielen Start-ups wie Prop-Tech-Unternehmen, die die Baubranche unterstützen und die Modernisierung vorantreiben?

Wir haben über die letzten Jahre gesehen, dass etliche Gründer gute Ideen zur Verbesserung von Prozessen am Bau haben. Gerade der administrative und kaufmännische Bereich bietet hierfür Chancen. Auch neue Plattformen, beispielsweise zum Baumaschinen- und Fuhrpark-Management, werden von Bau-Start-ups entwickelt.

Inwieweit wird der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) inklusive maschinellen Lernens immer wichtiger auch für die Baubranche?

Der Bereich Künstliche Intelligenz hat in der Bauwirtschaft die natürliche Intelligenz des Menschen noch nicht ersetzt. Im Bereich des Dokumentenmanagements gibt es aber bereits heute gute Ansätze. Künstliche Intelligenz wird sich dann am Bau entwickeln, wenn dort selbstlernende Module verfügbar sind, die wir mit existierendem Wissen und technischen Regeln speisen können.

In welchem Umfang hat die Vernetzung und Kommunikationsfähigkeit in der Baubranche Nachholbedarf, auch im Umgang mit Bauteilen und Baustoffen?

Bereits heute gibt es für die Baustellenlogistik viele digitale Anwendungen. Das können Konzepte aus der Sharing Economy sein, bei denen sich der Besitz von Baumaschinen und Geräten an der tat-sächlichen Nutzung orientiert. Oder auch der Einsatz von Virtual-Reality-Tools, beispielsweise zur Erdvermessung im Straßenbau. Für alle diese Innovationen gilt aber: Wir brauchen auf Baustellen flächendeckend die Infrastruktur für den Einsatz digitaler Technik.

Was kann die Baubranche über die  digitale Neuausrichtung noch tun, um in Sachen Nachhaltigkeit und der Erreichung der Klimaziele fortschrittlicher  zu arbeiten?

Als bauausführende Wirtschaft liegt für uns ein großer Hebel in einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft, inklusive kurzer Transportwege und einem hohen Grad an Wiederverwertung. Leider hat der Gesetzgeber hier wiederholt die Chance verpasst, günstige Rahmenbedingungen zu schaffen. Die hohe Recyclingquote am Bau zeigt aber, dass Umweltschutz für uns kein Fremdwort ist. Die Akzeptanz von Recycling-Baustoffen durch die öffentliche Hand muss allerdings noch gesteigert werden. Nachhaltigkeit am Bau muss den Lebenszyklus der Gebäude insgesamt berücksichtigen. Wir brauchen langlebige, gegen Naturgewalten und starke Beanspruchung konzipierte Gebäude. Naturereignisse und Feuerstürme haben früher ganze Städte vernichtet. Dazu darf es heute nicht mehr kommen. Ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit muss daher in die Länge gedacht werden.

18. Mär 2026

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Gesellschaft

Hören macht klug

Kaum läuft der Lieblingssong, wird aus dem Kinderzimmer eine Bühne. Es wird gehüpft, getanzt, gerappt und mitgesungen. Musik bringt positive Energien ins Leben – und kann noch viel mehr: Musik stärkt das Arbeitsgedächtnis von Kindern, also die Fähigkeit, Informationen kurzzeitig zu speichern und zu verarbeiten. Damit Kinder neue Inhalte verstehen und anwenden können, braucht das Arbeitsgedächtnis eine ausreichend große Kapazität. Ist diese noch nicht altersgemäß entwickelt, kann das Lernen zur Herausforderung werden. Musik wirkt da im Kopf wie Fitness. Als gezieltes Gedächtnistraining, mit der die geistige Leistungsfähigkeit, schon im Vorschulalter, gefördert und somit das spätere Lernen erleichtert wird. Hörspiele ergänzen diese Reise in die Klangwelt: Kinder konzentrieren sich auf das gesprochene Wort und lernen Geschichten aus Stimmen, Geräuschen und Musik zu visualisieren. Statt auf Bilder zu schauen, erschaffen sie diese selbst im Kopf. Das fördert die Fantasie, Sprachentwicklung und Konzentration. Auch Singen macht Sprache lebendig. Mit Reimen, Wiederholungen und eingängigen Melodien entdecken Kinder neue Wörter und Satzmuster ganz intuitiv. Dabei wächst nicht nur ihr Sprachgefühl, sondern auch das Wir-Gefühl: Beim gemeinsamen Singen hören sie aufeinander, reagieren im Takt und erleben echtes Miteinander. Wenn die Musik dann in Bewegung übergeht, wird aus Rhythmus Körpergefühl. Tanzen stärkt Motorik, Koordination und Selbstvertrauen. >Musik wird damit zum Sprachrohr für Gefühle. Sie bieten einen sicheren Raum, der Kinder ihre Emotionen erkennen, ausdrücken und verstehen lernen lässt. Was sich in den letzten Jahren deutlich verändert hat, ist die musikalische Sprache, in der all das passiert. Moderne Kinderlieder lösen sich zunehmend vom pädagogischen Zeigefinger und suchen die Nähe zur Popkultur. Statt bravem Gitarrenfolk vom Pädagogen in Latzhose mit Mitmachliedern übers Zähneputzen, erklingen Hip-Hop-Beats, Indiepop und Reggae-Grooves. Die Texte greifen Themen auf, die Kinder beschäftigen: Familienalltag, Freundschaft, kleine Wutanfälle oder erzählen vom Mut, das erste Mal auf dem Fahrrad zu fahren. Musik wird damit zum Sprachrohr für Gefühle. Sie bieten einen sicheren Raum, der Kinder ihre Emotionen erkennen, ausdrücken und verstehen lernen lässt. Und ja – wenn das Lieblingslied zum hundertsten Mal läuft, nervt es vielleicht ein bisschen weniger, wenn der Text nicht von Reimen auf Hände waschen handelt, sondern davon, dass Eltern auch nur Menschen sind. Was einen Song besonders „kindertauglich“ macht, ist trotzdem eine Wissenschaft. Laut einem Bericht der New York Post¹ haben Forschende aus Sheffield herausgefunden, dass dazu ein Tempo zwischen etwa 60 und 120 BPM gehört, also ein Rhythmus, bei dem es sich gut mitwippen lässt; eingängige Wiederholungen sowie eine klare, positive Klangstruktur. Kommt Ihnen bekannt vor? Das sind genau die Zutaten, die es für einen guten Ohrwurm braucht. ¹ New York Post: „‘Radio Ga Ga’ is scientifically proven to be a perfect kids song“, 6. August 2024.